Helmut Winterscheid stellt neues Buch vor
Ein Spaziergang durch 250 Höfe

Drensteinfurt/Walstedde -

Sie sind sehr schwer und bestehen aus dickem Papier: Die Rede ist von den drei Walstedder Hypothekenbüchern aus dem 19. Jahrhundert, die der Ameker Helmut Winterscheid eingehend analysiert hat. Das Ergebnis seiner Recherchen liegt nun in Buchform vor.

Freitag, 14.12.2018, 23:56 Uhr aktualisiert: 21.12.2018, 15:14 Uhr
Gemeinsam mit Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer, Rudi Marhold, Vorsitzender Kulturscheune Walstedde (v. li.) und Bürgermeister Carsten Grawunder (re.) stellte Autor Helmut Winterscheid sein neues Buch vor.
Gemeinsam mit Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer, Rudi Marhold, Vorsitzender Kulturscheune Walstedde (v. li.) und Bürgermeister Carsten Grawunder (re.) stellte Autor Helmut Winterscheid sein neues Buch vor. Foto: -sibe-

Sie sind sehr schwer, bestehen aus dickem, soliden Papier und dienten damals vor Gericht als Grundlage, um Eigentumsstreitigkeiten im Keim zu ersticken: Die Rede ist von den drei Walstedder Hypothekenbüchern – heute Grundbücher genannt – des 19. Jahrhunderts, die den Ameker Helmut Winterscheid förmlich in ihren Bann gezogen haben. So sehr, dass der 64-jährige Hobbyhistoriker über die Walstedder Besitz- und Baugeschichte nach 1800 ein Buch verfasst hat. Zwei Jahre Arbeit steckte Winterscheid in das 255-seitige Werk, das vor kurzem als zweiter Band der von der Stadt Drensteinfurt herausgegebenen Serie „Quellen und Forschungen zu Drensteinfurt“ erschienen ist.

„Eigentlich wollte ich in den preußischen Hypothekenbüchern recherchieren, um Quellenlücken zu den früheren gutsherrlichen Gefällen schließen zu können“, erklärte der Ameker, der sich schon lange mit der Walstedder Ortsgeschichte beschäftigt, bei der Vorstellung des Buches seine ursprünglichen Absichten. Doch dabei sei ihm schnell klar geworden: „Das muss in die Welt.“ Schließlich habe er zu jedem damaligen Hof in und um Walstedde nun ein „kleines Datenpäckchen“ gehabt. Unterstützt und immer wieder von Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer ermuntert, machte sich der Hobbyhistoriker deswegen daran, seine Erkenntnisse schriftlich festzuhalten.

Herausgekommen ist dabei ein Werk, das alle damals bebauten Haus- und Hofstellen in Walstedde mit seinen drei Bauerschaften – der Dorfbauerschaft, Herrenstein und Ameke – beschreibt. „Helmut Winterscheid nimmt die Leser mit auf einen Spaziergang durch alle 250 früher existierenden Höfe, Kotten und Häuser“, berichtete Klötzer. Winterscheid erläuterte dazu: „In den Hypothekenbüchern erfolgten die Einträge chronologisch nach Geschäftsvorfällen. Das ist teilweise völlig chaotisch.“ Der Ameker habe aus diesem Grund – und um dem Leser eine leichtere Orientierung zu bieten – die Wohn- und Hausplätze zunächst nach Bauerschaften sortiert. „Innerhalb dieser Ordnung folgt die Reihung einem Rundgang, wie ihn seinerzeit ein Bauerschaftsbote oder ein Abgabeneinnehmer zurückgelegt haben könnte“, bemerkte der Hobbyhistoriker. Zudem gebe es zu jedem Abschnitt aus Gründen der Übersichtlichkeit einen kleinen Kartenausschnitt.

Inhaltlich interessant sei, dass sich einige Höfe, Kotten oder Häuser im Laufe der Jahre immer mal wieder verändert hätten. „Bei zahlreichen Hausstellen ist vieles dazugekommen, manche Höfe sind dagegen komplett verschwunden“, verriet der 64-Jährige. Zwangsversteigerungen infolge von Überschuldungen oder auch komplexe Erbauseinandersetzungen seien die Gründe dafür gewesen. „Überrascht war ich über einige Hinweise eines regelrechten Baubooms von Häusern und Wohnstätten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, fügte der Ameker hinzu. Amüsant zu lesen seien ab und an außerdem die alten Formulierungen bei zu leistenden Abgaben, die von Winterscheid im Übrigen teilweise etwas „geglättet“ und besser lesbar gemacht wurden. „Irgendwo heißt es etwa, dass ein Hühnchen nur dann abzugeben sei, wenn es alleine aus dem Eimer springen könne“, erzählte er schmunzelnd.

„Die Walstedder Hypothekenbücher Band I – III“ gehen aber nicht nur auf Besitz- und Baugeschichte im 19. Jahrhundert ein, sondern beherbergen auch eine Menge Namen. „Wer erbt was oder wer hat wo Wohnrecht: Dadurch erhält man natürliche auch einen reichhaltigen Fundus zu Familienverhältnissen und Personenstrukturen in der Zeit unserer Ur-Ur-Großeltern“, so der Autor, der in den Anhängen neben einiger Begriffserklärungen auch die Anschriften aller behandelten Hausplätze, ein Namensregister, die vormaligen gutsherrlichen Eigentumsverhältnisse der älteren Hausstätten und die Baudaten untergebracht hat.

Das mit den vielen Namen ist auch Rudi Marhold, dem Vorsitzenden des Vereins Kulturscheune Walstedde, beim Durchblättern aufgefallen. „Normalerweise unterhalten und erfreuen wir die Menschen aus dem Dorf und weit über dessen Grenzen hinaus mit zahlreichen Musik-, Kabarett- und Schauspielveranstaltungen“, sagte Marhold. Doch die Aufgabe der Herausgeberschaft einer historischen Darstellung habe der Verein – mit Unterstützung der NRW-Stiftung – ebenfalls gerne übernommen. „Die lokale Geschichte ist auch ein Teil unserer heutigen Kulturarbeit“, nannte Marhold den Grund.

Er lobte – genauso wie Bürgermeister Carsten Grawunder – die Arbeit von Helmut Winterscheid, der akribisch die damaligen Walstedder Eigentumsverhältnisse zusammengestellt habe. „So ist eine wertvolle Grundlage für weitere Forschungen und Darstellungen zur Walstedder Ortsgeschichte entstanden“, ist er sich sicher. Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer ergänzte: „Wirklich jeder wird in dem Buch etwas für sich entdecken.“

► Zu erwerben ist Winterscheids Werk „Die Walstedder Hypothekenbücher I-III“, das beim Aschendorff Verlag erschienen ist, für 29,80 Euro in der Bücherecke und im Handel.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6257327?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F127%2F
Nachrichten-Ticker