Die Biotonne richtig befüllen
Probleme mit Plastik und Übergewicht

Drensteinfurt -

Gerade in den Sommermonaten, wenn im Garten einiges an Arbeit anfällt, haben die Abfuhrunternehmen Probleme mit dem Biomüll. Oft sind die Tonnen zu schwer beladen. Und auch Plastik findet sich immer wieder in ihnen.

Samstag, 14.07.2018, 08:00 Uhr

Im Kompostierwerk in Ennigerloh kommt der Biomüll häufig in Plastiktüten an. Diese landen im Restmüll und mit ihnen der wertvolle Inhalt.
Im Kompostierwerk in Ennigerloh kommt der Biomüll häufig in Plastiktüten an. Diese landen im Restmüll und mit ihnen der wertvolle Inhalt. Foto: Thorsten Ulonska/Kompostierwerk

Es wird wieder heiß, der Sommer kommt zurück – und mit ihm die Notwendigkeit, mit der Biotonne so umzugehen, dass es weder zu Madenbefall noch zu Übergewicht kommt und dass die Bioabfälle im Kompostwerk in Ennigerloh auch sinnvoll verwertet werden können.

Die Betreiber des Kompostwerkes und die Stadtverwaltung Drensteinfurt haben nun gemeinsam einige Hinweise formuliert, mit denen die Entsorgung von Bioabfällen problemlos funktionieren kann.

Dass feuchte Bioabfälle wie Essensreste in Zeitungspapier eingewickelt werden sollten, ist nichts Neues. „Dann können Fliegen ihre Eier nicht darin ablegen, und es entstehen keine Maden“, heißt es in der Pressemitteilung. Der Handel biete „kompostierbare“ Plastiktüten an, die aus einer Mischung herkömmlicher Kunststoffe und pflanzlicher Stärke bestehen. Im Kompostwerk des Kreises Warendorf führen diese Tüten ebenso wie herkömmliche aus Plastik allerdings zu großen Problemen.

Tüten verrotten nicht

„Grundsätzlich sind die speziellen Beutel zwar biologisch abbaubar, brauchen dafür aber viel länger als die Zeitspanne, in der die moderne Technik den Kompost herstellt. Im Ennigerloher Kompostwerk verrotten die Tüten nicht komplett“, weiß Abfallberater Hans-Ulrich Herding. Die Folge: Sie verunreinigen den Kompost.

D_Kennzahlen Abf-019

Abfallberater Hans-Ulrich Herding Foto: Evering

„Sehr schade ist es, wenn Bürger mit dem Kauf der teuren Tüten etwas Gutes tun wollen, darin auch richtig sortieren, aber die Bioabfälle gar nicht kompostiert werden können“, erläutert Herding. Bei der Vorsortierung würden die biologisch abbaubaren Tüten genauso wie normale Plastikbeutel aussortiert – der wertvolle Inhalt gehe verloren. Die Tüten landen gemeinsam mit anderen Störstoffen im aussortierten Restmüll, der vom Kompostwerk nicht verarbeitet werden kann und teuer entsorgt werden muss.

Fünf Probleme beim Recyclen von Plastik

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  • Aber auch das deutsche Recyclingsystem hat Schwächen. An manchen wird gearbeitet, manches ändert sich schon nächstes Jahr - anderes nicht. Eine Auswahl:

    Foto: Matthias Ahlke
  • 1. Nicht jedes Plastik ist recycelbar - oder wird recycelt.

    Es gibt viele unterschiedliche Plastiksorten, nicht aus allen wird wieder ein Nutzgegenstand. Benjamin Bongardt vom Nabu nennt das Beispiel PET: Flaschen aus Polyethylenterephthalat können wieder Flaschen werden, PET-Schalen als Verpackung für Obst werden dagegen nicht recycelt. Auch Folien seien schwierig, vor allem kleinere: Dafür gebe es bisher wenige Anlagen, erklärt Bongardt. Und: Verbrennen sei billiger als wiederverwerten, sagt Stephan Eing. Er recycelt daher so viel, wie derzeit vorgeschrieben: 36 Prozent. Vom gesamten Plastikmüll werden laut Ministerium rund 45 Prozent „stofflich wiederverwertet“, also nicht verbrannt. Das neue Verpackungsgesetz erhöht ab 2019 die Quoten, 2022 sind 63 Prozent vorgesehen.

    Foto: colourbox.de
  • 2. Manchmal geht Design vor Umwelt.

