SPD-Chef zum Wahlausgang
Richter will für Fraktionsvorsitz kandidieren

Ahlen -

Die SPD wollte „Ahlen besser machen“, mit Hermann Huerkamp als Bürgermeister. Nun sucht sie nach Erklärungen für ihre Wahlniederlage.

Donnerstag, 17.09.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 20:30 Uhr
Am Wahlabend in der Stadthalle hatte Sebastian Richter noch keine Erklärung für das schlechte Abschneiden der SPD. Und viel schlauer ist er auch einige Tage danach noch nicht, gibt er zu.
Am Wahlabend in der Stadthalle hatte Sebastian Richter noch keine Erklärung für das schlechte Abschneiden der SPD. Und viel schlauer ist er auch einige Tage danach noch nicht, gibt er zu. Foto: Ulrich Gösmann

Nein, so richtig verdaut hat Sebastian Richter auch vier Tage danach das für die Ahlener Sozialdemokraten auf ganzer Linie enttäuschende Abschneiden bei der Kommunalwahl noch nicht. Offen gesteht er im Gespräch mit unserer Zeitung ein: „Ich persönlich muss das mit dem Verlieren auch noch lernen.“ Es ist die erste Niederlage, die der 39-jährige Rechtsanwalt und Notar als Vorsitzender des SPD-Stadtverbandes mitzuverantworten hat. Und sie schmerzt nach seinen Worten mehr, „als wenn man vorher schon gedacht hätte, das wird nichts“. Haben Richter und seine Parteifreunde aber nicht gedacht, sie waren im Gegenteil voller Hoffnung, mit ihrem Programm und mit ihrem Bürgermeisterkandidaten beim Wähler punkten zu können. „Hat leider nicht funktioniert“, stellt Richter nüchtern fest. Aber warum nicht? Erklärungsversuche.

Das Ergebnis sei nicht deckungsgleich mit der Wahrnehmung, die er im Wahlkampf gehabt habe, so der SPD-Vorsitzende. Ein Wahlkampf, der aus seiner Sicht „wenig optimierbar“ gewesen wäre, der eigentlich so gelaufen sei, wie er laufen müsse, um zum Erfolg führen zu können. So jedenfalls hätten es auch die Reaktionen vermuten lassen. An den Infoständen, auf der Straße, bei Veranstaltungen. „Die Leute sind vielfach von sich aus auf uns zugekommen, haben das Gespräch gesucht, haben uns gespiegelt ,tolle Ideen, toller Kandidat‘.“ Das, sagt Richter, habe er „so noch nicht erlebt“. Er erinnert sich an Bundestagswahlkämpfe, in denen den Genossen offene Ablehnung entgegengeschlagen ist.

Kontroverse Themen fehlten

Aber am vergangenen Sonntag ging es ja auch um Ahlen, um Kommunalpolitik. Da hätten vielleicht die „großen Kontroversen“ gefehlt, hat Richter doch zumindest eine Vermutung, woran es gelegen haben könnte, dass die Botschaft „Wir können es besser“ nicht verfangen hat. Und auch nicht die Inszenierung von Hermann Huerkamp als „Macher“. Von „seinem“ Kandidaten – er hatte den Leiter des Stadtteilbüros der Partei vorgeschlagen – ist der Vorsitzende nach wie vor überzeugt: „Er war der Richtige.“ Andererseits: Wenn es in Hamm dem SPD-Mann Marc Herter gelingt, den langjährigen OB und haushohen Favoriten Thomas Hun­steger- Petermann nicht nur in die Stichwahl zu zwingen, sondern ihn im ersten Durchgang sogar zu überholen, bleiben Fragen, auf die Sebastian Richter auch noch keine Antworten hat.

Es gab keine GroKo, das ist einfach falsch.

Sebastian Richter

Den Vorwurf, die SPD habe in den zurückliegenden fünf Jahren im Ahlener Rat zu sehr mit der CDU „gekuschelt“, weist der Stadtverbandsvorsitzende jedoch als „Legendenbildung“ zurück: „Es gab keine GroKo, das ist einfach falsch. Wir haben Sachentscheidungen getroffen.“ Und so werde man es auch in der nächsten Wahlperiode halten, dabei aber „versuchen, den Finger in die Wunde zu legen“. Die CDU habe jetzt die Möglichkeit, ihr Programm durchzusetzen, frage sich nur, mit welchen Partnern und zu welchen Bedingungen. Es habe ja mal die Idee gegeben, im Rat eine linke Mehrheit jenseits der CDU zu organisieren, ruft Richter in Erinnerung und fügt, ohne die Adressaten dieses Seitenhiebs beim Namen zu nennen, hinzu: „Diejenigen, die Hermann Huerkamp nicht un­terstützt haben, müssen sich fragen, ob sie an dieser Idee noch interessiert sind.“

Zwei Sitze weniger im Rat

Zwei Sitze weniger werden die Genossen künftig im Rat haben, für Sebastian Richter „kein Weltuntergang“. Sehr schade sei es allerdings, dass es ausgerechnet Karl-Heinz Meiwes getroffen hat. Mit ihm gehe der Fraktion viel Erfahrung verloren. Und für das Amt des 2. stellvertretenden Bürgermeisters muss die SPD nun einen Nachfolger nominieren – oder eine Nachfolgerin. Da fallen dem Parteichef auf Anhieb ein paar Namen ein, die er allerdings noch nicht nennen will. Seinen eigenen setzt er dafür schon auf die Kandidatenliste für die Wahl des neuen Fraktionsvorstands. Er kündigt erstmals öffentlich an: „Ich habe vor, mich um den Vorsitz zu bewerben.“ Gabi Duhme hatte schon vor einiger Zeit erklärt, sich aus der ersten Reihe zurückziehen zu wollen.

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