Drensteinfurt
Gänsehaut und stehende Ovationen

Montag, 18.10.2010, 15:10 Uhr

Drensteinfurt - Sie kam, eroberte wie ein Wirbelsturm die Bühne und schlug ein wie eine Bombe: Angelika Milster . Sie war der absolute Star des Jubiläumskonzertes, mit dem der MGV Drensteinfurt seinen 100. Geburtstag am Sonntagabend in der Dreingau-Halle beging.

Selbst den ansonsten schlagfertigen Josef Klein, der als erster Vorsitzender zugleich die Moderation übernahm, fegte „La Milster“ wie sie sich selbst ankündigte, von der Bühne. Und wem es bis dahin von den 800 Zuhörer noch nicht klar war, dass sie ein Star ist, dem erteilte sie mit ihrem ersten Lied „Ich bin ein Star“ eine kleine Lektion. Und was für ein Star. Der sich im Musical absolut perfekt auf der Bühne zu bewegen weiß ohne übertriebenen Pathos, in vielen Gesangsfächern zu Hause ist und nicht nur in der nachgefragten Musicalsparte und der vor allem authentisch herüberkommt.

Dazu gehörte auch, dass sich die Milster nach Zugabe und Blumen für sie selbst und ihren Ausnahme-Pianisten Jürgen Grimm, der sie kongenial am Flügel begleitete, und dabei eigene Akzente setzte, zur Zuzugabe gemeinsam mit dem jubilierenden Chor das bekannteste Lied aus dem Musical „ Evita “, das dem Leben der zur Volksheldin verklärten Evita Peron gewidmet ist, „Weine nicht um mich, Argentinien“, anstimmte. Noch einmal Gänsehaut-Feeling, die sich bei den Besuchern an diesem denkwürdigen Konzertabend bei diesem melancholischen Lied nicht zum ersten Mal einstellte.

Allerdings hatte der jubilierende Chor das Feld auch gut vorbestellt. Statt Schuberts romantische Klassiker oder die beliebte Volksliedschublade aufzuziehen, hatte Alexandros Tsihlis mit seinen Chörsängern deutsche Chansons und Popmusik einstudiert. Zur Überraschung mancher Zuhörer haben auch Lieder wie „Über den Wolken“ von Reinhard Mey oder „Mit 66 Jahren“ von Grandseigneur Udo Jürgens in den mehrstimmig geschriebenen Arrangements ihren eigenen Reiz. Einen kleinen Ausflug in die aktuelle Hitparade gestattete der Dirigent mit dem Lied „Ein Stern, der deinen Namen trägt“ von Nik P. seinen Sängern sehr zur Freude des Publikums doch. Mit dem vertonten Gedicht „Die Made“ des unvergesslichen Heinz Erhard, der es selbst musikalisch arrangiert hat, leitete der Chor im zweiten Teil mit zwei südamerikanischen Stücken - El Condor pasa und Brasil - über zu Angelikas Milsters zweiten Auftritt, der mit stehenden Ovationen noch mehr umjubelt sein sollte.

Schon bei dem Song „Erinnerung“ und den mit Schmelz in der Stimme vorgetragenen Zeilen wie „Mondlicht, schau hinauf in das Mondlicht“ aus dem Musical „Cats“ stellte sich die Gänsehaut bei der Zuhörern ein, die auch beim Song People“, das die Streisand unsterblich gemacht hat, nicht nachließ und bei Abbas „The Winner takes it all“ einen weiteren Höhepunkt erreichte,

Wie ein Popstar wirbelte die Künstlerin über die Bühne, flirtete mit Mikrofon und Publikum und sorgte ganz nebenbei für hinreißende Versprecher wie „mein Gewicht“ statt „mein Gesicht“. Doch was zählt schon das ein oder andere oder wenn sich zwischenzeitlich die hoch gesteckte Frisur auflöst, wenn die Frau Angelika Milster heißt, die alle Sparten des Bühnengeschäftes beherrscht einschließlich des komödiantischen Faches. Auch wenn sie mit ihrem frechen Mundwerk vielleicht nie die feine Dame wird, wie ihr Mann ihr prophezeit. Und ganz nebenbei zeigt sie bei „Torna a Surrento“, dass sie auch im klassischen Fach zu Hause sind. Und ihr Meckie Messer hätte auch sein Autoren-Duo Weill und Brecht zum Gruseln gebracht.

Der am weitesten angereiste Besucher des Konzertes aus dem Zillertal, Wilfried Binder, durfte sich über eine CD des Chores und die Ehrengäste wie Josef Waldmann als stellvertretende Bürgermeister, Martin Bramkamp als Vertreter des Sängerkreises Lünen-Lüdinghausen und Ulli Damm in Vertretung für die Sparkasse Münsterland Ost, die das Konzert gesponsert hat, über die namentliche Begrüßung freuen.

Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/274545?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F127%2F702687%2F702690%2F
Nachrichten-Ticker