ExxonMobil
Fracking auch ohne Gift inakzeptabel

Drensteinfurt -

ExxonMobil kündigt in einer Zeitungsanzeige an, die umstrittene Fracking-Methode künftig ohne giftige Substanzen anwenden zu wollen. Doch auch davon hält Bürgermeister Carsten Grawunder gar nichts. Zu viele Gründe sprechen seiner Meinung nach gegen diese Form der Gasgewinnung.

Donnerstag, 25.09.2014, 23:09 Uhr

Auf jeden Fall will Bürgermeister Carsten Grawunder verhindern, dass Bohrtürme wie dieser in Bötersen in Niedersachsen auf Drensteinfurter Gebiet errichtet werden.
Auf jeden Fall will Bürgermeister Carsten Grawunder verhindern, dass Bohrtürme wie dieser in Bötersen in Niedersachsen auf Drensteinfurter Gebiet errichtet werden. Foto: Jürgen Peperhowe

Das hörte sich ja erstmal richtig gut an, was ExxonMobil gestern in einer großen Anzeige in den Westfälischen Nachrichten bewarb: Das Unternehmen wolle die Energiewende unterstützen. Und das solle gelingen durch die Gewinnung von Schiefergas mit höchsten Umweltstandards, modernster Technologie und unter Beteiligung der kritischen Öffentlichkeit – und das mit dem Fracking-Verfahren, aber giftfrei, hieß es in der Anzeige. Dabei sollten zwei ungiftige und zudem biologisch leicht abbaubare Zusätze zum Einsatz kommen.

Der Flächenbedarf sei gering, was gerade in einem dicht besiedelten Land von zentraler Bedeutung sei. Und schließlich werde kein salziges Wasser aus dem Untergrund mitgefördert, das entsorgt werden müsse.

Das sieht Bürgermeister Carsten Grawunder , gleichzeitig auch aktives Mitglied der Bürgerinitiative gegen Gasbohren, ganz anders: „Kaum hat die Bezirksregierung Arnsberg die Aufsuchungserlaubnis verlängert, geht es schon wieder weiter. Ich bin richtig sauer. Exxon kann meinetwegen mit Felsquellwasser fracken. Ich bin trotzdem dagegen.“

Die Stadt Drensteinfurt und die Bürgerinitiative würden auf jeden Fall auf die neue Initiative des Mineralölkonzerns reagieren. Wie, das stünde noch nicht fest. „Aber wir sind in der Findungsphase.“

Zwei zentrale Gründe nennt Grawunder für seine kategorische Ablehnung jeglichen Frackings. Zum einen sei da die Erdbebenproblematik. Erdbeben gebe es auf jeden Fall, wenn mit 1000 Bar auf die Gesteinsschichten eingewirkt werde. Das zeigten Beispiele im niederländischen Groningen, wo es immer wieder zu Erdstößen käme. Dort werde einfach gesagt: „Das ist halt so.“ Und Exxon bezahle für die Behebung der Schäden. Ganz anders sehe das, so Grawunder, im niederländischen Völkersen aus. Dort lasse DEA fracken, müsse aber für die entstandenen Schäden nicht bezahlen, weil dort der Geschädigte beweisen müsse, dass die Schäden durch Fracking entstanden sind. Und dies sei schwer.

Gegen die umstrittene Fördermethode spricht für den Bürgermeister auch, dass radioaktive Stoffe, salzhaltiges Wasser und auch Quecksilber an die Oberfläche gefördert würden und entsorgt werden müssten. Auch diese natürliche Radioaktivität sei gesundheitsbedenklich.

Und eines stellte Carsten Grawunder zudem noch klar: „Wir wollen an dieses Erdgas gar nicht ran. Schätzungen sagen, dass es sowieso nur zehn Jahre reicht.“ Dann zöge ExxonMobil ab und die Hinterlassenschaften der Gasgewinnung stünden in der Landschaft. „Und wir können dann statt der 100-Schlösser-Route die 1000-Bohrtürme-Route aufmachen“, so der Bürgermeister voller Sarkasmus.

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