Serie „Lieblingsplatz“
„Wie ein kleines Museum“

Drensteinfurt -

Manfred Blanke ist Architekt und kennt sich schon von Haus aus gut mit Gebäuden aus. Besonders am Herzen liegen ihm historische. Der Platz vor der St.-Regina-Kirche ist deshalb sein liebster Ort in der Stadt.

Sonntag, 05.08.2018, 14:30 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 04.08.2018, 06:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 05.08.2018, 14:30 Uhr
Der Platz vor St. Regina ist Manfred Blankes Lieblingsort in der Stadt. Er hat eine Zeichnung des historischen Bereiches rund um die Kirche gefertigt. Auf ihr sieht man noch die alte Rektoratsschule an der Mühlenstraße, statt derer ein Brunnen den Platz bereichert.
Der Platz vor St. Regina ist Manfred Blankes Lieblingsort in der Stadt. Er hat eine Zeichnung des historischen Bereiches rund um die Kirche gefertigt. Auf ihr sieht man noch die alte Rektoratsschule an der Mühlenstraße, statt derer ein Brunnen den Platz bereichert. Foto: Nicole Evering

Für Geschichtliches und dabei insbesondere für das Thema Städtebau hat Manfred Blanke sich schon immer interessiert. Deshalb hat er einst Architektur studiert, in seinem Berufsleben aber eher weniger mit historischen Gebäuden zu tun gehabt. „Nun habe ich also einiges nachzuholen“, erzählt Blanke, der seit Kurzem zum Team der Stadtführer gehört. Und weil er eben eine solche Leidenschaft für alte Bauten hegt, ist der Platz vor der Pfarrkirche St. Regina sein Lieblingsplatz in der Stadt.

Ein Eis in der Hand, sitzt Blanke gerne auf dem Rand des Brunnens und lässt seinen Blick schweifen. Der bleibt dann hängen an der Alten Kaplanei, die 1702 errichtet wurde und damit eines der ältesten Gebäude in Stewwert ist. Wo man heute an heißen Tagen die Füße ins kühle Nass des Brunnens baumeln lassen kann, stand einst die Rektoratsschule. Das ehemalige Hotel „Zur Post“, die Alte Küsterei und die Kirche selbst sind weitere Gebäude mit Denkmalcharakter. „Bei diesem Platz handelt es sich um den ursprünglichen Stadtkern von Drensteinfurt. Alle Häuser ringsherum sind sehr alt und übten damals durch ihre Anordnung eine Art Schutzfunktion aus.“

„Auch wegen der großen Linden ist das hier einfach ein schöner, ästhetischer Ort“, findet der gebürtige Rinkeroder, der in Zukunft nicht nur Stadtführungen in Drensteinfurt, sondern auch in seinem Heimatdorf anbieten möchte. Eine erste Tour steht am 19. August auf dem Plan.

Geschichte des Gotteshauses

Wer Ruhe und Entspannung – und in diesen Tagen zusätzlich ein nicht ganz so heißes Fleckchen – sucht, der sollte einen Blick ins Innere der St.-Regina-Kirche werfen. Mit der Geschichte des Gotteshauses, seiner einzigartigen Deckengestaltung sowie dem leidvollen Schicksal seiner Namenspatronin hat sich Manfred Blanke ausführlich beschäftigt. Das Ergebnis hat er in einem kleinen Heft zusammengefasst, das im Schriftenstand der Kirche ausliegt.

„Die Kirche in ihrer heutigen Form ließ Baron von Landsberg-Velen unter Leitung des Vikars Edmund Wiesmann von 1783 bis 1789 erbauen“, berichtete Blanke bei der Vorstellung der Broschüre. „1889 bis 1890 erfolgte der Anbau der Seitenschiffe, da Drensteinfurt durch den Abbau von Strontianit an Bevölkerung zunahm und die Kirche zu klein geworden war“, so der Architekt. „Die neoklassizistischen Decken wurden 1894 bis 1895 eingebaut. Der Architekt Wilhelm Rincklake (1851-1927) hat diese Decke, die über Westfalen hinaus einzigartig ist, entworfen.“ Die Decke sei ein besonderes Schmuckelement der Kirche. Bei seinen Recherchen habe er keine vergleichbare in diesem Stil gefunden.

Wissen weitergeben

Die Kirche sei durch ihren reinen Baustil und die besonders gute Akustik für ihn der „perfekte Ort“, sagt Manfred Blanke, der sich in seiner Freizeit häufig mit geschichtlichen Belangen beschäftigt. „Wenn ich in den Urlaub fahre, dann studiere ich vor Ort gerne die Architektur und den Städtebau und bringe viele Informationen mit nach Hause.“ Durch seine neue Tätigkeit als Stadtführer kann er dieses Wissen nun auch an andere Interessierte weitergeben. „Ich finde es wichtig, dass wir aufmerksam werden für die Dinge, die uns etwas bedeuten.“ Für ihn sei der Kirchenbau etwas Besonderes. „Jede Kirche ist anders und wie ein kleines Museum. Da lohnt sich immer ein Besuch.“

Blanke, der sich auch künstlerisch betätigt und von vielen Gebäuden in der Stadt schon Aquarelle und Zeichnungen angefertigt hat, treibt indes eine neue Idee um: Von der St.-Regina-Kirche möchte er ein kleines Bronze-Modell anfertigen, das dann als Souvenir dienen könnte. Damit auch auswärtige Besucher ein Stück Stewwert mit nach Hause nehmen können.

Führungen und Info-Tafeln

Drei Stadtführer bringen interessierten Bürgern und Besuchern die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten Drensteinfurts näher. Zum Team gehören Petra Holler-Kracht, 01 51 / 64 81 26 70, Walter Gröne, 01 75 / 5 86 60 00, und Manfred Blanke,01 75 / 57 28 58 19. In den Ortsteilen Drensteinfurt und Rinkerode gibt es außerdem jeweils einen historischen Rundgang: Info-Tafeln vermitteln Wissen und lassen Stadtgeschichte lebendig werden. Für Walstedde wird ein solcher Rundgang derzeit erarbeitet.

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