20 Jahre Hospizgruppe
„Die Hemmschwelle ist immer noch sehr hoch“

Drensteinfurt -

In Drensteinfurt sind Margarete Naerger, Ulrike Pöhler-Spliethoff und Sibylle Vornholt das „Gesicht“ der Hospizgruppe. Diese hat zu ihrem runden Geburtstag einen besonderen Gast: Franz Müntefering kommt nach Stewwert.

Sonntag, 22.04.2018, 08:04 Uhr

Aus Angst oder Unwissenheit vermeiden viele Menschen den Gedanken ans Sterben. Hier will die Hospizbewegung Aufklärungsarbeit leisten. In Drensteinfurt sind Margarete Naerger, Ulrike Pöhler-Spliethoff und Sibylle Vornholt (kl. Bild v.li.) die Ansprechpartnerinnen. Für den Themenabend am Dienstag wurde Franz Müntefering (re.) als Referent gewonnen.
Aus Angst oder Unwissenheit vermeiden viele Menschen den Gedanken ans Sterben. Hier will die Hospizbewegung Aufklärungsarbeit leisten. In Drensteinfurt sind Margarete Naerger, Ulrike Pöhler-Spliethoff und Sibylle Vornholt (kl. Bild v.li.) die Ansprechpartnerinnen. Für den Themenabend am Dienstag wurde Franz Müntefering (re.) als Referent gewonnen. Foto: dpa/Hospizgruppe

Vor 25 Jahren wurde die Hospizbewegung im Kreis Warendorf gegründet, vor 20 Jahren die Gruppe in Drensteinfurt. Grund genug, im Gespräch mit Sibylle Vornholt einen Blick zurück auf die Anfänge der Bewegung zu werfen. Und auf eine besondere Veranstaltung anlässlich des Geburtstags zu schauen.

Wie kam es, dass die Hospizgruppe 1998 in Drensteinfurt gegründet wurde?

Sibylle Vornholt: Durch Anfragen aus der Bevölkerung an Andrea Arndt kamen die ersten Begleitungen zustande. Sie bat Hildegard Rüsing um ihre Mitarbeit, und so gründete sich die Hospizgruppe in Drensteinfurt. Kurz darauf folgten schnell weitere Mitglieder.

Wie viele ehrenamtliche Hospizbegleiter gibt es?

Sibylle Vornholt: Heute haben wir etwa 20 aktive Hospizbegleiter in der Gruppe. Ansprechpartnerinnen in den drei Ortsteilen sind Ulrike Pöhler-Spliethoff , Margarete Naerger und ich.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Begleitung den Sterbenden und auch den Angehörigen gut tut?

Sibylle Vornholt: Ja. Es entstehen intensive Gespräche und Begegnungen sowohl mit Sterbenden als auch mit ihren Zugehörigen. Wir nehmen den Begriff „Begleitung“ sehr ernst und lassen uns von den Wünschen und Bedürfnissen der Sterbenden und ihrer Zugehörigen leiten.

Was ist für Sie das Wichtigste bei der Begleitung?

Sibylle Vornholt: Da zu sein. Ich versuche, mich selber zurückzunehmen, um ganz bei den zu begleitenden Menschen zu sein. Es ist für mich wichtig, dass der Sterbende den Weg vorgibt. Ich schenke Zeit und begleite ihn auf seinem Weg – unabhängig davon, ob ich diesen Weg sinnvoll oder nicht sinnvoll finde.

Wie groß sind die Zeiträume der Begleitung? Entstehen dabei auch persönliche Beziehungen?

Sibylle Vornholt: Das ist sehr unterschiedlich. Manchmal sind es nur Tage, bisweilen sogar mehrere Monate, in denen wir helfen, dem Leben mehr Leben zu geben. Ich achte darauf, dass die „Beziehung“ nicht zu nah wird und eine professionelle Distanz gewahrt bleibt. Ohne einen gewissen Abstand ist nach unserem Verständnis keine professionelle Begleitung möglich.

Wie gehen Sie mit dem Tod und dem Abschied von Menschen um, die Ihnen möglicherweise vertraut geworden sind?

Sibylle Vornholt: Ich benötige immer Zeit, mich zu verabschieden und brauche einige Wochen, um Abstand zu bekommen. Außerdem werden regelmäßig Supervisionen angeboten, an denen wir möglichst teilnehmen sollten. Auch in zahlreichen Fortbildungen wird dieses Thema bearbeitet.

Wie gut wird das Angebot der Hospizgruppe angenommen?

Sibylle Vornholt: Der Hospizgedanke muss noch weiter verankert werden. Wir versuchen, als Hospizgruppe und als Hospizbewegung stets präsent zu sein. Das versuchen wir durch Zeitungsartikel, ein Info-Fenster in Drensteinfurt, durch Flyer, unsere Sprechstunden in Arztpraxen und natürlich auch durch unsere kulturellen Veranstaltungen und Vorträge, die immer einen Anknüpfungspunkt zu unserer Arbeit haben.

Warum haben Sie persönlich sich dazu entschlossen, Sterbende zu begleiten?

Sibylle Vornholt: Mir ist sehr bewusst, dass das Sterben zum Leben gehört. Daher wollte ich mich mit dieser Thematik beschäftigen. Ich empfinde es als Geschenk, dass mich Sterbende an einem sehr intimen Prozess teilhaben lassen. Sie sind gute „Lehrer“, weil sie uns voraus sind. Im besten Fall profitieren alle Beteiligten von der Begleitung. Zu unseren Aufgaben gehört allerdings nicht nur die Sterbebegleitung, sondern auch die Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen versuchen, dieses Thema ein wenig aus der Tabuzone herauszuholen. Denn die Hemmschwelle, sich mit dem Tod auseinander zu setzen, ist immer noch sehr hoch. Mir ist es einfach ein großes Anliegen, dass sich die Menschen früher und intensiver mit dem Tod auseinander setzen, denn dieser ist – wie bereits geschildert – ein Teil des Lebens.

Franz Müntefering ist am Dienstag zu Gast bei der Hospizgruppe. Welchen Bezug hat er zum Thema?

Sibylle Vornholt: Franz Müntefering hat seine sterbenskranke Frau zu Hause betreut und damit eigene, ganz persönliche Erfahrungen mit dieser Thematik gemacht. Außerdem ist er Mitglied des Stiftungsrates der Deutschen Hospiz- und Palliativ-Stiftung und hat schon auf vielen Hospizveranstaltungen gesprochen. Er überzeugt in seinen Vorträgen mit gut nachvollziehbaren und praktischen Anschauungen und zeigt ein sehr gutes Einfühlungsvermögen.

Sie haben einmal erklärt, dass nur Frauen bei der Hospizgruppe mitwirken. Hat sich das geändert?

Sibylle Vornholt: Leider nein. In einigen Ortsgruppen im Kreis Warendorf sind auch Männer aktiv, aber ihre Anzahl ist doch sehr gering. Ich glaube, dass Frauen immer noch mehr dieses „Helfersyndrom“ haben und etwas für ihre Mitmenschen tun möchten. Aus unserer Sicht beschäftigen sich Männer weniger gern mit diesem Thema als Frauen.

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