Stadtentwicklungskonzept
Walbert zieht um zum Kirchplatz

Drensteinfurt -

Nach dem Marktplatz gewinnt ein weiterer Baustein des Stadtentwicklungskonzepts an konkreten Konturen: Der kommunale Teil des Kirchplatzes soll neu gestaltet werden und künftig Platz für die bisher auf dem Markt aufgestellte Walbert-Statue bieten.

Dienstag, 14.05.2019, 23:59 Uhr aktualisiert: 15.05.2019, 02:10 Uhr
Im Sommer beliebt, aber trotzdem alles andere als ein „Schmuckstück“: Der Betonbrunnen auf dem Kirchplatz ist seit Langem marode. Im Zuge der Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes soll der Bereich umgestaltet werden und Platz für einen neuen „Walbert-Brunnen“ bieten.
Im Sommer beliebt, aber trotzdem alles andere als ein „Schmuckstück“: Der Betonbrunnen auf dem Kirchplatz ist seit Langem marode. Im Zuge der Umsetzung des Stadtentwicklungskonzeptes soll der Bereich umgestaltet werden und Platz für einen neuen „Walbert-Brunnen“ bieten. Foto: Dietmar Jeschke

Er versprüht den Charme der 1970-er Jahre, die bekanntlich als „Blütezeit der Betonmoderne“ galten. Heute ist man sich vielfach einig: schön ist etwas anderes. Das gilt auch für den Brunnen auf dem städtischen Areal des Kirchplatzes. Mit der Fortschreibung des „Integrierten Stadtentwicklungskonzepts“ – kurz „ISEK“ – ist sein Schicksal nun wohl endgültig besiegelt. Einstimmig sprachen sich die Mitglieder des Stadtentwicklungsausschusses am Montag dafür aus, für die Neugestaltung des kommunalen Kirchplatzareals entsprechende Fördermittel zu beantragen.

Wichtigste Bedingung, damit diese auch tatsächlich gewährt werden, ist, dass die Attraktivität des Brunnenareals für die Besucher gesteigert wird, betonte die Verwaltung in ihrer Vorlage. Bislang sei der Rand des Brunnens an warmen Sommertagen gerne als Sitzgelegenheit und nicht zuletzt auch als „Wasserspielplatz“ genutzt worden – wenn der Brunnen denn tatsächlich Wasser führte. Das war bekanntlich in den vergangenen Jahren aufgrund technischer Probleme und anhaltender Undichtigkeit längst nicht immer der Fall.

Die Pläne des Sendenhorster Büros Gnegel gehen von Kosten in Höhe von rund 350 000 Euro für die Neugestaltung der Fläche aus. Steigt die Bezirksregierung ein, müsste die Stadt davon 40 Prozent übernehmen. Den zentralen Bestandteil der Fläche soll die bis zum Baubeginn im Marktplatzbrunnen integrierte Walbert-Figur bilden, die an die erste urkundliche Erwähnung der Stadt im Jahr 851 erinnert. Und da das Walbert-Kunstwerk mit Blick auf die Darstellung der Querung der einstigen Wersefurt aus urheberrechtlichen Gründen zwingend mit dem Element Wasser verbunden ist, soll auch der neue Walbert-Standort am Kirchplatz brunnenähnlich gestaltet werden. Der Kirchplatz ist allerdings nur eine von mehreren „Baustellen“, die im Zuge der Fortschreibung des Stadtentwicklungskonzepts angegangenen werden sollen. Hier die Punkte im Überblick:

►  Kurze Straße: Dort sieht die Bezirksregierung auf Grund der geringen Straßenbreite und der notwendigen Parkflächen keine Fördermöglichkeiten, die im übrigen auch nur der Stadt, nicht aber den Anliegern zugute kämen. Da die Kurze Straße als reine Anliegerstraße eingestuft wird, müssten letztere nach bisheriger Rechtslage im Fall eines Neubaus 80 Prozent der Baukosten übernehmen.

►  Wagenfeldstraße: Mit 14 Geschäften und Büros wird sie als Hauptgeschäftsstraße klassifiziert. Das Hauptproblem: Die Straße ist nicht barrierefrei. Im Falle eines entsprechenden Ausbaus würden die Anlieger für etwa 75 Prozent der Kosten zur Kasse gebeten. Würde die Stadt für ihren 25-prozentigen Anteil Fördermittel in Anspruch nehmen, müssten die bislang etwa 20 Pkw-Stellplätze um die Hälfte reduziert werden. Das jedoch, räumt die Verwaltung ein, dürfte bei den Anliegern nur wenig Verständnis finden.

►  Mühlenstraße: Auch dort steht die Stadt vor der Wahl: Fördermittel oder Parkplätze. Wie Bauamtsleiter Christoph Britten erklärte, sollte nach aktueller Gesetzeslage auch da auf die Beantragung von Landesmitteln verzichtet werden, um die Gestaltungshoheit zu behalten. Um endgültig Klarheit zu erlangen – und um Anlieger vor möglicherweise horrenden Beiträgen zu bewahren –, soll zunächst die endgültige Entscheidung der Landesregierung über mögliche Änderungen am Kommunalabgabengesetz (KAG) abgewartet werden.

►  Schlossallee: Die Zufahrt zum Schlosspark und zum Haus Steinfurt stellt einen Sonderfall dar. Sie nämlich befindet sich nach wie vor in Privatbesitz. Wie die Verwaltung erläuterte, sehe die Bezirksregierung dort jedoch durchaus Gestaltungs- und Fördermöglichkeiten. Ein Ausbau würde aber kostspielig. Das Büro Gnegel rechnet mit etwa 1,85 Millionen Euro, wobei der Löwenanteil auf die Sanierung der Brücke (273 000 Euro) und die Natursteinpflasterung (893 000 Euro) entfallen würde. „In dem Fall, dass keine Beitragspflicht im Sinne des KAG besteht, müsste die Stadt den Eigenanteil in Höhe von 40 Prozent der Kosten – circa 740 000 Euro – aus Eigenmitteln finanzieren“, schilderte Britten. „Derart hohe Ausbaukosten sind, zumindest vor dem Hintergrund der geringen Länge und der Verkehrsfunktion der Schlossallee, als äußerst kritisch zu bewerten. Auch vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren noch zahlreiche andere Baumaßnahmen durchzuführen und zu finanzieren sind.“

Die Politik zeigte sich mit dem vorschlagenen „Fahrplan“ zufrieden, übte aber auch Detailkritik. So brachte Reinhard Weißen (Grüne) abermals eine mögliche Fahrtrichtungsänderung im Bereich von Kurzer Straße und Wagenfeldstraße ins Gespräch. „Ich will, dass die Schließung des Marktplatzes möglichst praktikabel ist“, so Weißen mit Blick auf Veranstaltungen wie das „Summer Feeling“ oder das Dreingaufest. Würde der Verkehrsfluss auf den genannten Straßen umgekehrt, wäre die Innenstadt selbst bei einer temporären Sperrung des Marktplatzes auch von der Hammer Straße aus weiter problemlos zu erreichen.

Inge Stude (SPD) bemängelt dagegen erneut die Parkplatzsituation, die – so der Fraktionsvorsitzende – „zu kurz gedacht ist“. Hier gelte es, alternative Konzepte zu entwickeln. Außerdem: „350 000 Euro für einen Brunnen, der schon da ist, kommen uns sehr viel vor“, so Stude mit Blick auf die geplanten Maßnahmen am Kirchplatz.

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