    Eine Waschmittelflasche wird schwarz gefärbt, eine Shampoo-Flasche ist komplett von einer dünnen bedruckten Folie umschlossen. Das mag gut aussehen - erschwert oder verhindert aber oft das Recycling, weil die Maschinen das Material nicht erkennen und sortieren können. Ab 2019 müssen deswegen die Dualen Systeme von den Herstellern für schlecht recycelbare Verpackungen mehr Lizenzgebühren verlangen als für andere. Manche Hersteller wollen auch keine Recyclate, also wiederverwertetes Plastik, einsetzen, weil es zum Beispiel grau ist statt strahlend weiß.

    Foto: colourbox.de
  • 3. Nicht das ganze Plastik landet im Recycling-System.

    Viele wissen gar nicht, dass sie in die gelbe Tonne oder den gelben Sack nur Verpackungen werfen dürfen. Also zum Beispiel keine Strohhalme, aber die Folie um die Halme schon. Immerhin ist der Anteil hoch: „40 Prozent aller Kunststoffe gehen in die Verpackung“, sagt Bongardt, „und Verpackungen werden sofort zu Müll.“ Darum steht Verpackungsmüll oft so im Fokus. Der Rest allerdings landet im Restmüll, der nur vereinzelt noch mal sortiert wird, die Regel ist Verbrennung. Eine orangene Wertstofftonne, in die jedes Plastik (und Metall) hinein darf, erhöht den Anteil. Es gibt sie aber nur, wo sich Kommunen und Duale Systeme darauf verständigen. Ein neuer Anlauf, eine solche Wertstofftonne flächendeckend einzuführen, ist nicht geplant.

    Foto: Patrick Pleul
  • 4. Irgendwann ist Schluss mit Recycling.

    Bei manchen Kunststoffarten, insbesondere bei PET-Flaschen, ist ein geschlossener Kreislauf möglich, aber die Regel ist das nicht. Recycling ist oft „Downcycling“: Aus PET-Einwegflaschen wird dann zum Beispiel doch keine neue Flasche, sondern Fasern für die Textilindustrie, die nicht erneut wiederverwertet werden können. Die Plastiksorten PE und PP, also die mehrheitlich eingesetzten Polyolefine, verlieren bei jeder Behandlung an Qualität, erklärt Rolf Buschmann von der Umwelt-Organisation BUND.

    Foto: Jens Kalaene
  • 5. Das System hat Schwächen.

    Die verschiedenen Verpackungsmüll-Entsorger - die Dualen Systeme - stehen in Konkurrenz zueinander. Immer wieder gibt es Klagen über „schwarze Schafe“, die rechtliche Schlupflöcher nutzen und Billig-Angebote auf Kosten der anderen machen, sowie Unstimmigkeiten bei den gemeldeten Abfall-Zahlen. Für Streit sorgt unter anderem Verpackungsmüll etwa aus dem Online-Versandhandel, für den niemand Lizenzgebühren gezahlt hat. Hier soll die Zentrale Stelle, eine neue Behörde, ab 2019 für mehr Transparenz sorgen.

    Foto: Patrick Pleul

Für diejenigen, die den Biomüll in der Küche weiter in Plastiktüten sammeln möchten, hat Herding einen Tipp: „Abfälle einfach in preiswerten Müllbeuteln sammeln, in die Biotonne entleeren und den Beutel selbst zum Restmüll geben.“

Fahrzeuge mit Gewichtskontrolle

Ein weiteres Problem seien zu schwere Biotonnen – weil sie randvoll mit Fallobst gefüllt wurden oder weil jede Menge nasser Rasenschnitt in sie hineingepresst worden ist. „Die Firma Hellweg hat ihre Fahrzeuge mit einer Gewichtskontrolle ausgestattet, die einen Leerungsvorgang abbricht, wenn die Tonne mehr als 100 Kilogramm wiegt“, berichtet Herding.

Mikroplastik in der Biotonne

Plastikpartikel verstecken sich nicht nur in Kosmetika, sondern können auch aus der Biotonne stammen. Denn kleine Plastikteile werden nicht aus dem Biomüll aussortiert, wie zum Beispiel Wattestäbchen oder Strohhalme. „Sie verbleiben im Prozess und werden im Kompostwerk zusammen mit dem Biomüll immer weiter zerkleinert“, weiß Hans-Ulrich Herding. Später verunreinigen sie den Kompost, landen auf den Feldern, werden dort von Kleinstlebewesen mitgefressen und können in der Nahrungskette landen. Darum gilt: „Kein Plastik in die Biotonne!“, so Herding.

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Zwar könnte die Hydraulik ein höheres Gewicht verkraften – nicht aber die Kunststofftonne. Diese reiße der Länge nach auf oder breche am oberen Rand ab, wenn die Gefäße bei der Leerung „auf den Kopf gestellt“ werden. An normalen Abfuhrtagen werden durchschnittlich rund fünf Tonnen beschädigt. Diese Zahl könne sich leicht verdoppeln oder sogar vervierfachen, wenn die Tonnen übergewichtig seien.

