Davert-Wild für die Mensa-Gäste
Festessen mitten im Februar

Rinkerode -

Fast schon ein Festessen durften die Gäste der Senioren-Mensa am Mittwoch genießen: Es gab Reh-Gulasch mit Kartoffeln und Apfel-Rotkohl. Das Wildfleisch stammte aus der Davert. Vier heimische Jäger hatten es gesponsert, um die ehrenamtliche Einrichtung zu unterstützen.

Donnerstag, 14.02.2019, 20:00 Uhr
Ausgiebiges Klönen gehört zum Mensa-Termin genauso dazu wie das Essen selbst. Das Angebot hat sich im Dorf etabliert.
Ausgiebiges Klönen gehört zum Mensa-Termin genauso dazu wie das Essen selbst. Das Angebot hat sich im Dorf etabliert. Foto: Nicole Evering

„Oh“ und „Ah“ schallt es durch den Raum, als Mechtild Pfumfel bei ihrer Begrüßung verkündet, was an diesem Mittwochmittag serviert wird. Fast schon ein Festessen dürfen die Gäste der Senioren-Mensa genießen: Es gibt Reh-Gulasch mit Kartoffeln und Apfel-Rotkohl, zum Dessert eine Vanillemousse mit Kirschgrütze. „Das ist ja wie Weihnachten “, freut sich eine Besucherin.

Das Wild stammt aus der Davert. Die vier heimischen Jäger Klaus Frölich , Clemens Schulze Füchtling, Clemens Aussendorf und Franz Ahland haben es der Rinkeroder Senioren-Mensa gesponsert – „weil wir die Idee der Mensa einfach toll finden und auf diese Art und Weise die ehrenamtliche Einrichtung unterstützen wollen“, erklärt Klaus Frölich.

Vor acht Jahren hat Mechtild Pfumfel, einst Pfarrsekretärin in Rinkerode, den Mittagstisch ins Leben gerufen. Zunächst im alten Gasthaus Arning, vor etwa zwei Jahren erfolgte der Umzug ins Pfarrzentrum. Die Küche ist zwar etwas kleiner, der „Speisesaal“ dafür umso größer. Das Angebot hat sich fest im Kalender des Davertdorfes etabliert. Rund 60 Besucher sitzen jedes Mal erwartungsfroh an den liebevoll gedeckten Tischen. Die meisten sind Rinkeroder, manche kommen aber auch aus Drensteinfurt oder Ascheberg. Was es auf die Gabel gibt, erfahren sie stets erst am Tag selbst.

Aufwändige Vorbereitungen

Das zehnköpfige Helferteam hat schon tags zuvor fleißig in der Küche gewirbelt, um den Gästen ein schmackhaftes Essen auftischen zu können. „Die Vorbereitungen waren dieses Mal sehr aufwändig“, berichtet Pfumfel. Drei Stunden lang waren die Frauen allein damit beschäftigt, das Fleisch von Haut, Knochen und Muskeln zu befreien. Es ist erst das zweite Mal, dass ihnen Wild aus der Davert zur Verfügung gestellt worden ist. Erfahrung im Bewirten vieler Menschen hat Mechtild Pfumfel in den zurückliegenden Jahren ausreichend gesammelt. Und doch ist sie dieses Mal noch etwas angespannter als sonst, denn 80 Portionen Reh-Gulasch bereitet man auch nicht alle Tage zu.

Kaum ist das Tischgebet gesprochen, rollen die silbernen Servierwagen durch die Reihen, und Schüsseln landen auf den Tischen. „Ich komme regelmäßig. Der Termin ist alle zwei Wochen fest eingeplant“, sagt eine Besucherin und nimmt sich gleich noch einen Schlag Gulasch, das mit Pfifferlingen, Sahne, Preiselbeeren und Rotwein verfeinert wurde. Genussvolle Stille stellt sich ein. Allen schmeckt‘s.

Vorzüge von Wildfleisch

Über die besonderen Vorzüge von Wildfleisch weiß Jäger Klaus Frölich bestens Bescheid. „Es ist hochwertigstes Fleisch, weil die Tiere artgerecht gelebt haben – nämlich frei und draußen, ohne Zufütterung oder Medikamente“, erzählt der Rinkeroder. Auch dem Stress beim Transport sowie im Schlachthof seien die Tiere nicht ausgesetzt. Wildfleisch sei eiweißreich und zugleich fettarm und deshalb gesund. „Schweinefleisch zum Beispiel hat 35 bis 55 Prozent Fett, Wild hingegen nur ein bis fünf Prozent. Das ist sogar noch weniger als mageres weißes Fleisch wie Pute oder Huhn, das fünf bis 25 Prozent Fettgehalt aufweist“, hat er sich schlau gemacht.

Gleichwohl wüssten viele Menschen gar nicht, dass sie Wildbret direkt beim Jäger kaufen könnten. Darauf weist auch Mechtild Pfumfel die Mensa-Gäste an diesem Tag hin. Wer Interesse habe, könne sich bei Jagdaufseher Franz Ahland melden. Das werden bestimmt einige tun – die leeren Schüsseln und die lange Liste derer, die sich am Ende noch eine Portion zum Mitnehmen abpacken lassen, sprechen Bände.

Wenn die Mensa-Gäste sich dann so langsam auf den Heimweg machen, ist für das Team hinter den Kulissen aber noch lange nicht Schluss. Bis das Geschirr gespült, alle Tische sauber und auch die Räume einmal feucht gewischt sind, ist es schnell 15, 16 Uhr. Und erst am Abend probiert Mechtild Pfumfel dann selbst von dem Reh-Gulasch – wenn auch diese Senioren-Mensa wieder ein Erfolg gewesen und alle Anspannung verflogen ist. In zwei Wochen geht‘s dann weiter.

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