Rückkehr der Wölfe
Tiere „ohne Scheu“ und mit neuem Jagdverhalten

Rinkerode -

Nach 180 Jahren Abwesenheit, könnten Wölfe schon bald in die Davert zurückkehren, davon ist Peter Markett vom Davert-Hochwildring überzeugt. Was ihm auffällt: Die Tiere zeigen „keine Scheu“ und haben ein neues Jagdverhalten entwickelt.

Mittwoch, 15.03.2017, 06:03 Uhr

Nicht ob, sondern wann: Für Berufsjäger Peter Markett ist es nur eine Frage der Zeit, wann der erste Wolf in der Davert auftaucht. Rund 180 Jahre, nachdem das letzte frei lebende Tier in Herbern geschossen worden war.
Nicht ob, sondern wann: Für Berufsjäger Peter Markett ist es nur eine Frage der Zeit, wann der erste Wolf in der Davert auftaucht. Rund 180 Jahre, nachdem das letzte frei lebende Tier in Herbern geschossen worden war. Foto: Jeschke/Mathis

Über 180 Jahre ist es her: Am 19. Januar 1835 wurde in Herbern der letzte Wolf in Nordrhein-Westfalen geschossen. Für Peter Markett vom Davert-Hochwildring ist klar: „Nicht ob, sondern wann der Wolf in die Davert zurück kommt, ist die Frage!“ Sein Vortrag war am Montag „das“ Thema bei der Versammlung der Rinkeroder Jagdgenossenschaft. „Schon morgen könnte der Wolf auch wieder vor Rinkerode stehen“, ist sich der Wildmeister und Berufsjäger sicher. Denn seit dem Jahr 2000, das als das Jahr der Rückkehr der Wölfe in Deutschland gilt, habe sich die Population stetig vergrößert.

Drei Tiere in Süd- und Ostwestfalen gesichtet

Vergangenen August sprach der Naturschutzbund Deutschland von etwa 70 Wolfsrudeln in der Bundesrepublik – hauptsächlich in Sachen, Brandenburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. „Seit 2015 haben wir hier in NRW 14 Mal einen Wolf nachgewiesen“, sagte Markett. Zudem seien alleine in diesem Jahr bereits drei Tiere in Süd- und Ostwestfalen gesichtet worden. Laut Naturschutzbund habe es sich dabei zwar nur um „durchziehende Jungtiere“ gehandelt. Aber dennoch sind sich die Naturschützer sicher, dass der Wolf schon bald wieder in den heimischen Wäldern sesshaft wird.

Die Rückkehr der Wölfe

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  • Dieses Tier wurde bei Haltern-Lavesum fotografiert. Der Fotograf Sven Bieckhofe glaubt, dass der Wolf nicht auf natürlichem Wege dort hingekommen ist .

    Foto: Sven Bieckhofe
  • Der Wolf polarisiert wie kein anderes freilebendes Tier in Deutschland. Die einen fasziniert er und steht für einen Triumph im Kampf gegen das Artensterben...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...die anderen macht er nervös, weil er Kosten verursacht und Ängste schürt.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Schafzüchter fürchten um ihre Tiere.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • So hat Georg Kossen-Voges seine Schafe früher einfach im Garten laufen lassen...

    Foto: Wilfried Gerharz
  • ...jetzt muss er sie zusätzlich einzäunen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Jeden Tag nach der Schule geht Hobbyzüchter Sebastian Ostmann zu seinen Schafen in den Stall.

    Foto: Wilfried Gerharz
  •  Ende März hat er sie auf die Weide gebracht und etwas Angst, dass ein Wolf sie angreift

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Foto: Wilfried Gerharz

Neues Jagdverhalten

Besonders auffällig sei, dass sich die Tiere „den Gegebenheiten angepasst haben“, betont Peter Markett. Sie zeigten „keine Scheu“ und hätten „mit den Wölfen von früher nichts mehr zu tun“. Das zeige sich besonders im Jagdverhalten. „Rehe zu jagen, ist ihnen anscheinend viel zu umständlich“, sagt der Wildmeister und belegt das anhand einer Studie des Naturschutzbunds. Demnach hatten die Raubtiere in Sachsen und Niedersachsen 2015 vor allem Schafe und Rinder gerissen. „Das ist eine ganz neue Masche“, konstatiert Markett: „Sie treiben ihre Beute oft in einen Graben. Da bleibt sie dann im Matsch stecken und wird gefressen.“

Gleichzeitig stellt er aber auch fest, dass „ein Wolf erst dann zu einem Problemwolf wird, wenn er Menschen angreift oder die Gefahr besteht, dass er Menschen angreift.“ In der Regel sei das aber nicht der Fall.

„Besonders emotionales Thema“

Markett sieht das als „besonders emotionales Thema“. Ein Beispiel dafür sei der niedersächsische „Problemwolf Kurti“, den die Landesregierung in Hannover im vergangenen Jahr zum Abschuss freigegeben hatte, nachdem er Menschen hinterher gelaufen war und einen angeleinten Hund gebissen hatte. Nach der Tötung habe Umweltminister Stefan Wenzel mehr als 70 Anzeigen am Hals gehabt, berichtet Markett, der sich zurzeit zum Wolfsberater für die Davert weiterbildet. „Das Thema wird uns beschäftigen. Vielleicht schon morgen“, ist er sich sicher. Schwierig werde es etwa dann, wenn ein Wolf von einem Auto angefahren wird. In diesem Fall müsste ein Veterinär entscheiden, ob das Tier überlebensfähig sei oder nicht. Das liegt daran, dass Wölfe in Deutschland zu den streng geschützten Tieren gehören.

Verhaltenstipps

Wölfe sind scheu und meiden üblicherweise den Menschen. Daher ist es auch überaus selten, dass Spaziergängerinnen und Spaziergänger einen Wolf aus der Nähe zu Gesicht bekommen. Falls es doch dazu kommen sollte, empfiehlt werden laut NRW-Umweltministerium folgende Verhaltensregeln empfohlen:

  • Nicht versuchen, Wölfe anzufassen oder zu füttern.
  • Nicht weglaufen, sondern stehen bleiben.
  • Langsam zurückziehen, wenn man den Abstand vergrößern will.
  • Man kann einen Wolf vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.
  • Bei eventuellen Sichtungen eines Wolfes, diese direkt an die zuständigen Behörden oder den zuständigen regionalen Wolfsberatern melden.
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