„Wir haben die Problematik im Abfallterminplan ausführlich dargestellt. Außerdem weisen wir Bürger, die 240-Liter-Biotonnen bei uns bestellen, grundsätzlich auf die Gefahr der Überfüllung hin“, versichert Herding.

Wertstoffhof geöffnet

Einige Städte bieten die großen Gefäße wegen der Gefahr der Überfüllung gar nicht erst an. Für Herding, selbst begeisterter Hobbygärtner, ist das keine Lösung. „Wer oft sperrige Grünabfälle wie Baum- und Strauchschnitt zu entsorgen hat, kommt mit einer kleinen Tonne nicht klar.“ Er könne den Ärger der Anrufer, deren Tonnen nicht geleert werden konnten, nachvollziehen. Herding rät zur Vorbeugung und empfiehlt den Besitzern großer Gärten, Bioabfälle mit viel anhaftender Erde oder hohem Gewicht zum Wertstoffhof zu bringen. Drei Euro kostet dort die Entsorgung einer Kofferraumladung.

► Der Wertstoffhof an der Kreuzung Gildestraße/Bürener Brok ist dienstags von 16 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr geöffnet.

Dem Biomüll im Kreis Steinfurt auf der Spur

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  • Kontrolle: In der Fermenterhalle schauen Mitarbeiter einer Firma, wie viele Fremdstoffe sich im Biomüll finden. Seit dem 1. Januar 2014 werden alle Bioabfälle aus dem Kreis Steinfurt im Kompostwerk der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt mbH (EGST) auf dem Bioenergiepark-Gelände in Saerbeck kompostiert.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In einer Vitrine, die sie "Kuriositäten-Kabinett" nennen, sammeln die Mitarbeiter besonders ungewöhnliche Funde. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Robert Hille vom Bau- und Entsorgungsbetrieb Greven (BEG) kontrolliert die richtige Befüllung von Biotonnen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kontrolle: In der Fermenterhalle schauen Mitarbeiter einer Firma, wie viele Fremdstoffe sich im Biomüll finden. Seit dem 1. Januar 2014 werden alle Bioabfälle aus dem Kreis Steinfurt im Kompostwerk der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt mbH (EGST) auf dem Bioenergiepark-Gelände in Saerbeck kompostiert.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Gelbe Karte: Wer Plastiktüten mit in den Biomüll wirft, wird verwarnt.

    Foto: Gunnar A. Pier
  •  Hinter riesigen Toren verrotten in der Fermenterhalle die Bioabfälle aus dem Kreis Steinfurt. Seit dem 1. Januar 2014 werden alle Bioabfälle aus dem Kreis Steinfurt im Kompostwerk der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt mbH (EGST) auf dem Bioenergiepark-Gelände in Saerbeck kompostiert.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • <hervorhebung>Müll sortieren in der Saerbecker „Fermenterhalle“: </hervorhebung>Regelmäßig sortieren Fachleute Proben des Biomülls, um zu schauen, wie viele Störstoffe sich darin finden. Denn Plastiktüten, Gläser und anderer Müll verrotten nicht in den großen Bunkern, die sich hinter den Toren links im Bild verbergen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Selbst Besen finden die Kontrolleure im Biomüll.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Selbst Besen finden die Kontrolleure im Biomüll.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Biomüll mit Fremdstoffen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Kompost mit Fremdstoffen: Kleine Glasscherben fallen durchs Sieb.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit einem großen Trommelsieb werden Fremdstoffe aus dem Kompost gefischt, der aus dem Biomüll hergestellt wurde.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In einer Vitrine, die sie "Kuriositäten-Kabinett" nennen, sammeln die Mitarbeiter besonders ungewöhnliche Funde. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In einer Vitrine, die sie "Kuriositäten-Kabinett" nennen, sammeln die Mitarbeiter besonders ungewöhnliche Funde. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In einer Vitrine, die sie "Kuriositäten-Kabinett" nennen, sammeln die Mitarbeiter besonders ungewöhnliche Funde. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In einer Vitrine, die sie "Kuriositäten-Kabinett" nennen, sammeln die Mitarbeiter besonders ungewöhnliche Funde. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • In einer Vitrine, die sie "Kuriositäten-Kabinett" nennen, sammeln die Mitarbeiter besonders ungewöhnliche Funde. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • EGST-Mitarbeiter Nico Königkrämer. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Robert Hille vom Bau- und Entsorgungsbetrieb Greven (BEG) kontrolliert die richtige Befüllung von Biotonnen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Robert Hille vom Bau- und Entsorgungsbetrieb Greven (BEG) kontrolliert die richtige Befüllung von Biotonnen.

    Foto: Gunnar A. Pier
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