Dr. Heinrich Binsfeld und Manfred Blanke stellen ihr Buch vor
Weißes Gold aus dem Münsterland

Drensteinfurt -

Es war eine kurze Epoche, die das Gesicht der Stadt jedoch nachhaltig verändern sollte. Wie es zum Strontianit-Boom Ende des 19. Jahrhunderts kam und welche Folgen er hatte, das haben nun Dr. Heinrich Binsfeld und Manfred n Buchform festgehalten.

Mittwoch, 06.02.2019, 23:54 Uhr aktualisiert: 07.02.2019, 00:00 Uhr
„Glück auf“: So lautet in den 1880-er Jahren auch in Drensteinfurt der tägliche Bergmannsgruß. Insgesamt sind bis heute mehr als 180 Strontianitgruben im Stadtgebiet bekannt.
„Glück auf“: So lautet in den 1880-er Jahren auch in Drensteinfurt der tägliche Bergmannsgruß. Insgesamt sind bis heute mehr als 180 Strontianitgruben im Stadtgebiet bekannt. Foto: W. Bockholt, Kleine Stadtgeschichte

Es war im Winter 1839/40, als der Fund eines Gymnasiasten den Grundstein dafür legte, dass sich das Leben in der Stadt innerhalb weniger Jahrzehnte komplett verändern sollte. Am Herrensteiner Knapp hatte der Schüler Hermann Tross vor 180 Jahren sogenannte „Silbersteine“ entdeckt. Und die sorgten rasch für Aufsehen, auch wenn sich ihre Verwendungsmöglichkeiten seinerzeit noch in Grenzen hielten. Denn zunächst waren es fast ausschließlich Apotheker, die Interesse an dem Mineral mit der korrekten Bezeichnung „Strontianit“ hatten. Sie nutzten es vor allem zur Herstellung von Feuerwerkskörpern. Bis die Franzosen Dubronfaut und Leplay im Jahr 1849 ein Verfahren entwickelten, welches das Mineral zum begehrten Rohstoff für die Zuckerherstellung werden ließ. Denn: Mit Strontianit ließ sich der bei der Verarbeitung der Zuckerrüben anfallenden Melasse der darin noch in großen Anteilen befindliche Restzucker entziehen.

„Das enorme Interesse an der Nutzung des kristallinen Minerals, dessen Name sich von dem Fundort ,Strontian‘ an der Westküste Schottlands ableitet, hatte weitreichende Folgen für die Wirtschaftsstruktur“, berichtet Dr. Heinrich Binsfeld. „Der Strontianitabbau schaffte viele neue, lukrative Arbeitsplätze im Münsterland, wo es zeitweise viele Grubenbesitzer gab.“ Auch in Drensteinfurt, wo bis heute mehr als 180 solcher Gruben bekannt sind.

Wie der Bergbau in rasanter Geschwindigkeit die Stadt veränderte – zwischen 1871 und 1885 wuchs die Einwohnerzahl von 3806 auf 4440 Menschen – und wie rasch der Boom nach der Entdeckung eines günstigeren Ersatzstoffes vorbei war, das hat der Drensteinfurter Mediziner und Geschichtsforscher Heinrich Binsfeld gemeinsam mit dem Architekten, Historienforscher und Maler Manfred Blanke anhand überlieferter Aufzeichnungen und mit Hilfe von Zeitzeugenberichten in den vergangenen Jahren umfassend aufgearbeitet. Das Ergebnis liegt nun in Buchform vor. Und dabei handelt es sich durchaus nicht um eine „trockene Materie“. Denn neben einer umfassenden Dokumentation über Fundstätten, Materialeigenschaften, Verwendungsmöglichkeiten und nicht zuletzt über den eigentlichen Abbau enthält das Werk mit dem „Titel „Das weiße Gold aus dem Münsterland“ auch zahlreiche Fotos und Grafiken. Letztere stammen aus der Feder von Manfred Blanke und dokumentieren den damaligen Boom auch visuell auf besondere Art und Weise.

Auf 173 Seiten nehmen Binsfeld und Blanke ihre Leser mit auf eine faszinierende Zeitreise in das damalige „Eldorado Drensteinfurt“ – samt Abstechern in die Gründungsphase des Junggesellenschützenvereins und des damaligen „Drensteinfurter Spar- und Darlehenskassenvereins“.

► Zu haben ist das Buch „Das weiße Gold aus dem Münsterland. De Strunz. Bergbau in Drensteinfurt in Bild und Wort“ ab sofort in der „Bücherecke“ Spartmann an der Wagenfeldstraße.

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