Bahnsteige zu niedrig
Unüberwindliche Hürde für Rollstuhlfahrer

Drensteinfurt -

Rollstuhlfahrern ist es am Drensteinfurter Bahnhof nicht möglich, in die neuen „National-Express“-Züge zu gelangen. Die Bahnsteige sind zu niedrig. Deswegen kann ein Hilfsmittel nicht genutzt werden.

Montag, 04.01.2016, 10:01 Uhr

Für Menschen mit Behinderungen ist es an vielen Bahnhöfen schwierig, in die neuen Züge von „National Express“ zu gelangen.
Für Menschen mit Behinderungen ist es an vielen Bahnhöfen schwierig, in die neuen Züge von „National Express“ zu gelangen. Foto: tst-

Alles hatte viel besser werden sollen, als das Unternehmen „National Express“ kürzlich die Zuglinien RE 7 und RB 48 von der Deutschen Bahn übernahm. Die Züge von „National Express“, die auch zwischen Hamm und Drensteinfurt verkehren, bieten aber für viele Rollstuhlfahrer kein Mehr an Qualität. Ohne fremde Hilfe schaffen es Menschen mit Handicap zumindest am Drensteinfurter Bahnhof nicht allein in den Zug.

Schuld daran sind die zu hohen Zugeinstiege. Oder aber die zu niedrigen Bahnsteige. Deshalb können nicht wie gewohnt die Rampen herausgefahren werden, da der Neigungswinkel zu groß wäre. Der Bahnhof in Drensteinfurt weist eine Bahnsteighöhe von 380 Millimetern auf. Laut Fahrzeughersteller seien die Rampen aber nur bei Bahnsteigen ab 550 Millimetern oder höher zu verwenden.

„National Express“ sieht den Fehler nicht in der Bauweise der Züge, sondern in den oftmals niedrigen Bahnsteighöhen. Die modernen „Talent-2“-Züge entsprächen der seit 2008 geltenden Norm für Barrierefreiheit im transeuropäischen Eisenbahnverkehr. Bei der Anschaffung der Wagen seien die darin festgeschriebenen Vorgaben eingehalten worden. Die „Talent-2“-Züge hätten eine Bodenhöhe von 760 Millimetern. Und an den meisten Bahnhöfen liege die Bahnsteighöhe zwischen 550 und 760 Millimetern. Dort seien die Rampen problemlos nutzbar.

Eine Lösung des Problems ist nicht in Sicht. „National Express“ kündigte an, das Thema bei anstehenden Gesprächen mit der Deutschen Bahn auf die Tagesordnung setzen zu wollen. Bis Rollstuhlfahrer, Nutzer von Rollatoren oder Eltern mit Kinderwagen in Drensteinfurt allerdings problemlos in die Züge von „National Express“ gelangen können, dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunterfließen. Bis dahin werden sie wohl auf die Unterstützung von Mitreisenden und Bahnpersonal angewiesen sein.

Gefordert wurde von Lokalpolitikern bereits die Anhebung der Bahnsteige. CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Töns hält eine solche Maßnahme für unumgänglich. Der CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum hat das Problem bereits in Gesprächen mit der Deutschen Bahn thematisiert. Der Konzern habe ihm gegenüber bestätigt, dass die Bahnsteige wegen ihrer zu geringen Höhe noch nicht barrierefrei seien. Die Bahn habe aber auch angemerkt, dass eine Erhöhung sehr aufwendig sei, da auch Wartehäuschen, Informationssäulen, Lampen und Wege angepasst werden müssten. Schnell kämen nur für die Anhebung der beiden Drensteinfurter Bahnsteige Baukosten in Höhe von einer halben Million Euro zusammen.

Dass sich bereits in Kürze etwas in dieser Angelegenheit tun wird, ist eher unwahrscheinlich. In der Liste des Landes und der Bahn für sanierungsbedürftige Bahnhöfe stehen die Haltepunkte in Mersch, Drensteinfurt und Rinkerode laut Rehbaum auf unteren Plätzen. Noch viel Überzeugungsarbeit müsse geleistet werden, wenn diesem Problem ein höhere Priorität eingeräumt werden solle.

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