Drei Tagesmütter berichten
Nicht nur eine Notlösung

Walstedde -

Die Betreuung von Kindern unter zwei Jahren wird in Walstedde derzeit durch drei Tagesmütter sichergestellt. Sie berichten von ihrem Alltag, der Leidenschaft für ihren Beruf – aber auch von ihren Sorgen. Denn durch den geplanten Kita-Neubau sehen sie ihre Auslastung in Gefahr.

Samstag, 16.02.2019, 07:00 Uhr
Miriam Banse, Melanie Scharf-Fuhr und Janina Junker sind in Walstedde als Tagesmütter tätig. Die Planungen für eine neue Kita im Ort bereiten ihnen teils auch Sorge, denn die Frauen wissen nicht, wie sich dies auf ihre Auslastung auswirken wird.
Miriam Banse, Melanie Scharf-Fuhr und Janina Junker sind in Walstedde als Tagesmütter tätig. Die Planungen für eine neue Kita im Ort bereiten ihnen teils auch Sorge, denn die Frauen wissen nicht, wie sich dies auf ihre Auslastung auswirken wird. Foto: Simon Beckmann

Von winzigen Kinderhänden in die Höhe geworfenes Laub tanzt durch die Luft und bewegt sich rhythmisch mit dem Wind zu Boden. Unbeschwertes Kinderlachen durchdringt die Szenerie. Das Vereinsheim der Walstedder Fortuna – normalerweise ist hier vor allem vormittags „tote Hose“ – ist an diesem Morgen das Ziel der Tagesmütter Melanie Scharf-Fuhr , Miriam Banse und Janina Junker mit ihren Gruppen „Walstedder Wichtelhöhle“, „Miris Gartenzwerge“ und „Ninas kleine Eichhörnchen“.

Und die Steppkes – die meisten sind noch nicht einmal zwei Jahre alt – bringen ordentlich Leben an den Sportplatz. Lange im geräumigen Kinderwagen sitzen, der Platz für bis zu fünf Mädchen und Jungen bietet und natürlich passend zur Jahreszeit mit wärmenden Decken ausgestattet ist? Nicht mit den quirligen Unter-Zweijährigen. Schnell werden mit Hilfe der Tagesmütter die Schuhe angezogen – und los geht‘s: die Umgebung erkunden, rumtoben, gemeinsam Spaß haben.

Alles im Blick haben stets die drei Tagesmütter, denen schnell anzumerken ist, mit wie viel Elan und Leidenschaft sie ihren Beruf ausüben. „Ich liebe Kinder und die Arbeit mit ihnen“, bringt es Melanie Scharf-Fuhr auf den Punkt. Die 39-Jährige ist selbst Mutter von drei Kindern, hat früher als Rechtsanwaltsnotarangestellte im Büro gearbeitet, wurde aber immer unzufriedener und hat sich vor gut einem Jahr entschieden, Tagesmutter zu werden. Bereut hat sie diesen Schritt nicht, im Gegenteil. „Das Büro war mir auf Dauer zu langweilig“, blickt die Walstedderin zurück. „Jetzt bin ich glücklich.“

Ausbildung und Führungszeugnis

Um als Tagesmutter arbeiten zu dürfen, absolvierte sie eine rund 160-stündige Ausbildung beim Mütterzentrum in Beckum. Hinzu kamen ein Erste-Hilfe-Kursus und eine Hygienebelehrung. Auch ein polizeiliches Führungszeugnis musste die 39-Jährige vorlegen. „Zu der Ausbildung, die im Übrigen richtig gut war, gehörte ebenfalls eine Hospitation bei einer anderen Tagesmutter, in einer Großtagespflege oder in der U3-Gruppe einer Kita“, erzählt sie. Zudem stehen regelmäßig Fortbildungen und Wissensauffrischungen auf dem Plan.

Etwas länger zurück liegt die Qualifikation zur Tagesmutter bei Janina Junker und Miriam Banse. „Wir haben das damals in der Familienbildungsstätte in Ahlen gemacht und arbeiten nun bereits seit vier Jahren als Tagesmütter“, erklären sie. Für Banse hatte das mehrere Gründe. „Ich war früher selbst bei einer Tagesmutter“, erinnert sich die 34-Jährige. Außerdem sei sie, als sie ihre Ausbildung zur Reiseverkehrsfachfrau absolvierte, mit ihrer Tochter ebenfalls auf eine Tagesmutter angewiesen gewesen. „Sie hat mir aus der Patsche geholfen und tolle Arbeit geleistet. Dafür bin ich ihr bis heute dankbar“, sagt die Walstedderin, die noch während ihrer Ausbildung gemerkt hat, dass sie nicht in dieser Branche bleiben wollte. „Vor vier Jahren traf ich die Entscheidung, selbst Tagesmutter zu werden.“

