Bürger fordern Maßnahmen
Mehr Raum für Insekten

Drensteinfurt -

Der Lebensraum der Insekten schwindet. Um dem gegenzusteuern, fordern nun einige Drensteinfurter Bürger formell konkrete Maßnahmen seitens der Stadt.

Sonntag, 18.02.2018, 07:02 Uhr

Der Lebensraum heimischer Insekten schrumpft weiter. In einer formellen Anregung fordern Lambert Klasen, Rudi Naerger und Jürgen Blümer konkrete Maßnahmen.
Der Lebensraum heimischer Insekten schrumpft weiter. In einer formellen Anregung fordern Lambert Klasen, Rudi Naerger und Jürgen Blümer konkrete Maßnahmen. Foto: Dietmar Jeschke

Insektizide, eine monokulturell geprägte Landwirtschaft und ein wachsender Siedlungsbau: Die Umweltverbände schlagen in Sachen Insekten- und Vogelsterben bereits seit einiger Zeit Alarm. Und finden nun auch Unterstützung vor Ort. In einer Anregung gemäß Paragraf 24 Gemeindeordnung fordern die Unterzeichner Lambert Klasen , Rudi Naerger und Jürgen Blümer von der Verwaltung konkrete Maßnahmen, um Drensteinfurt in eine „blühende Stadt“ zu verwandeln.

Die Stadt solle bienen- und insektenfreundliche Blühflächen oder Projekte finanziell fördern. Zudem solle gemeinsam mit Experten aus dem Natur- und Umweltschutz ein Konzept für ein „blühendes Drensteinfurt‘ entworfen werden, das insbesondere ein „insektenfreundliches Management“ von städtischen Flächen berücksichtigt. Ferner fordern die Unterzeichner, bei der Verpachtung kommunaler Flächen für eine landwirtschaftliche Nutzung ein Verbot des Einsatzes von Pestiziden vertraglich zu verankern. Gleichzeitig sollten die Bürger über die Bedeutung von Biodiversität und deren Schutz informiert werden.

„In Städten und Gemeinden werden Pestizide eingesetzt, um Wege in Parks, Sport- und Spielplätze, Grünanlagen oder Straßenränder frei von unerwünschten Kräutern und Gräsern zu halten oder um gegen ungeliebte Insekten vorzugehen. Auch wenn der umstrittene Wirkstoff Glyphosat inzwischen in Städten in NRW nicht mehr eingesetzt werden soll, werden stattdessen häufig andere Mittel verwendet“, heißt es in der Stellungnahme. „Viele der Mittel stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Fortpflanzung zu schädigen oder eine hormonelle Wirkung zu haben. Auf öffentlichen Flächen wie Sport- und Spielplätzen können die Wirkstoffe in direkten Kontakt mit den Bürgern kommen. Insbesondere für Kinder und Schwangere ist das eine Gefahr.“

Zudem fielen viele Tier- und Pflanzenarten im städtischen Raum den Pestiziden zum Opfer. Denn nicht nur die unerwünschten Wildkräuter und Insekten würden beseitigt, sondern auch Nützlinge wie Bienen, Schmetterlinge und Fledermäuse. „Dabei sind blütenbesuchende Insekten unentbehrlich für die Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen. Sie erhalten die Pflanzenvielfalt, sichern landwirtschaftliche Erträge und damit unsere Ernährung“, schreiben die Unterzeichner.

Das Ziel der „Nationalen Biodiversitätsstrategie“, den Verlust von Arten zu stoppen, könne mit Pestizideinsatz nicht erreicht werden. „Kommunen können hier Verantwortung und eine Vorreiterrolle für den Artenschutz übernehmen, indem sie bei der Flächenpflege keine Pestizide einsetzen. Auch für die menschliche Gesundheit, die Lebensqualität und den Tourismus ist der Pestizidverzicht ein Gewinn“, heißt es in der schriftlichen Anregung weiter. „Die Stadt sollte mit gutem Beispiel vorangehen, damit unsere Nachkommen noch eine lebenswerte Umwelt und funktionierende Nahrungsketten in der Natur vorfinden.“

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