Ausschuss besichtigt Notunterkunft in der Dreingau-Halle
Leben auf ein paar Quadratmetern

Drensteinfurt -

Die Kapazitäten sind nahezu erschöpft. Trotzdem wird die Stadt in den kommenden Tagen mindestes 16 weitere Flüchtlinge unterbringen, was die Gesamtzahl auf 364 Asylsuchende erhöht. Am Dienstag machten sich die Mitglieder des Sozialausschusses ein Bild von der Situation in der Notunterkunft in der Dreingau-Halle.

Mittwoch, 02.12.2015, 23:12 Uhr

Draußen regnet es wie aus Eimern. Und es stürmt. Spielen vor der Tür? Nein, das ist an diesem Tag nicht drin. Und so bleibt den jüngsten der gut 30 Bewohner, die derzeit im Umkleidetrakt der Dreingau-Halle leben, nur der kleine Windschutz im Foyer zum „kicken“. Ein paar Quadratmeter, die sie sich beim Fußballspielen zudem mit einigen Fahrrädern teilen müssen, die dort zum Schutz vor Langfingern geparkt sind.

Ein paar Schritte weiter führt der Weg vorbei an etlichen Wäscheständern in den einzigen Aufenthaltsraum, der gleichzeitig als Küche fungiert. Fünf aufgereihte Herde, ein paar zusammengesuchte Tische und Stühle sowie zwei improvisierte Spülen, die von einigen Einbauplatten zusammengehalten werden: nicht viel. Aber im Vergleich zu dem, was die Mitglieder des Sozialausschusses im weiteren Verlauf ihres Ortstermins in der provisorischen Notunterkunft sehen werden, ist der Sozialraum noch geradezu luxuriös eingerichtet. Denn was den aus Syrien, dem Irak sowie aus Afghanistan, Guinea, Algerien, Nigeria und Bangladesch stammenden Bewohnern sonst an Raum zum Leben und Schlafen bleibt, ist knapp bemessen. Buchstäblich jeder Quadratmeter wird genutzt, selbst der kärgliche Platz unter dem Treppenaufgang zur Tribüne, wo zwei Menschen hinter notdürftig verschraubten OSB-Platten und einem schlichten Vorhang eine bescheidene Schlafstätte gefunden haben. Die Treppe selbst dient als Lager für Koffer, Spinde und Kühltruhe, während der schmale Flur vor dem Tribüneneingang mit zwei eng aneinander gerückten Etagenbetten Platz für eine vierköpfige Familie bietet.

Man habe – erklärte Bürgermeister Carsten Grawunder beim Rundgang durch die Notunterkunft – in der Vergangenheit viele positive Lösungen gesehen. Das sei in diesem Fall allerdings anders. „Die Situation hier ist absolut suboptimal“, so Grawunder. „Aber die Not ist so groß, dass wir nicht mehr wissen, wo wir die Menschen trocken unterbringen sollen.“

„Die Menschen“: Das sind Stand Dienstag 348 Flüchtlinge. Eine Zahl, die – das ist schon angekündigt – bis zum Wochenende auf mindestens 364 steigen wird. Und ein Ende ist nicht in Sicht. „Wir werden uns darauf einstellen müssen, im kommenden Jahr eine vierstellige Zahl von Personen unterbringen zu müssen“, erklärte der Bürgermeister.

Wo? Darauf gibt es derzeit noch keine Antwort. Schon die nächsten Zuweisungen werden die Verwaltung vor enorme Probleme stellen, ist doch auch die Unterkunft in der Rinkeroder Sporthalle schon so gut wie voll. Und die Vorleistungen, die zu treffen sind, um weitere Menschen in sonstigen Hallen unterbringen zu können, sind hoch. Weshalb sich Carsten Grawunder bereits an die Landesregierung gewandt hat, mit der Bitte, vorerst von weiteren Zuweisungen abzusehen. Bislang ohne Erfolg.

Und auch das jüngste Gespräch mit Landrat Dr. Olaf Gericke habe, so Grawunder, wenig Positives gebracht. Denn die Auflagen, die Land und Kreis den Kommunen mittlerweile in Sachen „Hallenunterbringung“ auferlegen, lassen sich kaum noch umsetzen. Gefordert werde etwa ein 24-stündiger Betreuungsdienst. „Ich habe bei einem privaten Unternehmen angefragt. Das würde bei zwei Personen im Schichtdienst 30 000 Euro im Monat kosten – pro Unterkunft“, berichtete Carsten Grawunder.

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