Integration von Geflüchteten
Praktikum bringt Praxis

Drensteinfurt -

Mehmet Burdur und seine Frau Gülnaz Dusheeva wollen ihre Deutschkenntnisse verbessern und Kontakte knüpfen. Deshalb haben sie sich um ein Praktikum im Schreibwarengeschäft „Markt Nr. 1“ beworben. Dort gehen sie Chef Theo Homann derzeit sehr engagiert zur Hand.

Dienstag, 28.08.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 28.08.2018, 06:00 Uhr
Mehmet Burdur und Gülnaz Dusheeva sind Theo Homann (re.) dankbar für die Chance, bei ihm im Geschäft ein Praktikum absolvieren zu dürfen. Im Umgang mit den Kunden können sie ihre Deutschkenntnisse anwenden und weiter verbessern.
Mehmet Burdur und Gülnaz Dusheeva sind Theo Homann (re.) dankbar für die Chance, bei ihm im Geschäft ein Praktikum absolvieren zu dürfen. Im Umgang mit den Kunden können sie ihre Deutschkenntnisse anwenden und weiter verbessern. Foto: Nicole Evering

Regale einräumen, Kunden beraten, Hefte, Stifte und Rucksäcke verkaufen: Dabei gehen Mehmet Burdur und seine Frau Gülnaz Dusheeva seit knapp zwei Wochen Theo Homann im Schreibwarengeschäft „Markt Nr. 1“ zur Hand. Dort machen sie ein vierwöchiges Praktikum. An sich nichts Besonderes – wären die beiden nicht erst vor wenigen Monaten nach Deutschland gekommen.

Burdur ist türkischer Staatsbürger und in seiner Heimat als Anhänger der Gülen-Bewegung politischer Verfolgung ausgesetzt. Zusammen mit seiner Frau, die gebürtig aus Kirgistan stammt, floh der Biologie-Lehrer deshalb im Frühjahr nach Deutschland.

In der Riether Straße bewohnt das Paar in der städtischen Flüchtlingsunterkunft ein Zimmer, doch gerne hätten der 29-Jährige und seine ein Jahr jüngere Ehefrau, die gelernte Bankkauffrau ist, eine eigene kleine Wohnung. Denn das Paar erwartet in einigen Monaten Nachwuchs.

Nicht nur in der Theorie

In Münster besuchen Mehmet Burdur und Gülnaz Dusheeva derzeit einen Integrationskursus. Doch das reichte ihnen nicht. „Ein Sprachkursus ist gut, aber nur Theorie“, sagt Burdur. Um die Praxis, also das Anwenden der Sprache im Alltag, haben sich die beiden dann selbst gekümmert, indem sie sich einen Praktikumsplatz gesucht haben. Theo Homann hat sie mit offenen Armen empfangen.

„Sie haben sofort einen sympathischen Eindruck gemacht. Und ihr Engagement wollte ich gerne unterstützen“, erzählt der Inhaber. Natürlich habe er auch ein paar Bedenken gehabt, denn um Praktikanten muss man sich bekanntlich kümmern, und das kostet Zeit. „Aber man merkt sofort, dass beide auch früher beruflich mit Menschen zu tun hatten. Sie sind sehr selbstständig – und selbstbewusst“, lobt Homann seine Mitarbeiter auf Zeit.

Viele neue Wörter

Die freuen sich nicht nur, dass sie ihre neu erworbenen Deutschkenntnisse nun täglich ausprobieren können, sondern auch darüber, mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. „Wir haben ein paar Bekannte in Hamm und Ahlen. Aber hier in Drensteinfurt kennen wir noch niemanden“, sagen die Eheleute. In der ersten Woche des Praktikums war noch einiges unbekannt. „So viele neue Wörter“, sagt Gülnaz Dusheeva und lacht. Doch mittlerweile haben sich beide gut eingewöhnt. Gibt es Schwierigkeiten? „Nein, jetzt ist alles gut.“

Die Akademiker hoffen, in Deutschland bleiben, hier eine Familie gründen und irgendwann auch wieder in ihre alten Berufe zurückkehren zu können. Ein nächster Schritt in Sachen Integration soll nun erst einmal die eigene Wohnung sein.

Wer dem Ehepaar in dieser Hinsicht etwas anbieten möchte, der kann sich einfach im Schreibwarengeschäft „Markt Nr. 1“ melden. Dort sind Mehmet Burdur und Gülnaz Dusheeva in den kommenden beiden Wochen noch täglich anzutreffen – beim Einräumen, Beraten und Verkaufen.

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