Gutachter ändert seine Meinung
„Zur Post“ ist doch denkmalwürdig

Drensteinfurt -

Vor zwei Jahren, als die Stadt das ehemalige Hotel „Zur Post“ erwarb, hatten Gutachter eine Denkmalwürdigkeit verneint. Ein modernes Wohn- und Geschäftshaus sollte entstehen. Doch diese Planung ist hinfällig. Die obere Denkmalbehörde hat ihre Meinung geändert. Das Gebäude soll doch unter Denkmalschutz gestellt werden.

Freitag, 14.06.2013, 17:06 Uhr

Das ist schon eine merkwürdige Entwicklung: Vor zwei Jahren, als die Stadt Drensteinfurt das ehemalige Hotel „Zur Post“ an der Ecke Mühlenstraße/Kurze Straße kaufte, war das rund 400 Jahre alte Gebäude nicht denkmalwürdig. In zwei knappen Sätzen hat die obere Denkmalbehörde dies festgestellt. Der Gutachter hatte es aber nicht einmal von innen in Augenschein genommen.

Nachdem die Stadt nun aber geplant hatte, das in die Jahre gekommene Haus – im Verkaufsexposé hatte gestanden: Abriss empfohlen – dem Erdboden gleichzumachen, um an dieser für das Gesicht der Innenstadt so wichtigen Stelle ein modernes, aber in das Gesamtbild passendes Wohn- und Geschäftshaus zu errichten, waren Stimmen laut geworden, das Hotel „Zur Post“ zu erhalten. Insbesondere Walter Gröne vom Heimatverein hatte sich dafür stark gemacht, das Ensemble von historischen Gebäuden im Zentrum der Stadt nicht auseinander zu reißen.

Und siehe da: Plötzlich stellte Dr. Fred Kaspar von der Denkmalbehörde in einem neuerlichen Gutachten fest, dass das Haus unbedingt unter Denkmalschutz gestellt werden müsse. Nun steckt die Stadt als Eigentümer in einem Dilemma. Die bisherigen Pläne müssen über den Haufen geworfen werden, denn ein Abriss kommt nun nicht mehr in Frage. Auf der anderen Seite hat sie als Eigentümer nun den denkmalwürdigen Klotz am Bein, der unter Umständen mit viel Geld auf Vordermann gebracht werden muss. Bürgermeister Paul Berlage betonte in der Sitzung des Kulturausschusses am Donnerstag, dass man nun mit Bedacht prüfen müsse, was mit dem Gebäude passieren solle. Er möchte Entwürfe erstellen lassen, wie das ehemalige Hotel als Wohn- und Geschäftshaus genutzt werden kann, ohne den Denkmalschutz außer Acht zu lassen. „Wir müssen nun erstmal die Kosten ermitteln und dann einen Interessenten suchen, der das Konzept realisieren will“, sagte der Bürgermeister.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Heinz Töns schlug vor, dort wieder eine Gaststätte zu eröffnen. Schließlich sei an dieser Stelle Jahrhunderte lang ein Wirtshaus gewesen. Martin Havers (SPD) fragte, wie es passieren könne, dass ein Gebäude vor zwei Jahren „völlig unwichtig“ gewesen sei und nun als denkmalwürdig eingestuft werde. „Wie zuverlässig sind solche Gutachten? Gibt es eine Gutachterhaftung?“, fragte sich Havers. „Da bleibt auf jeden Fall ein übler Nachgeschmack.“

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