Landfrauen blicken zurück
Gemeinschaft abseits des Hofalltags

Walstedde -

Im Lambertusdorf geht in diesen Tagen eine Ära zu Ende. Der Landfrauenverband, 1955 gegründet und auch heute noch 69 Mitglieder stark, löst sich zum Jahresende auf. Das Vorstandsteam um Christel Allendorf, Carola Lückmann und Maria Budde blickt etwas wehmütig auf die vergangenen 63 Jahre zurück.

Samstag, 17.11.2018, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 17.11.2018, 06:00 Uhr
Maria Budde, Christel Allendorf und Carola Lückmann (v.li.) schwelgen in Erinnerungen.
Maria Budde, Christel Allendorf und Carola Lückmann (v.li.) schwelgen in Erinnerungen. Foto: Nicole Evering

Im Lambertusdorf geht eine Ära zu Ende. Der Landfrauenverband, 1955 gegründet und auch heute noch 69 Mitglieder stark, löst sich im 63. Jahr seines Bestehens auf.

„Uns fehlt einfach der Nachwuchs. Und es hat sich niemand gefunden, der die Leitung übernehmen wollte“, sagt Christel Allendorf, die den Verein zwölf Jahre lang gemeinsam mit Carola Lückmann geführt hat. Auch Maria Budde , die seit 2010 zum Vorstandsteam gehört, blättert etwas wehmütig in den zum Teil Jahrzehnte alten Zeitungsberichten, die Christel Allendorf sorgfältig archiviert hat. Gemeinsam blicken die Frauen zurück auf die Anfänge der Gemeinschaft.

Maria Nettebrock war es, die den Walstedder Landfrauenverband 1955 ins Leben gerufen hat. „Damals war das für die Frauen auf den Höfen oft die einzige Möglichkeit, mal rauszukommen“, weiß Carola Lückmann. Der Lebensrhythmus in den Großfamilien sei von drei Dingen geprägt gewesen: von Kühen, Kindern und Kirche. Die Männer seien in den Landwirtschaftlichen Ortsvereinen organisiert gewesen, der Landfrauenverband war das weibliche Pendant dazu. Für den Nachwuchs gab es die Landjugend – die in Walstedde allerdings schon seit einiger Zeit „auf Eis“ liegt.

Wichtiger Austausch

Auch der Landfrauenverband unterlag einem stetigen Wandel. Hat er sich früher ausschließlich an die Bewohnerinnen der umliegenden Höfe gerichtet, so sind ihm im Laufe der Jahre immer mehr Mitglieder ohne landwirtschaftlichen Hintergrund beigetreten. Ein umfangreiches Programm habe es in den Anfangsjahren nicht gegeben, sagt Christel Allendorf. Vielmehr sei es um den Austausch der Frauen untereinander gegangen. Das hat sich irgendwann geändert.

Radtouren, Musicalbesuche, Karnevals- und Weihnachtsfeiern: Was der erweiterte, neunköpfige Vorstand sich an Aktionen hat einfallen lassen, kann sich rückblickend durchaus sehen lassen. „Im Team hat es gepasst. Und wir haben von unseren Mitgliedern immer viel Lob für unser Programm bekommen“, betont Christel Allendorf. Doch die Angebote seien immer eher auf die ältere Generation zugeschnitten gewesen, ergänzt Maria Budde. Es sei leider nicht gelungen, jüngere Frauen für die Gemeinschaft zu begeistern.

Ähnliche Zielgruppe

Das belegen auch die Zahlen, die Kassiererin Carola Lückmann herausgesucht hat: Von den 69 Mitgliedern sind zwei Drittel über 65 Jahre alt – lediglich drei Frauen sind jünger als 50. „Das Leben auf dem Land hat sich verändert“, begründet Lückmann. Heutzutage gebe es viel mehr Möglichkeiten, seine Freizeit abseits des Hofalltags zu gestalten. Hinzu kommt noch die „Konkurrenz“ durch andere Vereine wie beispielsweise die KFD, die eine ähnliche Zielgruppe anspricht.

Der Walstedder Landfrauenverband, der dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband angehört, ist nun der erste im Kreis Warendorf, dem diese Entwicklung zum Verhängnis wird. Auf der Jahreshauptversammlung im Januar dieses Jahres hatten die Anwesenden mehrheitlich für die Auflösung gestimmt. „Das ist schade, aber es ging nicht anders“, blickt Maria Budde zurück. Nun soll zumindest die letzte Veranstaltung in der Geschichte der Walstedder Landfrauen zu einem ebenso geselligen Ereignis werden, wie es viele andere Aktionen in den vergangenen 63 Jahren auch waren.

► Zum Abschluss sind alle Mitglieder am Samstag, 24. November, ab 9.30 Uhr zu einem Frühstück ins Hotel Volking eingeladen. Die Kosten werden aus der Vereinskasse bezahlt. Was am Ende übrig bleibt, geht als Spende an das „Landfrauen-Sorgentelefon“. Anmeldungen für das Frühstück sind noch bis Montag möglich bei Christel Allendorf, ✆  0 23 87 / 472, oder bei Carola Lückmann, ✆ 10 93.

Die Vorsitzenden

Diese Frauen haben dem Walstedder Landfrauenverband in den vergangenen 63 Jahren vorgestanden: Maria Nettebrock (1955 bis 1965) Johanna May (1965 bis 1990) Paula May (1990 bis 1998) Adele Middendorf (1998 bis 2006) Klärchen Bachtrop, Christel Allendorf und Carola Lückmann (2006 bis 2010) Christel Allendorf, Carola Lückmann und Maria Budde (seit 2010)

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