Verhinderung von Wildunfällen
Sind Rehen die Reflektoren egal ?

Drensteinfurt -

Wildreflektoren sollen Tiere davon abhalten, auf die Fahrbahn zu laufen. Doch eine aktuelle Studie bezweifelt deren Wirksamkeit. Der Hegering Drensteinfurt/Walstedde sieht keine Alternative zu den Reflektoren und rät Autofahrern grundsätzlich zu erhöhter Aufmerksamkeit.

Donnerstag, 08.11.2018, 05:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.11.2018, 05:00 Uhr
Auch entlang der Drensteinfurter Straßen hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der blauen Reflektoren erhöht. Eine aktuelle Studie bezweifelt jedoch deren Wirksamkeit.
Auch entlang der Drensteinfurter Straßen hat sich in den vergangenen Jahren die Zahl der blauen Reflektoren erhöht. Eine aktuelle Studie bezweifelt jedoch deren Wirksamkeit. Foto: dpa

Man sieht sie an vielen Leitpfosten rund um Drensteinfurt: blaue Wildreflektoren, die das Scheinwerferlicht der vorbeifahrenden Autos zurückwerfen und so die Tiere davon abhalten sollen, auf die Fahrbahn zu laufen. Doch laut einer Studie der Universitäten Göttingen und Zürich können die Reflektoren die Zahl der Unfälle nicht verringern.

Bei der Untersuchung auf 150 Teststrecken in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen hätten sich die Reflektoren als wirkungslos erwiesen, wie die Unfallforschung der Versicherer (UDV) bekannt gegeben hat. Sie hatte die Studie in Auftrag gegeben. Für diese waren etwa 1600 Begegnungen zwischen Tieren und Fahrzeugen dokumentiert worden. Es habe für das Verhalten der Tiere keine Rolle gespielt, ob sich an den Strecken blaue Wildreflektoren befanden oder nicht.

Auch in den Revieren der Werse-stadt haben viele Pächter in den vergangenen Jahren die Kosten für das Anbringen der Reflektoren übernommen. Wie viele genau entlang der Straßen zu finden sind, kann Hanna Feldmann, Obfrau für Öffentlichkeitsarbeit beim Hegering Drensteinfurt/Walstedde, nicht sagen. Wohl aber, dass sie in dem Revier in Ameke, in dem sie selbst jagt, gute Erfahrungen mit den kleinen blauen Helfern gemacht hat.

Zahlen leicht rückläufig

Wie eine Statistik der Kreispolizeibehörde Warendorf belegt, ist die Zahl der Wildunfälle auf Drensteinfurts Straßen in den vergangenen Jahren leicht rückläufig. 2016 sind insgesamt 115 solcher Unfälle angezeigt worden. 2017 waren es 91, 2018 wurden bisher 69 Wildunfälle gemeldet. Ob die blauen Reflektoren ihren Teil dazu beigetragen haben, lässt sich laut Polizei nicht mit Sicherheit sagen.

„Unser Revier ist nicht komplett mit den Reflektoren ausgestattet, da nicht jede Straße Leitpfosten besitzt“, benennt Hanna Feldmann einen Nachteil. Ein weiterer sei die Tatsache, dass diese nur in der Dämmerung und nachts wirkten. Während der Paarungszeit im Juli und August seien die Rehe aber auch tagsüber aktiv. „Dann helfen die Reflektoren nicht.“

Im Vorstand des Hegerings seien die Meinungen zur Wirksamkeit unterschiedlich, berichtet Feldmann. Da diese allerdings auch keine negativen Auswirkungen auf den Straßenverkehr hätten, würden die vorhandenen Reflektoren nicht abmontiert – auch mangels Alternativen. Mancherorts kann man CDs in den Bäumen baumeln sehen, die Autoscheinwerfer reflektieren. Doch dafür muss die CD zufällig im richtigen Winkel zum einfallenden Licht stehen. In Sachsen-Anhalt gibt es aktuell ein Projekt zur Wildunfall-Prävention. Dabei werden akustische Wildwarner getestet, die sich nähernde Autos erkennen und dann ein Signal abgeben. Die Möglichkeit, eine Art „Duftzaun“ aufzustellen, um die Tiere vor den Straßen zu warnen, sei kostenintensiv, aufwändig und deshalb eher schwierig umzusetzen, meint Hanna Feldmann.

Erhöhte Aufmerksamkeit

Der Hegering rät Autofahrern grundsätzlich dazu, gerade jetzt, wenn es wieder früher dunkel wird und die Tiere während des abendlichen Berufsverkehrs unterwegs sind, zu erhöhter Aufmerksamkeit. „Wenn man links und rechts der Wege schaut und die reflektierenden Augen eines Rehs erkennt, sollte man vorsichtiger fahren“, so Feldmann. Da die Tiere in den Wintermonaten in größeren Rudeln, den sogenannten Sprüngen, unterwegs seien, hielten sich dann meistens weitere Rehe in der Nähe auf.

Falls es doch zu einem Unfall gekommen sei, müssten die Autofahrer die Polizei informieren. „Kein Jäger ist einem böse, ein solcher Wildunfall kann wirklich jedem passieren“, meint Hanna Feldmann. Doch das angefahrene Tier sollte nicht unnötig leiden. „Wir Jäger kommen lieber ein Mal zu viel raus, um zu schauen, ob ein Tier verletzt wurde.“

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