Drensteinfurt
Missbrauch: Skandal erreicht Rinkerode

Freitag, 26.03.2010, 13:03 Uhr

Rinkerode - Der Missbrauchsskandal innerhalb der katholischen Kirche zieht immer weitere Kreise - und hat mittlerweile auch das Davertdorf Rinkerode erreicht. Wie Pastor Matthias Hembrock gegenüber unserer Zeitung bestätigte, handelt es sich bei dem 74-jährigen Geistlichen, der in dieser Woche wegen Missbrauchsverdachts mit sofortiger Wirkung von allen priesterlicher Diensten entbunden wurde, um den langjährigen Rinkeroder Gemeindepfarrer Adalbert H. .

Wie das Bistum Münster bekannt gab, wird der Geistliche beschuldigt, sich im Jahr 1970 an einem jungen Ostbeveraner vergangenen zu haben. Zu dieser Zeit war Adalbert H. Vikar in der Gemeinde St. Ambrosius.

In Ostbevern hat sich das vermutliche Opfer mittlerweile selbst der Öffentlichkeit gestellt. Als elfjähriger Messdiener habe er im Jahr 1970 den damaligen Vikar von St. Am­brosius in seinem VW-Käfer zu einem Jugendcamp begleitet, berichtete Martin Ruhmöller gegenüber unserer Zeitung. „Ich erinnere mich noch an die Waldlichtung, in der ich kurz darauf zum ersten Mal vergewaltigt wurde.“

Der Missbrauch durch den einstigen Vikar habe über einen längeren Zeitraum angehalten - und sei vom Betroffenen zunächst „komplett abgespalten“ worden. Nach seinem Abitur an der Loburg verließ Martin Ruhmöller, der heute als Geschäftsführer eines Unternehmens für Personaldienstleitungen im Gesundheitswesen arbeitet, Ostbevern „ganz schnell“.

Erst 2003 sei Ruhmöller der Missbrauch bewusst geworden. Als er etwa sechs Monate später dem Bischof von Münster sein Erleben schriftlich mitgeteilt und daraufhin zu einem Gespräch eingeladen worden sei, habe er dieses „wie ein Verhör“ erlebt.

Nachdem er das Geschehen nun öffentlich gemacht habe, erfahre er viel Anerkennung für dieses Vorgehen. Doch wichtiger sei ihm etwas anderes: „Die Öffnung hat für mich eine heilende Wirkung. Es ist gut, dass ich diesen Teil von mir nicht mehr verstecken muss“, sagte er.

Wie Martin Ruhmöller berichtete, sei ihm zu Ohren gekommen, dass sich weitere zwei Missbrauchsopfer aus Ostbevern beim Bistum gemeldet hätten. Dies wurde von dort aber bislang nicht bestätigt.

Nach seiner Zeit in Ostbevern trat Adalbert H. am 16. September 1973 seine Stelle in der Pfarrgemeinde St. Pankratius in Rinkerode an, wo er 28 Jahre lang seinen Dienst versah. Im Jahr 2001 ging H. in den Ruhestand. Seitdem lebt er im Sauerland, das zum Erzbistum Paderborn gehört.

Pastor Matthias Hembrock hat angekündigt, in der Vormittagsmesse am Sonntag in der Pfarrkirche St. Pankratius öffentlich zur Angelegenheit Stellung zu beziehen.

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