Drensteinfurter Tafel eröffnet
Persönliche Beratung inklusive

Drensteinfurt -

Es ist geschafft: Nach 16-monatiger Vorbereitung öffnete die Drensteinfurter Tafel am Dienstag erstmals ihre Pforten. Vorsitzender Stefan Gengenbacher schloss dabei mit Bürgermeister Carsten Grawunder symbolisch die Ausgabestelle an der Wagefeldstraße auf.

Dienstag, 16.04.2019, 22:58 Uhr aktualisiert: 16.04.2019, 23:00 Uhr
Jeweils dienstags steht ein vierköpfiges Helferteam bereit, um die Kundschaft zu versorgen.
Jeweils dienstags steht ein vierköpfiges Helferteam bereit, um die Kundschaft zu versorgen. Foto: Dietmar Jeschke

Als die Idee vor gut anderthalb Jahren geboren wurde, war Carsten Grawunder noch überaus skeptisch. „Ich habe nicht gedacht, dass wir so etwas in Drensteinfurt brauchen. Aber ich habe mich eines Besseren belehren lassen“, so der Bürgermeister. „In Drensteinfurt geht es den meisten Menschen gut. Aber wir verlieren diejenigen aus den Augen, denen es eben nicht gut geht.“ Ein kurzer Blick in den Warteraum des einstigen Textilgeschäftes und späteren Spielzeughandels an der Wagenfeldstraße sollte ihm am Dienstagmorgen Recht geben: Denn pünktlich zur ersten Ausgabe der Drensteinfurter „Tafel“ war dort nämlich erst einmal Geduld gefragt.

Wie „Tafel“-Vorsitzender Stefan Gengenbacher kurz zuvor in der kleinen Eröffnungszeremonie berichtet hatte, liegen durchaus arbeitsintensive Monate hinter den mittlerweile 43 Vereinsmitgliedern – auch wenn dies nach außen vielleicht längst nicht immer so wahrgenommen wurde. Denn: Viel Papierkram musste im stillen Kämmerlein erledigt werden. Vor allem, als es um die Baugenehmigung seitens des Kreises Warendorf ging, die nach einigen Beanstandungen und Nachbesserungen erst vor wenigen Tagen erteilt worden war. Der seit 16 Monaten geplanten Eröffnung stand damit nichts mehr im Wege.

Zwei Euro pro Kunde

„Wir sind froh, endlich einen Laden gefunden zu haben“, erklärte Stefan Gengenbacher. „Auch, wenn er schon ein wenig speziell ist.“ Denn dass die Lage an einer der Hauptinnenstadtstraßen für eine „Tafel“-Ausgabe nicht unbedingt optimal ist, ist allen Beteiligten durchaus bewusst. Zu groß, so die offen geäußerte Befürchtung, dürfte wohl bei manchem Bedürftigen die Scham sein, dort einkaufen zu gehen. Zu Unrecht, betonen die „Tafel“-Aktiven. Denn schließlich gibt es auch dort nichts umsonst. Wer sich mit Brot, Gemüse, Konserven, Nudeln und anderen Lebensmitteln eindecken möchte, der zahlt pro Einkauf – und zwar zwei Euro als Erwachsener und einen Euro als Kind. Der Familienbeitrag ist auf fünf Euro gedeckelt.

Kundenkarte ist erforderlich

Das „Shopping“ selbst ist klar geregelt. Wer in der „Tafel“ einkaufen möchte, muss sich zuvor registrieren. Dazu ist eine entsprechende Bescheinigung des Sozialamtes notwendig, die dokumentiert, dass es sich auch tatsächlich um eine hilfsbedürftige Person oder Familie handelt. Die Kundenkarten, die die Bedarfsgemeinschaften erhalten – derzeit sind es 41 mit insgesamt rund 100 Menschen – sind beim Besuch der Ausgabestelle vorzuzeigen. Danach geht es für die Kunden in den Ausgabebereich – und zwar einzeln. „Wir sind bemüht, individuell auf die Menschen einzugehen, etwa, wenn es um Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten geht“, betont Stefan Gengenbacher.

