Drensteinfurt
Offen und authentisch

Freitag, 10.09.2010, 14:09 Uhr

Rinkerode - Das „Aktuelle Forum“ hat es wieder einmal geschafft: Zum Programmstart des zweiten Halbjahres war mit Reiner Kunze ein Schwergewicht der deutschen Nachkriegsliteratur zu Gast im Rinkeroder Pfarrzentrum . Über 100 Zuhörer waren gekommen, um von dem Schriftsteller etwas zum Thema „Instandsetzung des Morgens - Tagebuchnotizen und Gedichte aus 40 Jahren“ zu hören.

Kunze unterteilte seine Lesung in drei Abschnitte. Am Anfang las er Auszüge aus seinem Buch „Am Sonnenhang“, das als Tagebuch des Jahres 1992 konzipiert ist. Er gibt darin, wie er selbst sagt, Alltagnotizen wieder. Diese seien Erlebtes, Erinnertes, Gesagtes oder auch Verschwiegenes, so Kunze in seinem Vorwort. In diesen Notizen erzählt er von Gesprächen mit Dirigenten über Musik, seinen Erklärungen, warum Autoren vor Publikum lesen, oder auch den Reaktionen von Journalisten auf sein aufgeräumtes Arbeitszimmer, was bei einem Intellektuellen seines Formates, doch vor Chaos nur so strotzen müsse.

Bei all diesen Ausschnitten aus Kunzes Leben war dem Publikum anzumerken, dass es das Erlebte auch wirklich spürt und nicht nur Niedergeschriebenes auf sich einprasseln lässt.

Im zweiten Teil widmete sich Kunze Erinnerungen aus seiner Kindheit. Anekdoten über seinen Großvater, mit dem er zusammen versuchte, Kühe zu hüten, sich bei einsetzendem Regen aber lieber unter einer versteckte. Er beschreibt in diesem Teil auch sehr eindrucksvoll das gefühlte Ende seiner Kindheit. Das sei gekommen, als sein Großvater während des Zweiten Weltkrieges zum ersten Mal mit ihm über Politik gesprochen habe.

Als Abschluss seiner Lesung trug Reiner Kunze noch eine Auswahl von Gedichten sowie Kindergedichten aus seiner 40-jährigen Schaffenszeit vor. Die Themen reichten von Reiseerfahrungen, über Alltägliches bis hin zu Liebeszeilen für seine Frau.

Gerade auch mit den Kindergedichten zum Abschluss schaffte es Kunze, das fast ausschließlich aus älteren Zuhörern bestehende Publikum nicht nur zum Schmunzel, sondern auch zum Nachdenken zu bewegen.

Im Anschluss an die Lesung blieb Reiner Kunze seiner offenen und authentischen Art treu, beantwortete Nachfragen aus dem Plenum und signierte noch für jeden Interessierten auf Wunsch eines seiner Bücher.

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