Serie „Lieblingsplatz“
Offen für Veränderungen

Walstedde -

Wo in früheren Jahren mehrere Gaststätten, ein Schuhmacher, ein Schneidermeister, eine Seilerei und ein Friseur direkt nebeneinander beheimatet waren, fühlt Willy Meise sich am wohlsten – auch wenn der St.-Lambertus-Kirchplatz heute ein ganz anderes Gesicht zeigt als noch vor ein paar Jahren.

Samstag, 25.08.2018, 05:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 25.08.2018, 05:00 Uhr
Nach dem Abriss der ehemaligen Gaststätte Menninghaus/Kessebohm kann man derzeit vom Kirchplatz bis zur Brennerei Eckmann blicken. Die gab es auch in Willy Meises Kindheit schon. Ansonsten hat sich am St.-Lambertus-Kirchplatz seitdem einiges verändert. Der Walstedder begrüßt den stetigen Wandel.
Nach dem Abriss der ehemaligen Gaststätte Menninghaus/Kessebohm kann man derzeit vom Kirchplatz bis zur Brennerei Eckmann blicken. Die gab es auch in Willy Meises Kindheit schon. Ansonsten hat sich am St.-Lambertus-Kirchplatz seitdem einiges verändert. Der Walstedder begrüßt den stetigen Wandel. Foto: Nicole Evering

Vier Kneipen nur einen Steinwurf von der St.-Lambertus-Kirche entfernt. Zwei weitere, wenn man die Straße überquerte. Und außerdem noch zwei Brennereien in Sichtweite: Man kann erahnen, wo sich früher das Leben in Walstedde abgespielt hat. Willy Meise muss es wissen. Er ist dort aufgewachsen. Direkt gegenüber der Kirche steht sein Elternhaus. Dies ist auch heute noch sein Lieblingsplatz – obwohl er schon lange am Kernbrock wohnt.

„Wir hatten ja keinen Garten hinterm Haus“, blickt Meise zurück. Damals haben die Nachbarn also einfach die Stühle vor die Tür gestellt, um zu klönen. „Manchmal saßen wir plötzlich mit 20 Mann dort nebeneinander“, sagt er lachend. Jeder kennt jeden im Dorf, damals wie heute. Und der Kirchplatz war – nicht nur wegen der umliegenden Kneipen – die erste Anlaufstelle, um sich in Sachen Klatsch und Tratsch auf den neuesten Stand zu bringen.

Aber eigentlich liegt Willy Meise das gesamte Dorf am Herzen. Das ist ein Grund, warum er sich derzeit zusammen mit Helmut Winterscheid und unter Federführung von Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer um die Erarbeitung eines historischen Ortsrundganges kümmert. Drensteinfurt und Rinkerode haben ihre schon lange. Auf Initiative des örtlichen Heimatvereins soll auch Walstedde seinen bekommen.

16 Stationen insgesamt

Das Trio feilt aktuell an den Texten für die Schilder. Neun Stationen sollen es im inneren Ortskern werden. Darüber hinaus werden auch die Bauerschaften Herrenstein, Kurrick und Nordholt berücksichtigt. Ameke sowieso. Deshalb wird der „Ortsrundgang“ ein wenig weiter gefasst, bekommt nach derzeitigem Stand 16 Stationen – und muss dann eben per Leeze erkundet werden.

Doch zurück zum Kirchplatz – der sich im Laufe der Jahre sehr verändert hat. Kneipen sucht man dort heute vergeblich. Das ehemalige Gasthaus Kessebohm hat lange leer gestanden, bevor es dieses Frühjahr abgerissen worden ist. Doch bald können die Bürger an gleicher Stelle wieder schnacken und schlemmen, denn das Gesundheitszentrum Haus Walstedde baut dort ein Patientenhotel samt Restaurant. Eine gute Entwicklung, wie Meise findet. „Etwas Besseres hätte Walstedde nicht passieren können.“ Größere Geschäfte würden sich in dem 3000-Einwohner-Ort sowieso nicht ansiedeln. „Zum Einkaufen fahren die Menschen nach Münster.“ Und es stelle sich doch die Frage, so Meise: „Wie viele Leerstände will man haben?“.

Kultur statt Konsum

Statt mit Konsum punktet das Lambertusdorf seit einigen Jahren mit Kultur. Nur wenige Meter sind es über ein schmales Pättken bis zur Kulturscheune, die vom gleichnamigen Verein – dem Meise natürlich auch angehört – betrieben wird. Das jährliche Programm hat, dank des bestens vernetzten Rudi Marhold, stets einige Hochkaräter zu bieten und lockt so auch viele Auswärtige an. „Die sagen oft: Dass es in Walstedde so etwas Tolles gibt, hätten wir gar nicht gedacht“, gibt Meise wieder.

Auch hier führt der geplante historische Ortsrundgang entlang. Über Böcken, Pastors Garten und Friedhof geht es weiter zum Ehrenmal – zu dem Willy Meise natürlich auch etwas zu erzählen hat. Schließlich ist das einst etwas verwahrloste Gelände an der Ecke Dorfstraße/Kernbrock vor einigen Jahren auf seine Anstrengungen hin neu gestaltet worden. „Jetzt macht der Platz richtig was her“, findet Meise, der dort nicht selten selbst mit Besen und Harke in der Hand anzutreffen ist. Denn für „sein“ Walstedde setzt Willy Meise sich ein, wo es eben geht.

Führungen und Info-Tafeln

Drei Stadtführer bringen interessierten Bürgern und Besuchern die Geschichte und die Sehenswürdigkeiten Drensteinfurts näher. Zum Team gehören Petra Holler-Kracht, 01 51 / 64 81 26 70, Walter Gröne, 01 75 / 5 86 60 00, und Manfred Blanke,01 75 / 57 28 58 19. In den Ortsteilen Drensteinfurt und Rinkerode gibt es außerdem jeweils einen historischen Rundgang: Info-Tafeln vermitteln Wissen und lassen Stadtgeschichte lebendig werden. Für Walstedde wird ein solcher Rundgang derzeit erarbeitet.

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