Hinter der Ladentheke aus Edelstahl kümmern sich am Dienstagvormittag derweil zwei „Tafel“-Mitarbeiterinnen um die erste Ausgabe. Zwei weitere Helfer sind für das Nachfüllen der Regale und für die Kasse zuständig. Ist ein Kunde versorgt, verlässt er durch den Hinterausgang die Ausgabestelle – und der nächste ist an der Reihe.

Zum Auftakt plant der „Tafel“-Vorstand zunächst zwei Ausgabetermine pro Woche – und zwar jeweils dienstags von 11 bis 13 Uhr sowie von 16 bis 18 Uhr. Sollte sich zeigen, dass die Zahl der Bedarfsgemeinschaften steigt, könnten diese Zeiten noch erweitert werden.

Eine Putzfrau haben wir nicht.

Petra Holler-Kracht

Während der Öffnungstage haben sich die Mitarbeiter jedoch nicht nur mit der eigentlichen Ausgabe zu beschäftigen. Denn schließlich müssen vorher die Regale gefüllt und später auch gereinigt werden. „Eine Putzfrau haben wir nicht. Das machen wir alles selbst“, schmunzelt Petra Holler-Kracht vom „Tafel“-Team.

Warten auf das E-Fahrzeug

Außerdem müssen die Lebensmittel zuvor ja erst einmal herangeschafft werden. Das erledigen die Aktiven bislang noch mit ihren privaten Autos, mit denen sie die Supermärkte in Drensteinfurt abfahren, um noch verzehrbare, aber für den Verkauf nicht mehr geeignete Waren einzusammeln. Das eigene Fahrzeug, betonte Stefan Gengenbacher, sei aber bereits bestellt – und zwar mit Elektroantrieb und Kühlaufbau. „Die ‚Tafel‘ hat beschlossen, auch hier Vorreiter zu sein“, erklärte der Vorsitzende mit Blick auf die aktuelle Klimaschutzdebatte.

Neben dem eigenen Fahrzeug fehlt es aber noch an weiteren Dingen. Vor allem weitere Kühlgeräte sind notwendig, da sie für die Lagerung von Milch- und sonstigen Frischeprodukten dringend benötigt werden. Die „Tafel“-Mitarbeiter hoffen, dass diese Geräte schnellst-möglich angeschafft werden können. „Wir haben bereits mehrere Anfragen an verschiedene Stiftungen gestellt“, so der Vorsitzende.

Weitere Unterstützer gesucht

Eine kleine Unterstützung gab es zur Eröffnung auch seitens der Stadt, hatten Bürgermeister Carsten Grawunder und Wirtschaftsförderin Ute Homann doch ein „typisch westfälisches Flachgeschenk“ im Gepäck. Weitere Fördermöglichkeiten gelte es auszuloten, erklärte Grawunder, der diesbezüglich auf die alljährlich gewährten freiwilligen Leistungen der Stadt an die örtlichen Vereine verwies. Eine weitere Möglichkeit sei zudem die Mitgliedschaft der Stadt im Verein „Drensteinfurter Tafel“. Vorschläge, über die aber zuerst die Politik zu entscheiden hat.

Ich war echt gebügelt.

Stefan Gengenbacher

Bis dahin hoffen die „Tafel“-Aktiven vor allem auf weitere Unterstützung aus der Bevölkerung. Wer selbst aktives Mitglied werden will, der ist mit einem Jahresbeitrag von 36 Euro dabei. Zudem sind Fördermitglieder willkommen, die alljährlich einen freiwilligen Beitrag spenden. Apropos „Spenden“: Mit dem Ergebnis der Aktion „Kaufe zwei – spende eins“, bei der die Helfer am Wochenende vor den Supermärkten um haltbare Lebensmittel gebeten hatten, zeigte sich Stefan Gengenbacher mehr als zufrieden. „Ich war echt gebügelt“, so der Vorsitzende mit Blick auf das randvoll gefüllte Regal. „Wir möchten allen Spendern, aber auch den Vereinen und den Gewerbetreibenden, die uns bislang auf vielfältige Art und Weise unterstützt haben, herzlichst danken.“

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