Stewwerter Kneipengeschichten
Töttchen und frisches Pils

Drensteinfurt -

Einst gab es von ihnen viele: Einen Einblick in die Drensteinfurter Kneipengeschichte gewährte der Heimatverein rund 80 interessierten Besuchern in der Alten Post.

Samstag, 06.04.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 08.04.2019, 10:24 Uhr
Und Prost: Das „Recherche-Team Kneipe“ des Heimatvereins hatte manche Anekdote zu berichten.
Und Prost: Das „Recherche-Team Kneipe“ des Heimatvereins hatte manche Anekdote zu berichten. Foto: Heimatverein

Am Mittwoch hatte der Heimatverein zu einem weiteren Abend zum Thema „Kneipenkultur in Stewwert“ in der Alten Post eingeladen – und mehr als 80 Interessierte waren gekommen.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Franz-Josef Naber stellte Heinz-Josef Voß zunächst das „Landhaus Eickendorf“, die einstige Gaststätte seiner Eltern Anne und Josef Voß, vor. Anne Voß, die bereits auf ihrem Heimathof Erfahrungen in einer Gaststätte gesammelt hatte, kümmerte sich in der Küche um die Speisen, während ihr Mann Josef als Wirt das Bier ausschenkte.

Viele Jahre war das „Landhaus Eickendorf“ eine Anlaufstelle für Jung und Alt, ob für Hochzeiten, Kommunionfeiern oder für andere Familienjubiläen. „Leider mussten die Eheleute Voß ihre Gaststätte im Jahr 1975 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben“, heißt es im Bericht des Heimatvereins. Neben vielen Anekdoten wurde ein Streich besonders erwähnt: Das Auto eines Gastes wurde vor der Gaststätte „aufgebockt“. Beim Verlassen der Gaststätte bemerkte er das jedoch nicht und wollte „durchstarten“. Die „Übeltäter“ standen natürlich hinter den Fensterscheiben und amüsierten sich köstlich.

„Zur Beemühle“

Ludger Wienkamp stellte danach die ehemalige Gaststätte „Zur Breemühle“ an der Sendenhorster Straße vor. Nach einer wechselvollen Entwicklung von der Getreidemühle zum Sägewerk entwickelten die Eigentümer Schwaag, Klaverkamp und Wessel den Betrieb zu einem leistungsstarken Unternehmen für Furniere und Baustoffe, berichtete Wienkamp. Gleichzeitig betrieb man eine Gaststätte, die nach der alten Flurbezeichnung „Breede“ und der dort ehemals gestandenen Windmühle den Namen „Zur Breemühle“ erhielt.

Zeitzeugen wie Maria Ottensmann, die als junges Mädchen dort eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert hatte, berichteten von berauschenden Tanzabenden und dem typisch westfälischen Humor der Gäste. Noch heute zeugten der intakte Kamin, die bunten Glasmalereien und das noch vorhandene Geschirr mit dem goldenen Namenszug „Zur Breemühle“ von der einst glanzvollen Geschichte der beliebten Gaststätte, so Wienkamp.

Kneipe der Paohlbürger

Heinz Töns präsentierte anschließend die im Zuge der Stadtsanierung abgebrochene Gaststätte „Volkmar“. Diese befand sich an der Wagenfeldstraße, und zwar am heutigen Standort des Friseurgeschäftes Diening. Als Stammkneipe der Stewwerter Paohlbürger war sie auch berühmt für das von Wirt Werner Volkmar selbst gefertigte Töttchen. Viele politische Themen – vom Protonenbeschleuniger über den geplanten Großflughafen bis hin zum „Münsterlandring“ – wurden dort umfassend diskutiert, und so endete mancher Frühschoppen in einem ausgiebigen Dämmerschoppen. „Politik muss nicht immer ganz trocken sein“, betonte Töns.

Kayser Hof“

Anfang der 1950-er Jahre wurde der „Kayser Hof“ von Gertrud und Alfred Kayser im Viehfeld erbaut, berichtete Paul Fels . Nach dem mehrmaligen Wechsel der Wirte übernahm Marlies Reidel im Jahr 2008 die kleine Kneipe an der Bürener Straße. Am 25. März vergangenen Jahres wurde aber auch dort das letzte Bier gezapft. „Der ,Kayser Hof‘ war immer eine Hochburg der örtlichen SPD und Treffpunkt der gesamten Nachbarschaft“, so Fels. „Alfred Kayser war weit über die Grenzen Drensteinfurts für seine halben Hähnchen bekannt.“

Bekannt war der „Kayser Hof“ aber auch bei den damaligen Maurern. Bei Frost konnten sie „Schlechtwettergeld“ beantragen. Ein Mal in der Woche war dann ein Mitarbeiter des Arbeitsamtes in der Gaststätte, um das Geld auszuahlen. „Wie praktisch“, so Fels. Viele Jahre wurde der „Kayser Hof“ auch als Wahllokal genutzt, in dem anschließend Sieg oder Niederlage kräftig gefeiert wurden. Heute zeugt nur noch eine große Baugrube von der Kneipe.

„Gasthaus Wiggermann“

Die ehemalige Gaststätte „Wiggermann“ in der Kurzen Straße stellte Paul Fels abschließend vor. Bekannt waren der Eigentümer Bum-Wiggermann und der Gastwirt Paul Havers. Schon kurz nach dem Krieg wurden dort wieder Karnevalsfeste gefeiert. Außerdem gab es eine eigene Thekenmannschaft.

„Das Besondere an der Gaststätte aber war, dass auf der Kegelbahn die Kegel noch mit der Hand aufgestellt werden mussten“, erklärte Fels. „Für viele Jugendlichen der Drensteinfurter Jugendgemeinschaft waren der Saal und die dortigen Veranstaltungen ein Teil ihrer unbekümmerten Jugend. Anfang der 1980-er Jahre wurden die Räumlichkeiten zu einem Ladengeschäft und zu Wohnungen umgebaut.“

Alte Fotos, die die Referenten mitgebracht hatten, sorgten bei den Gästen für manche Lacher – vor allem, wenn sie sich selbst im Bild wiederfanden. „Es kam schon ein wenig Wehmut auf, welch interessantes und abwechslungsreiches Kneipenleben einst in unserem schönen Städtchen Stewwert vorhanden war“, so der Heimatverein abschließend.

► Der nächste Abend zum Thema „Kneipenkultur“ findet am 16. Oktober um 19 Uhr in der Alten Post statt.

Zukunftsideen für die Gastronomie

Zu zwei Veranstaltungen zum Thema „Zukunftsideen für die Gastronomie in der Drensteinfurter Innenstadt“ laden Stadt und Citymanagement ein. Am Freitag, 3. Mai, gibt es für interessierte Bürger die Möglichkeit, sich ein Genossenschaftsmodell vor Ort anzuschauen. Im „WIRtshaus“ in Vreden, einer von der „Use Dorp, use Heimat eG“ geführten Gaststätte, werden die Mitglieder bei einem Kaltgetränk und Snacks Einblicke in ihre Gastronomie geben. Hierfür wird ein organisierter Bustransport angeboten. Die Fahrt ist kostenlos, eine Anmeldung ist erforderlich unter 0 25 08 / 99 54 44 oder per E-Mail an city@drensteinfurt.info. Die zweite Informationsveranstaltung findet am Mittwoch, 22. Mai, um 18.30 Uhr in der Alten Post statt. Als Gäste sind der Genossenschaftsverband „Verband der Regionen“ sowie Vertreter der „Gaststätte Franz eG“ aus Tecklenburg-Brochterbeck eingeladen, um über Theorie und Praxis zu berichten. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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