Modell von Peter Sacher
Töns‘ Ford und die „Raudis“

Drensteinfurt -

Peter Sacher hat mal wieder gebastelt: das Modell eines Ford A, Baujahr 1931/1932, im Maßstab 1:24. Und wie gewohnt rankt sich um das Fahrzeug auch eine interessante Geschichte. Die ehemalige Drogerie Töns und die Kapelle „Die Raudis“ spielen darin eine große Rolle.

Dienstag, 07.08.2018, 09:00 Uhr

Den Ford A aus den Jahren 1931/1932, wie er von den Drogisten Heinrich und Willi Töns gefahren wurde, hat Peter Sacher im Maßstab 1:24 nachgebaut.
Den Ford A aus den Jahren 1931/1932, wie er von den Drogisten Heinrich und Willi Töns gefahren wurde, hat Peter Sacher im Maßstab 1:24 nachgebaut. Foto: Peter Sacher

Viele Drensteinfurter erinnern sich noch an die Drogerie Töns in der Wagenfeldstraße. Der Laden mit der denkmalwürdigen Inneneinrichtung wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Passend dazu hat Peter Sacher nicht nur ein Modell gebaut, sondern kann auch mit einigen Anekdoten aufwarten.

In den 1930-er Jahren kaufte der Drogist Heinrich Töns für sein Kolonialwarengeschäft einen Wagen von Ford in Köln: das Modell A aus dem Baujahr 1931/1932. Gleichzeitig mit dem neuen Auto erwarben er und sein Sohn Willi auch den Pkw-Führerschein. Der zweitürige Wagen hatte hinten eine Tür wie ein Lieferwagen. In den hinteren Seitenfenstern warben Schilder mit seinem Namen und dem Hinweis auf seine Waren, Drogen und Kolonialwaren.

„Verstörend wirkt heute, dass auch Drogen verkauft wurden“, schreibt Peter Sacher. „Man muss wissen, dass in den 1930-er Jahren mit Drogen keine Suchtmittel, sondern Heilpflanzen gemeint waren. In einem Anhänger wurden die Waren transportiert.“ 1935 verstarb Heinrich Töns, und sein Sohn Willi übernahm mit nur 25 Jahren das Geschäft.

Gute Dienste geleistet

Bis Ende der 1940-er Jahre habe der Wagen dem Stewwerter Kaufmann und Drogisten gute Dienste geleistet. Als Nachfolger für den Ford wurde ein neuer Wagen, ein dunkelgrüner Opel Kapitän, angeschafft.

Der in die Jahre gekommene Ford wurde an Erich Schydlo verkauft. Schydlo, der erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft entlassen worden war, verdiente an den Wochentagen als Handelsvertreter mit dem Wagen sein Geld. Am Wochenende durfte sein Sohn Rudi den Wagen nutzen. „Rudi Schydlo spielte Akkordeon, und mit einigen jungen Musikerkollegen gründete er eine Kapelle, heute würde man sagen: eine Band“, schreibt Sacher weiter. Abgeleitet von seinem Vornamen nannte er die Kapelle die „Raudis“. Franz Jedani spielte Trompete, Rudi Rottmann Schlagzeug und Heinz Vliex Saxophon. Am Klavier saß Frau Schydlo, Rudis Mutter.

Viele Veranstaltungen

Die Kapelle spielte auf vielen Veranstaltungen in Stewwert und Umgebung. In Erinnerung geblieben sind die Veranstaltungen im Saal Wiggermann an der Kurzen Straße. Bei den Fahrten zu auswärtigen Veranstaltungen half ihnen der alte Ford.

Mitte der 1950-er Jahre hatte der Wagen seine Dienste getan. Erich Schydlo kaufte sich ein altes „Tempo“-Dreirad mit Pritsche und Plane. Auch diesen Wagen nutzten die „Raudis“ für ihre Auftritte als Transportmittel. „Mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder konnte sich Erich Schydlo endlich einen richtigen Lieferwagen, einen Ford FK 1000, leisten“, so Sacher abschließend.

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