Mehrfamilienhäuser am Eickendorfer Weg
„Nein“ zum „Dreingau-Ghetto“

Drensteinfurt -

Die Pläne eines Investors zum Bau von mehreren Mehrfamilienhäusern nördliche des Eickendorfer Wegs sorgten bereits im September für Diskussionen. Nachdem nun bekannt wurde, dass die Bebauung noch umfangreicher werden soll, protestieren die Anlieger.

Freitag, 17.05.2019, 23:56 Uhr aktualisiert: 19.05.2019, 13:42 Uhr
Kahlschlag: Nur wenige Tage nach der ersten Planvorstellung hat der Investor die geplante Baufläche nördlich des Eickendorfer Weges roden lassen. Nun laufen die Anlieger Sturm gegen die aus ihrer Sicht viel zu dichte und unangepasste Bebauung.
Kahlschlag: Nur wenige Tage nach der ersten Planvorstellung hat der Investor die geplante Baufläche nördlich des Eickendorfer Weges roden lassen. Nun laufen die Anlieger Sturm gegen die aus ihrer Sicht viel zu dichte und unangepasste Bebauung. Foto: Dietmar Jeschke

Die Anwohner des Mehrwegs staunten nicht schlecht, als sie eines lauen Spätsommerabends nach Hause kamen – und mit einem Mal freien Blick in Richtung Schulzentrum hatten. Die dichte „grüne Wand“ aus Bäumen und Strauchwerk, die ihre Grundstücke von der Nachbarbebauung in Richtung Breede über Jahrzehnte hinweg getrennt hatte, war plötzlich verschwunden. Und das nur wenige Tage, nachdem das geplante Bauvorhaben zum „Dreingau-Quartier“ erstmals öffentlich vorgestellt worden war.

30 Wohnungen in vier Mehrfamilienhäusern, verteilt auf zwei bislang noch getrennte, aber unmittelbar angrenzende Grundstücke, auf denen noch ein Altbau am Eickendorfer Weg steht und bis vor kurzem eine seit längerem leerstehende Villa an der Breede gestanden hat: So lauteten die Eckdaten des am 10. September in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses präsentierten Entwurfs, den ein Investor nördlich des Eickendorfer Weges in die Tat umsetzen möchte. Zum mehrheitlichen Wohlwollen der Politik, die eine zentrumsnahe Nachverdichtung in Zeiten anhaltender Wohnungsnot überaus positiv bewertete.

Mittlerweile ist der vorgestellte Plan jedoch bereits wieder Geschichte. Aufatmen also bei den Anwohner? Im Gegenteil, denn wie den aktuell auf dem Internetportal der Stadt zu findenden Vorab-Entwürfen zu entnehmen ist, ist nicht mehr von vier, sondern von fünf Häusern die Rede, samt einer stattlichen Tiefgarage mit 50 Stellplätzen, die für nun 38 statt ursprünglich 30 Wohnungen ausreichen sollen. Als Bauform sieht der Architektenentwurf moderne, stilistisch recht einheitlich wirkende Baukörper mit zwei Vollgeschossen und einem so genannten Staffelgeschoss samt Flachdach vor. Gesamthöhe: maximal 9,60 Meter.

Bei den Anwohnern von Eickendorfer Weg, „Bangerens Kämpken“, Mehrweg und Breede sorgt die „wundersame Hausvermehrung“ nicht nur für Unmut, sondern auch für Angst und Ärger. Schon nach der Vorstellung der ursprünglichen Planung hatten sie mit Blick auf die zu erwartende Verkehrsbelastung ihre Bedenken geäußert. Am Donnerstagabend unterstrichen sie das noch einmal deutlich bei einem Ortstermin. Ihre Kritikpunkte im Überblick:

►  Baudichte : