Unkonventionelle Gasbohrungen
„Wir alle lehnen Fracking ab!“

Drensteinfurt -

Die Bürgerinitiative gegen Gasbohren hatte zu einer Informationsveranstaltung eingeladen, bei der die Zuhörer auf den neuesten Stand in Sachen „Unkonventionelle Gasbohrungen“ gebracht wurden. Auch wenn Bürgermeister Paul Berlage erklärte, dass in Drensteinfurt alle Fracking ablehnten, stellte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer klar, dass das unkonventionelle Gasbohren noch lange nicht vom Tisch sei.

Sonntag, 20.01.2013, 20:01 Uhr

Moderator Carsten Grawunder begrüßte auf dem Podium in der Gaststätte „Amigos“ Heinz Töns, Pfarrer Matthias Hembrock, Paul Berlage, Oliver Krischer und Pfarrerin Annette Heger (v.li.).
Moderator Carsten Grawunder begrüßte auf dem Podium in der Gaststätte „Amigos“ Heinz Töns, Pfarrer Matthias Hembrock, Paul Berlage, Oliver Krischer und Pfarrerin Annette Heger (v.li.). Foto: -anf-

Euphorische, nachdenkliche und auch warnende Worte waren am Freitagabend bei der Infoveranstaltung der Bürgerinitiative gegen Gasbohren (BIGG) im „Amigos“ zu hören. Zahlreiche interessierte Bürger waren gekommen, um von den eingeladenen Rednern über die neuesten Stand in Sachen „ Gasbohrungen in Drensteinfurt“ informiert zu werden.

Das Podium war prominent besetzt. Neben Bürgermeister Paul Berlage hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinz Töns Platz genommen. Außerdem war auch Oliver Krischer zu Gast. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen ist energiepolitischer Sprecher der Partei und beschäftigt sich nun seit mehr als zwei Jahren mit dem Thema „ Fracking “. Zum ersten Mal mit von der Partie waren auch die örtlichen Kirchen, vertreten durch Pastor Matthias Hembrock und Pfarrerin Annette Heger.

Die Moderation des Abends übernahm der stellvertretende Vorsitzende der BIGG, Carsten Grawunder. Dieser gab zunächst einen kleinen Rückblick auf die vergangenen zwei Jahre, in denen die Bürger aktiv und engagiert gegen Gasbohrungen in der Stadt gekämpft hätten. Die nun schon vierte Infoveranstaltung sollte vor allem daran erinnern, dass das Thema noch nicht vom Tisch sei, da das Bergrecht, das Fracking erlaube, noch immer nicht geändert worden sei.

Zunächst ergriff Bürgermeister Paul Berlage das Wort und lobte zunächst die tatkräftige Arbeit der „BIGG“, die das Thema „hier groß gemacht hat“. Er selbst habe an zahlreichen Veranstaltungen zum Thema „Fracking“ kritisch teilgenommen und sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. „Wir alle lehnen Fracking ab“, stellte der Bürgermeister unmissverständlich klar. Der gesamte Rat der Stadt sei sich darüber einig, dass keine Grundstücke für die Firma Exxon zur Verfügung gestellt werden sollten. Seine abschließende Stellungnahme zu den unkonventionellen Gasbohrungen lautete: „So und in dieser Form eindeutig ,Nein’.“

Pfarrer Matthias Hembrock sprach auch für die evangelische Kirche, die sich gemeinsam mit der katholischen Kirche gegen die Gasbohrungen ausspreche. Hembrock stellte zunächst klar, dass die Kirche „keine technischen Lösungen, sondern ethische Kriterien“ biete. Die drei wichtigsten Kriterien erklärte er im Folgenden. Zunächst ging er auf die Tatsache ein, dass die Erde Schöpfung sei, die von jedem Menschen geachtete und geschützt werden müsse. Das zweite Kriterium sei natürlich die Energie. In diesem Zusammenhang griff er das Thema „Gerechtigkeit“ auf. Die globale und ökologische Gerechtigkeit müsse stets im Vordergrund stehen, so Hembrock. Seiner Meinung nach sei „die unkonventionelle Gasbohrung in dieser Hinsicht“ nicht vertretbar. Ferner ging er auf die Motivation einer Energiewende „in uns selber ein“. Er fügte hinzu: „Das Fracking kommt mir so vor wie das Auswringen eines nassen Lappens. Mit Hochdruck holt man das Letzte heraus, was noch in den Poren enthalten ist.“ Er spielte auf die Nachhaltigkeit an, die dringend zu bedenken sei.

Abschließend stellte der Pfarrer klar, dass die Kirchen keinen Grund für Bohrungen zur Verfügung stellten, und dass auch er persönlich klar dagegen sei, dass „das Münsterland zum Gasland wird“.

Der Vortrag von Matthias Hembrock stimmte die Zuhörer nachdenklich. Dies änderte auch die Frage von Heinz Töns in seinem darauffolgenden Vortrag nicht: „Wer gibt uns im 21. Jahrhundert das Recht, dass wir die Energiereserven aus den Tiefen der Erde nutzen?“ Zuvor hatte er verdeutlicht, dass die CDU von Beginn an gegen das Fracking gewesen sei.

Im Weiteren ging er darauf ein, dass unkonventionelles Gas keinesfalls gefördert werden dürfe, ob durch Fracking oder ohne, denn schließlich „sollen die Menschen auch 2550 noch gut und gesund leben dürfen.“ Er persönlich habe „kein Verständnis dafür, dass Politprofis, egal, welcher Couleur, es in zwei Jahren nicht geschafft haben, Nägel mit Köpfen zu machen und das Bergrecht zu ändern“. Er forderte die Politiker aller Parteien auf, sich zusammenzusetzen, damit die Änderung des Bergrechts durchgesetzt werde. Für die Stadt Drensteinfurt äußerte er lediglich den Wunsch, „dass wir alle an einem Strang ziehen“.

Die Euphorie, die durch Vortrag von Heinz Töns hervorgerufen worden, musste Oliver Krischer bremsen. Der Bundestagsabgeordnete, der seiner Stimme aufgrund einer Erkältung beinahe beraubt war, äußerte zunächst den Wunsch, dass die CDU-Politiker im Bundestag mal solch klare Worte wie Heinz Töns zuvor äußern würden. Er erklärte, dass die Landesregierung in NRW das Fracking zwar vorübergehend „auf Eis gelegt“ habe, dass die Firma Exxon aber theoretisch vor Gericht ziehen und das Bergrecht heranziehen könne, um Erdgasbohrungen durchzuführen.

Im weiteren Verlauf blickte Oliver Krischer auf die Bundesebene. Im Bundestag bestehe das Problem, dass viele nicht wollten, dass das Bergrecht geändert werde. Vor allem Niedersachsen habe bei den bisherigen Abstimmungen gegen die Änderung gestimmt.

Aber auch auf EU-Ebene sieht Krischer einige Probleme. So habe beispielsweise Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, gesagt, dass „Deutschland ohne Gasbohrungen untergeht“. Die Tendenz in der EU gehe „leider“ in Richtung der Gasbohrungen. Nach Oliver Krischers Meinung würden auch die USA die unkonventionelle Gasbohrungen als „Energiewende“ betrachten dafür aber irgendwann teuer bezahlen.

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