Zu niedrige Bahnsteige für Rollstuhlfahrer
„Unhaltbarer Zustand“

Drenstenfurt -

Die Diskussion um die Bahnsteigsituation für Gehbehinderte am Drensteinfurter Bahnhof schlägt hohe Wellen. Wie berichtet, hatte die Eurobahn am Wochenende den Inklusionsbeauftragen Elmar Rosek und seine Kinder stehengelassen. Bürgermeister Carsten Grawunder fordert nun eine schnelle Lösung von allen Beteiligten.

Freitag, 22.07.2016, 08:07 Uhr

Pech gehabt: Zwischen Bahnsteig und Zug klafft am Drensteinfurter Bahnhof neuerdings eine „tiefe Schlucht“. Zumindest für Rollstuhlfahrer, die von der Eurobahn und von National Express nicht mehr mitgenommen werden.
Pech gehabt: Zwischen Bahnsteig und Zug klafft am Drensteinfurter Bahnhof neuerdings eine „tiefe Schlucht“. Zumindest für Rollstuhlfahrer, die von der Eurobahn und von National Express nicht mehr mitgenommen werden. Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Bürgermeister Carsten Grawunder ist sauer – und greift deshalb zu überaus deutlichen Worten. Die Tatsache, dass mittlerweile auch die Eurobahn keine Rollstuhlfahrer mehr an Bord lässt, sei, so das Stadtoberhaupt schlicht und ergreifend „ein unhaltbarer Zustand“. Und den gelte es „schnellstmöglich zu beheben“.

Wie berichtet, hatte die Eurobahn am Wochenende ausgerechnet den städtischen Inklusionsbeauftragten Elmar Rosek und seine beiden auf den Rollstuhl angewiesenen Kinder am Bahnsteig stehengelassen . Und das, obwohl die Roseks die Fahrt – wie schon viele Male zuvor – ordnungsgemäß angemeldet hatten. Als Begründung schilderte Eurobahn auf WN-Anfrage, dass die in den Zügen eingebauten Rampen schon im Vorfeld nicht hätten benutzt werden dürfen. Die Bahnsteige in Drensteinfurt seien zu tief und die Neigung der Rampen damit zu steil.

Testlauf mit mobilen Rampen erfolgreich

Für „Rollifahrer“ ist damit am Drensteinfurter Bahnsteig nun Endstation. Denn  auch die Züge des Anbieters „National Express“ sind für sie tabu . Sie nämlich verfügen erst gar nicht über eingebaute Rampen, die Rollstuhlfahrer einen Zugang ermöglichen.

Was die Stadt schon vor einigen Monaten auf den Plan gerufen hat. Seitdem fordert die Verwaltung von Bahnbetreibern und Zweckverband, die Bahnsteige im Stadtgebiet mit mobilen Rampen auszustatten. Ein erfolgreicher Testlauf dazu hat bereits stattgefunden, berichtet Hans-Ulrich Herding vom Bauamt der Stadt. Angeschafft wurden die Rampen bislang aber dennoch nicht.

Langes Warten auf „große Lösung“

Das soll sich nun schleunigst ändern. „Ich habe eine ganz klare Erwartungshaltung und fordere eine zeitnahe Zwischenlösung“, erklärt Carsten Grawunder mit Blick auf die Tatsache, dass eine „große Lösung“ – konkret: die Anhebung der in Bahneigentum befindlichen Bahnsteige – wohl noch Jahre auf sich warten lassen wird.

Ich bin gespannt auf die Begründung der Eurobahn für die neue Vorgehensweise.

CDU-Landtagsabgeordneter Henning Rehbaum

Nach dem entsprechenden WN-Bericht meldete sich auch der heimische CDU-Landtagsabgeordnete Henning Rehbaum zu Wort. „Ich hatte mich zu der Zeit, als ich mich um die mobilen Rampen für die Drensteinfurter, Merscher und Rinkeroder Bahnsteige gekümmert habe, einmal persönlich beim Zugbegleitpersonal der Eurobahn über den Einsatz der bislang eingesetzten, in den Fahrzeugen vorgehaltenen Rampen informiert“, so Rehbaum. „Da gab es keine Schwierigkeiten im täglichen Alltagseinsatz der Rampen. Umso erstaunter bin ich, dass der Einsatz nun, nach acht Jahren, nicht mehr möglich sein soll. Ich bin gespannt auf die Begründung der Eurobahn für die neue Vorgehensweise. Wichtig ist auf jeden Fall, dass die mobilen Rampen am Bahnsteig zügig beschafft werden.“

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