Gestaltung einer Gedenkstätte
Auseinandersetzung mit den Opfern

Drensteinfurt -

In der Kunstgießerei Anft werden Alukugeln und Bronzetafeln für die Neugestaltung einer Gedenkstätte in Waldniel-Hostert in Schwalmtal hergestellt. Die Leitung hat ein Künstlerteam aus Wien. Unterstützt wird das integrative Projekt vom Kunsthaus Kannen in Amelsbüren.

Mittwoch, 21.06.2017, 23:06 Uhr

Künstlerin Katharina Struber fräste die Buchstaben in die Styroporkugel, ehe die Künstler des Kunsthauses Kannen diese mit einem Gipsmantel versahen.
Künstlerin Katharina Struber fräste die Buchstaben in die Styroporkugel, ehe die Künstler des Kunsthauses Kannen diese mit einem Gipsmantel versahen. Foto: -stk-

In der Anstalt Waldniel-Hostert in Schwalmtal in der Nähe von Mönchengladbach sind während der Nazi-Diktatur unzählige Kinder und Jugendliche im Rahmen des Euthanasie-Programms ermordet worden. Die dortige Gedenkstätte ist in die Jahre gekommen. Deshalb lobte der Landschaftsverband Rheinland (LWR) einen Wettbewerb mit dem Ziel aus, das Areal neu zu gestalten. Der Entwurf der Künstlerin Katharina Struber und des Architekten Klaus Gruber – beide aus Wien – bekam den Zuschlag.

Da für die Umsetzung des Konzeptes die Kooperation mit einer Metallgießerei unabdingbar war, telefonierte Katharina Struber quer durch Deutschland und stieß in Drensteinfurt auf Josef Volmer und seine Kunstgießerei Anft, der sich von der Idee gleich begeistert zeigte.

Seit vergangener Woche weilen „struber_gruber“, so ihre Teamname, nun in Drensteinfurt, um bei der Umsetzung von Teilen des Projekts live dabei zu sein.

Das sind zum einen Bronzeplättchen, die in der Gedenkstätte an einer Mauer angebracht werden sollen. Zuvor ausgesuchte Paten haben die Namen der in der Anstalt unter den Nazis Getöteten in Wachsplättchen eingraviert. Diese werden in der Gießerei in Bronze gegossen. „Dadurch wird die konkrete Auseinandersetzung mit den Opfern möglich“, erläutert Katharina Struber.

Zum anderen entstehen große Kugeln, die ein kindliches Zeichen symbolisieren sollen. Sie wurden zunächst aus Styropor geformt und mit Gips übergossen. Wenn dieser getrocknet ist, gießen Josef Volmer und seine Mitarbeiter diese in Aluminium. Die Alukugeln werden anschließend farblich gestaltet und mit Texten wie „Peter weint“ und „Elschen schläft“ versehen. Durch sollen Assoziationen ausgelöst werden. Zum einen könnten die kindlichen Ausdrücke den Bezug zu den Ermordeten herstellen, vielleicht aber auch zu einer konkreten Person in der heutigen Zeit, erläutert die Künstlerin.

Die Kugeln werden mit Hilfe des Kunsthauses Kannen gestaltet, in dem Künstler mit unterschiedlichsten Behinderungen regelmäßig ihrem Hobby nachgehen. Diese wohnen im Alexianer-Krankenhaus in Amelsbüren. Am Mittwoch waren die Teilnehmer dieses integrativen Projektes beispielsweise mit Begeisterung bei der Sache, als es darum ging, die Styroporkugeln mit einem Gipsmantel zu überziehen.

Kugeln und Bronzetafeln sollen im Herbst aufgestellt beziehungsweise angebracht werden. Die Eröffnung der Gedenkstätte ist ebenfalls für Herbst vorgesehen. Finanziert wird das Projekt vom LWR.

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