Helmut Winterscheid hat einen Lieblingsplatz
Im Schatten der Kapelle

Ameke -

Helmut Winterscheid hat einen ganz besonderen Lieblingsplatz: Die Bank vor der Ameker Kapelle. Und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: „Dieser Bereich war nicht geplant, jetzt ist er aber da.“

Samstag, 01.09.2018, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 31.08.2018, 23:52 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 01.09.2018, 00:00 Uhr
Auf der Bank im Schatten der Kapelle lassen sich sowohl Radfahrer, die durch Ameke kommen, als auch Einheimische für einen Plausch gerne nieder. Es ist Helmut Winterscheids Lieblingsplatz.
Auf der Bank im Schatten der Kapelle lassen sich sowohl Radfahrer, die durch Ameke kommen, als auch Einheimische für einen Plausch gerne nieder. Es ist Helmut Winterscheids Lieblingsplatz. Foto: Nicole Evering

„Rush Hour“ in Ameke: In dem sonst so beschaulichen Örtchen ist an einem Mittwochmorgen erstaunlich viel los. Eltern bringen ihren Nachwuchs in den Kindergarten, in der Kapelle St. Georg geht gerade die Messe zu Ende. Da alles nah beieinander liegt, ist man gleich mittendrin im Dorfleben. Doch schnell ist der Trubel auch wieder vorbei, und Ruhe kehrt ein.

Zeit für einen kleinen Plausch. Auf einer Bank vor der Kapelle sitzt Helmut Winterscheid – dort ist sein Lieblingsplatz. Und zwar aus einem ganz bestimmten Grund: „Dieser Bereich war nicht geplant, jetzt ist er aber da. Und alle waren irgendwie ein bisschen beteiligt.“ Wo einst dichte Büsche den Blick auf den Chorraum der Kapelle verwehrten, steht heute eine Bank, sind liebevoll Beete angelegt worden, dient ein dicker Stein als „Picknicktisch“. „Jemand hat den roten Kies beigesteuert, und der Stein war auch plötzlich da.“ Dieser Platz zeigt, dass die Ameker anpacken und Hand in Hand arbeiten, wenn es um ihr Dorf geht. Winterscheid ist gerne mittendrin – trotz „Migrationshintergrund“.

Denn der 64-Jährige kommt gebürtig aus dem Rheinland. Dennoch hat er sich im Münsterland schnell heimisch gefühlt. „Die Menschen haben mich hier ankommen lassen“, erinnert er sich an die 1980-er Jahre, als er der Liebe wegen erst den Weg nach Münster und wenig später nach Ameke fand. Mit Schwiegereltern, Frau und Kindern lebte er viele Jahre unter einem Dach: ein Mehrgenerationen-Haushalt. „Das hat gut funktioniert“, sagt er.

Ins Dorfleben hat er sich von Anfang an eingebracht. Im ehemaligen Kapellenvorstand war er aktiv. „Ich habe mal hier die Glocken geschmiert und mal da die Türen geölt“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Überhaupt hat er dem Gebäude viel Zeit gewidmet, denn schon seit seiner Kindheit ist Helmut Winterscheid geschichtlich interessiert. Und die Georgskapelle hat eine spannende Historie.

Bis heute weiß niemand so genau, wer das Gotteshaus wann hat errichten lassen. Man schätzt den Bau auf die Jahre zwischen 1300 und 1350. Ende des 18. Jahrhunderts war die Kapelle zum Teil eingestürzt und nicht mehr nutzbar. Wenig später wurde auf den vorhandenen Grundmauern der heutige „Neubau“ errichtet. Diese Informationen für die Tafel, die vom Verein „Ameke Aktiv“ am Gebäude angebracht worden ist, hat der Hobby-Historiker mit zusammengetragen.

Das ist schon eine Weile her. Aktuell ist Winterscheid gemeinsam mit Willy Meise und Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer dabei, einen historischen Ortsrundgang für Walstedde zu erarbeiten. Erweitert werden soll dieser durch eine Fahrradroute, die auch Herrenstein, den Kurricker Berg, Ameke und Nordholt mit einbezieht.

Das Dorf hat aus Winterscheids Sicht alles, was es zum Leben braucht: eine Kapelle, einen Kindergarten, ein Gasthaus. „Die Anbindung an die Bahn ist sehr gut – auch durch den neuen Radweg, das ist eine top Geschichte“, lobt er den Verein hinter dem Projekt. Zudem gebe es viele nette Menschen. Der beste Beweis ist Nachbarin Gertrud Wrocklage, die plötzlich mit einem Tablett in der Hand neben der Bank steht. „Bei einer Tasse Kaffee lässt es sich doch viel besser unterhalten“, findet sie. Recht hat sie.

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