Sein Zuhause öffnen

Für Janina Junker ist ihr Beruf ebenso zu einer Herzensangelegenheit geworden. „Die Arbeit mit Kindern macht einfach Spaß. Und man kann den Job und die eigene Familie total gut miteinander vereinbaren“, findet die 37-Jährige. Allerdings müsse man sich auch „ziemlich öffnen“. „Die Kinder kommen ja zu uns nach Hause“, erläutern die Frauen, die für die Mädchen und Jungen teilweise extra Spiel- und Schlafräume eingerichtet haben. „Auch das Wohnzimmer dient manchmal als Spielwiese für die Kids“, ergänzt Scharf-Fuhr.

Der Alltag sieht bei allen relativ ähnlich aus. Morgens zwischen 7.30 und 8.30 Uhr werden die Unter-Zweijährigen in die Gruppen gebracht. „Dann steht erstmal ein ordentliches Frühstück an“, schildert Junker. Im Normalfall geht es danach raus an die frische Luft. Wieder zurück im Haus, wird oft gemeinsam gekocht. „Die Kinder helfen immer gerne mit und belegen sich beispielsweise ihre Pizza selbst“, weiß Banse. Nach dem Essen steht der Mittagsschlaf auf dem Plan. „Im Anschluss gibt es manchmal noch einen Snack, und dann werden die Mädchen und Jungen auch schon wieder abgeholt“, so Scharf-Fuhr.

Team statt Konkurrenz

Ab und zu planen die Tagesmütter abwechslungsreiche Ausflüge, beispielsweise in den Zoo, in den Maxipark oder ins Schwimmbad. „Oft machen unsere drei Gruppen auch etwas gemeinsam“, erzählen die drei Walstedderinnen, die sich zudem ein Mal im Monat mit den anderen Tagesmüttern aus Drensteinfurt und Umgebung sowie mit ihrer Fachberaterin vom Kreis Warendorf, Kerstin Eibrink, treffen. „Wir sind keine Konkurrentinnen, sondern ein Team – quasi Kolleginnen. Wir tauschen Erfahrungen aus, haben großes Vertrauen zueinander und unterstützen uns gegenseitig. Das ist sehr wertvoll.“

Schade finden sie es, dass Tagesmüttern häufig nur wenig Wertschätzung entgegengebracht werde. „Wir werden oft nicht ernst genommen und nur als Übergangslösung gesehen. Nach dem Motto: Unser Kind bekommt keinen Platz im Kindergarten, dann müssen wir es zu einer Tagesmutter geben“, sagt Junker. „Dabei stecken wir viel Herzblut in unsere Arbeit“, betont Banse. „Wir können aufgrund der kleineren Gruppen gut auf jedes Kind eingehen und es individuell fördern“, beschreibt Scharf-Fuhr einen positiven Aspekt. Ein weiterer Vorteil bestehe für die Eltern darin, dass die Stundenzahlen individuell gebucht werden könnten.

Einen Nachteil sehen die drei Tagesmütter dagegen für sich selbst: „Finanziell gibt es leider keine Planungssicherheit. Man weiß nie, wie der Bedarf ist.“ Bisher war die Nachfrage nach Plätzen bei den Tagesmüttern sehr hoch. „Wir waren immer voll ausgelastet“, berichten die drei Walstedderinnen. Wie das in Zukunft aussieht, wissen die drei nicht: Durch den Bau der neuen Kitas sei es schwierig, den Überblick zu behalten. Ebenfalls würden sich Banse, Junker und Scharf-Fuhr mehr Transparenz bezüglich des geplanten zweiten Kindergartens im Lambertusdorf wünschen: „Wir haben nur die Infos aus der Zeitung. Wir machen uns um die zukünftige Belegung unserer Gruppen Sorgen.“

Betreuung von Unter-Zweijährigen

Im Walstedder Kindergarten St. Lambertus werden Mädchen und Jungen zwischen zwei und sechs Jahren aufgenommen. Die Betreuung von Unter-Zweijährigen wird im Ort über Tagesmütter sichergestellt. In der geplanten neuen Kita, deren Trägerschaft gerade an die Elterninitiative St. Georg in Kooperation mit Fortuna Walstedde vergeben worden ist, sollen auch Kinder unter zwei Jahren einen Platz bekommen. Gerne beantworten die Tagesmütter Fragen: Melanie Scharf-Fuhr, Tel. 01 52 / 31 76 55 01, Janina Junker, Tel. 01 51 / 54 73 29 81, Miriam Banse, Tel. 01 73 / 7 30 33 27, Kerstin Eibrink, Tel. 01 72 / 2 52 44 72

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