„Tafel“ für Bedürftige
Eine Gemeinschaft muss auch teilen

Drensteinfurt -

Viele Nachbarstädte haben sie schon lange: Jetzt bekommt auch Drensteinfurt eine „Tafel“ für bedürftige Menschen mit geringem Einkommen. Dazu wurde am Montagabend ein Verein gegründet. Dem Vorstand gehören Sascha Elling, Stefan Gengenbacher, Petra Holler-Kracht und Rudi Naerger an.

Dienstag, 13.06.2017, 23:06 Uhr

In den Vorstand wurden (v.li.) Sascha Elling, Stefan Gengenbacher, Petra Holler-Kracht und Rudi Naerger gewählt. 40 Interessierte waren in die Alten Post gekommen, unter ihnen auch Martin Hörster von der Ascheberger „Tafel“ (kl. Bild, re.).
In den Vorstand wurden (v.li.) Sascha Elling, Stefan Gengenbacher, Petra Holler-Kracht und Rudi Naerger gewählt. 40 Interessierte waren in die Alten Post gekommen, unter ihnen auch Martin Hörster von der Ascheberger „Tafel“ (kl. Bild, re.). Foto: -mik-

Die Stadt bekommt eine „Tafel“ für Menschen mit geringem Einkommen. Ein entsprechender Verein hat sich am Montagabend in der Alten Post gegründet und soll in Kürze ins Vereinsregister eingetragen werden.

Nach einer einstündigen Informationsveranstaltung, zu der Initiator Rudi Naerger auch Ansprechpartner der „Tafeln“ aus Sendenhorst und Ascheberg eingeladen hatte, fanden sich unter den knapp 40 Anwesenden mehr als 20, die sich dafür aussprachen, die „Stewwerter Tafel“ ins Leben zu rufen. Erster Vorsitzender ist Stefan Gengenbacher, der in Abwesenheit gewählt wurde. Sein Stellvertreter ist künftig Rudi Naerger selbst, der mit seiner Idee den Stein ins Rollen gebracht hatte. Darüber hinaus komplettieren der zweite stellvertretende Vorsitzende Sascha Elling und Kassiererin Petra Holler-Kracht den Vorstand. Der Posten des Schriftführers blieb vorerst vakant und soll bei der konstituierenden Mitgliederversammlung besetzt werden.

Zu Beginn der Gründungsveranstaltung hatte Naerger vor den interessierten Drensteinfurtern seine Idee zur Gründung der „Tafel noch einmal verdeutlicht: „Ich bin seit Anfang des Jahres mit Flüchtlingen zur ,Tafel’ nach Sendenhorst gefahren. Dann habe ich gemerkt, ich treffe da noch andere Drensteinfurter. Danach habe ich mich mit dem ,Warenkorb’ in Ahlen in Verbindung gesetzt, und die sagten mir auch, es kommen auch Drensteinfurter nach Ahlen.“ Letztlich hätten ihn die Mitarbeiter der Sendenhorster „Tafel“ ermutigt, etwas Derartiges auch in Drensteinfurt einzuführen, erklärte Naerger. Sowohl dort, als auch bei der Ascheberger „Tafel“ habe er im Vorfeld wichtige Ratschläge bekommen.

Martin Hörster, der sich seit 2011 für den Ascheberger Ortsverein engagiert, machte den Stewwertern im Rahmen der Infoveranstaltung Mut und bot seine Hilfe bei der Planung und Durchführung an. „Wir haben damals mit 34 Bedarfsgemeinschaften anfangen. Heute sind es knapp 150“, erzählte er. „Wir sehen uns daher als einen Baustein im Sozialgefüge der Stadt.“ Er und seine 40 ehrenamtlichen Mitstreiter arbeiten allesamt nach dem Credo „Gemeinschaft heißt auch teilen“. Früher habe die Ascheberger „Tafel“ für jede Spende „Klinken putzen müssen“, heute kämen die Geschäfte auf die „Tafel“ zu, betonte er den Stellenwert, den seine Organisation sich innerhalb der Stadt in nur wenigen Jahren erarbeitet habe. Dennoch warnte er: „Dass Unternehmen Waren abgeben, ist nicht immer völlig selbstlos. Andernfalls müssen sie die Lebensmittel teuer vernichten lassen.“ Als Beispiel nannte er Tiefkühlpizzen, die Aufgrund von Produktionsfehlern mit nur drei anstatt vier Scheiben Salami belegt seien oder Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten sei.

Elisabeth Wieland vom Ahlener Sozialkaufhaus „Warenkorb“ war in diesem Zusammenhang wichtig zu betonen: „Was wir selbst nicht mehr essen, das verteilen wir auch nicht.“ Und so habe sie alleine in der letzten Woche über eine Tonne an Lebensmitteln entsorgen müssen.

Mit den vielen Ratschlägen und Tipps im Gepäck ist für den neu gegründeten Tafel-Verein in den kommenden Wochen viel zu tun: Neben der Eintragung ins Vereinsregister und der Einholung der entsprechenden Genehmigung sollen eine Satzung ausgearbeitet und nach den Sommerferien eine erste Mitgliederversammlung einberufen werden. Vorher wollen der Vorsitzende Gengenbacher und Initiator Naerger Gespräche mit der Stadtverwaltung über eine mögliche Unterstützung führen. Ortsvorsteher Josef Waldmann berichtete, dass Bürgermeister Carsten Grawunder und er die Vereinsgründung ausdrücklich begrüßten.

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