Mietunterstützung reicht oft nicht
8,35 Euro sind im Neubau die Regel

Drensteinfurt -

Mietwohnungen sind knapp und begehrt – auch in Drensteinfurt. Mit Folgen für die Mietpreise, die in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen sind und die sich heute im Durchschnitt zwischen 6,40 Euro und 8,35 Euro bewegen. Zu viel für Bezieher von Wohngeld und Unterstützungsleistungen.

Mittwoch, 13.03.2019, 23:53 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 00:00 Uhr
Vor allem im vergangenen Jahrzehnt wurde zu wenig bezahlbarer Wohnraum gebaut. Besonders „normale“ Mietwohnungen fehlen – auch in Drensteinfurt.
Vor allem im vergangenen Jahrzehnt wurde zu wenig bezahlbarer Wohnraum gebaut. Besonders „normale“ Mietwohnungen fehlen – auch in Drensteinfurt. Foto: dpa

Die Zahl lässt aufhorchen: Nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen GdW sind es rund 1,1 Millionen Wohnungen, die aktuell in Deutschland fehlen. Die Folgen sind mittlerweile nicht nur in Großstädten und Ballungsräumen spürbar, wo der Begriff „Mietpreisexplosion“ längst zum geflügelten Wort geworden ist. Auch auf dem Land sind Wohnungen Mangelware – und entsprechend teuer.

„Der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum ist in Drensteinfurt sehr hoch“, erklärt Carolin Zulka , Referentin von Bürgermeister Carsten Grawunder, auf Anfrage der WN . Demnach fehle es aktuell vor allem an kleinen und günstigen Wohnungen. Und das nicht nur für gut verdienende Singles oder Paare, sondern eben auch für Menschen, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind. Und von denen gibt es auch in der „Stadt der Top-Verdiener“ – in der landesweiten Einkommensstatistik gehört Drensteinfurt regelmäßig zu den „Top 30“ der insgesamt 396 Städte und Gemeinden – doch durchaus einige.

Abgesehen von den seitens des Jobcenters des Kreises Warendorf betreuten Empfängern von Hartz IV erhalten aktuell 112 Einwohner, die Hilfe zum Lebensunterhalt oder Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung beziehen, Unterstützung bei den Wohnungskosten. 59 weitere Bürger erhalten Wohngeld, und 117 Menschen haben Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerbergesetz. Von letzteren, so Zulka, beziehen aber nicht alle und manche nur teilweise Unterstützung, da einige mittlerweile selbst erwerbstätig sind.

„Im Jahr 2018 wurden den Hilfeempfängern nach dem Sozialgesetzbuch XII 207 033 Euro und den Hilfeempfängern nach dem Asylbewerberleistungsgesetz 84 500 Euro an Wohnungskosten als Bedarf gewährt“, erklärt Carolin Zulka. „Des Weiteren wurden im vergangenen Jahr rund 120 000 Euro an Wohngeld bewilligt.“ Stattliche Summen – aber reichen sie im Einzelfall aus, um eine Wohnung zu bezahlen?

Wie viel eine Wohnung für Bedürftige kosten darf, legt der Kreis Warendorf als zuständiger Träger der Sozialhilfe fest und passt die entsprechenden Werte alle drei Jahre an. Eine Überprüfung, so Zulka, werde aktuell durchgeführt. Und die scheint durchaus notwendig zu sein, wenn man die derzeit geltenden Richtwerte mit dem aktuellen Mietspiegel und dem entsprechenden Wohnungsangebot vergleicht.

Für eine hilfsbedürftige Person sieht der Kreis eine Wohnfläche von 50 Quadratmetern bei einem Quadratmeterpreis von derzeit 6,30 Euro Kaltmiete vor. Das ergibt eine monatliche Belastung von 315 Euro – ohne Heiz- und Betriebskosten. Für zwei Personen sieht die Richtwerttabelle eine Wohnfläche von 65 Quadratmetern mit einem (Kalt-)Mietpreis von 5,60 pro Quadratmeter vor. Für drei Personen sind es 80 Quadratmeter und 5,70 Euro, für vier Personen 95 Quadratmeter und 5,60 Euro und für fünf Personen 110 Quadratmeter und 5,30 Euro.

Dem gegenüber steht der tatsächliche Mietspiegel, den verschiedene Internetportale für eine Durchschnittswohnung in Drensteinfurt in etwa einheitlich mit aktuell 6,40 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter beziffern. Eine 65 Quadratmeter große Wohnung ist demnach im Durchschnitt nicht für 364 Euro, sondern erst für 416 Euro zu haben. Und eine 80 Quadratmeter große Wohnung kostet in Wirklichkeit nicht 456 Euro, sondern 512 Euro. „Kalt“ und nicht in einem Neubau, versteht sich. Denn für Wohnungen in letzt Genannten werden in Drensteinfurt aktuell im Durchschnitt etwa 8,35 Euro pro Quadratmeter verlangt. Das ergibt für die beiden besagten Musterwohnungen tatsächliche Kosten von 501 Euro (60 Quadratmeter) beziehungsweise 668 Euro (80 Quadratmeter), gleichfalls ohne Heiz- und Betriebskosten, die noch oben drauf kommen und die heute bekanntlich einen ganz erheblichen Anteil an den Gesamtkosten bilden.

Zusammengefasst: Außer in öffentlichen oder privaten und damit vergünstigten Sozialwohnungen ist Wohnraum für Empfänger von Unterstützungsleistungen gemäß der derzeit geltenden Fördersätze in Drensteinfurt kaum bis gar nicht zu finanzieren.

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