Drensteinfurt
„Hunderttausende sind beunruhigt“

Montag, 07.02.2011, 18:02 Uhr

Drensteinfurt - Nichts unversucht lassen in diesen Tagen die Bürgerinitiativen aus Drensteinfurt, Borken, Nordwalde und Lünne, um die von ExxonMobil geplanten Gasbohrungen zu verhindern. Jetzt haben sie sich in einem offenen Brief an Bundespräsident Christian Wulff , Bundeskanzlerin Angela Merkel , Bundestagspräsident Norbert Lammert und die Bundestagsabgeordneten mit der Bitte gewandt, „das Fracking-Verfahren durch eine zeitgemäße Gesetzgebung zu untersagen“.

„Wir wollen nicht die Teilnehmer sein in einem europäischen Großversuch, der unseren Kontinent auf Jahrtausende mit krebserregenden und toxischen Stoffen kontaminiert“, schreiben die Initiatoren.

Die Bürgerinitiativen wenden sich an Merkel und Wulff, „weil wir uns einer großen Gefahr von nationaler und internationaler Dimension gegenübersehen“. Die Bürger und die Mitglieder der vier Bürgerinitiativen seien in großer Sorge.

Die Autoren erläutern ausführlich die Vorgehensweise beim so genannten Fracking-Verfahren, mit dessen Hilfe das unkonventionelle Erdgas an die Erdoberfläche befördert werden soll. Der „Cocktail an chemischen Stoffen“, der dabei verwendet werde, verbleibe zum großen Teil im Erdreich. Zudem würden Unmengen an Frisch- und Trinkwasser für dieses Verfahren benötigt.

Vorgerechnet wird, dass für einen Frackvorgang an einem Bohrplatz zehn bis 20 Millionen Liter Frisch- oder Trinkwasser vermischt mit 200 000 bis 400 000 Litern chemischer Stoffe benötigt würden. Von dieser Flüssigkeit kämen zirka 30 Prozent als kontaminierter Sondermüll an die Erdoberfläche.

Im niedersächsischen Söhlingen soll dieser Sondermüll sogar verklappt worden sein, das heißt in angrenzenden anderen Bohrstellen wieder ins Erdreich gepumpt worden sein, heißt es in dem Brief. „Wer garantiert, dass diese Stoffe für immer in der Erde bleiben und nicht an die Oberfläche oder ins Trinkwasser gelangen?“, fragen die Bürgerinitiativen.

In dem offenen Brief wird von Fällen aus den USA berichtet, in denen es zu Verseuchungen des Grundwassers gekommen sein soll. Methan sei mit dem Grundwasser aufgestiegen. Das aus den Wasserhähnen ausströmende Gas habe zu Flammen in Handwaschbecken geführt.

„Wir sind gemeinsam mit Hunderttausenden Menschen im westlichen Münsterland extrem beunruhigt und besorgt um unsere Umwelt, insbesondere um unser Grundwasser. Wir wollen unsere Umwelt für nachfolgende Generationen in unserem Land sichern. Unsere Sorgen sind noch sehr viel vielschichtiger. Unter anderem wären da nur das Landschaftsbild sowie die Auswirkungen auf Flora und Fauna genannt. Gerne würden wir Ihnen all unsere Sorgen auch persönlich vortragen“, heißt es in dem Schreiben.

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