Tag des offenen Denkmals
„Macht und Pacht“

Rinkerode -

Am „Tag des offenen Denkmals“ laden Dr. Horst und Käte Merten, Besitzer und gleichzeitig Bewohner der Rinkeroder Mühle an der B 54, alle Interessierten zu einer Besichtigung des Mühlen- und Gerätemuseums sowie zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes ein.

Freitag, 01.09.2017, 23:09 Uhr

Käte und Dr. Horst Merten laden am „Tag des offenen Denkmals“ zum Besuch ihres Mühlen- und Gerätemuseums an der Bundesstraße 54 ein.
Käte und Dr. Horst Merten laden am „Tag des offenen Denkmals“ zum Besuch ihres Mühlen- und Gerätemuseums an der Bundesstraße 54 ein. Foto: -bim-

Wenn am 10. September wieder der „ Tag des offenen Denkmals “ begangen wird, diesmal unter dem Titel „Macht und Pracht“, ist auch ein Objekt in Rinkerode dabei: die an der B 54 gelegene Mühle mit dem Mühlen- und Gerätemuseum. Dr. Horst und Käte Merten , Besitzer und ebenso Bewohner des Gebäudes, laden Interessierte zu einer Besichtigung sowie zur Auseinandersetzung mit der Geschichte des Gebäudes ein.

Nachdem 1965 der Mahlbetrieb und 1973 der Sägebetrieb eingestellt worden war, wurde die Mühle fünf Jahre später von Familie Merten übernommen. Im Jahr darauf zog sie ein. Und es hätte wohl kaum jemand Besseres dafür geben können, denn die beiden haben sich sehr viel mit der Historie dieses besonderen Gebäudes beschäftigt. „Anfangs wussten wir gar nicht, wie alt die Mühle ist“, erzählen die Architektin und der Naturwissenschaftslehrer rückblickend. 1995 haben sie dort das Mühlen- und Gerätemuseum eröffnet.

Doch „das diesjährige Motto des Denkmaltags ist für unser Museum völlig ungeeignet“, sagen die Gastgeber, – „es sei denn, man nimmt eine klitzekleine Veränderung vor“. Und so haben Mertens einen Buchstaben entfernt und so für sich den Titel in „Macht und Pacht“ abgewandelt. „Anhand von Pachtverträgen ab 1835 können wir das Machtverhältnis zwischen adeligem Verpächter und schreib- und leseunkundigem Pächter darstellen“, fassen die heutigen Mühlenbesitzer im Einladungs-Flyer ihr Thema zusammen.

Und sie erläutern: Zunächst gab es eine Mühle in Albersloh, erbaut 1808 vom Baron von Kerckerinck. Nur ein schlechter Weg führte von Rinkerode dorthin. Dies war mühselig für die hiesigen Bauern. Und so baten sie ihren Grafen, auch vor Ort eine Mühle zu errichten. Diese wurde dann 1810 von Matthias Graf von Galen erbaut. Viele Adlige hätten zu der Zeit Mühlen gebaut, weil sie das Geld dafür hatten und außerdem das Recht dafür fast ausschließlich ihnen vorbehalten war, erklärt Käte Merten. Doch konnten die Anlagen wohl nicht lukrativ genug betrieben werden und wurden daher verpachtet, so die Vermutung. Zu den Pachtverhältnissen haben Horst und Käte Merten im Staats- sowie Stadtarchiv und ebenso im öffentlich einsehbaren Archiv der Familie von Galen umfangreich recherchiert. Aus den handschriftlichen Verträgen, die ihnen in Kopie vorliegen, seien die sehr ungleichen Machtverhältnisse zwischen den Beteiligten deutlich herauszulesen.

So gebe es darin eine Liste mit Pflichten, die der Pächter der gräflichen Mühle zu erfüllen hatte. Wenn auch nur ein Punkt davon nicht eingehalten wurde, konnte der Vertrag gekündigt werden. Bei den Aufgaben des Verpächters war dies anders. So kam der Graf der Bitte, die Mühle von außen zu verputzen, nicht nach. Für die Schäden, die durch deshalb eindringende Feuchtigkeit entstanden, musste dennoch der Pächter aufkommen.

Diese Beispiele zeigten, wie die in dieser Gegend noch bis 1808 herrschende Leibeigenschaft nachwirkte, hilft Käte Merten bei der zeitlichen Einordnung der Verhältnisse. „Die Demokratie musste noch wachsen.“

Wer selbst einmal in den Kopien der handschriftlichen Verträge von damals stöbern und mehr über „Macht und Pacht“ im Rinkerode des 19. Jahrhunderts hören oder das Gebäude-Ensemble als solches besichtigen möchte, ist am Sonntag, 10. September, von 11 bis 18 Uhr willkommen. Zudem kann der „Ferrarium“ genannte „Eisengarten“ mit aus Arbeitsgeräten gefertigten Skulpturen besichtigt werden.

► Weitere Infos unter: www.muehlenmuseum-rinkerode.de und www.tag-des-offenen-denkmals.de.

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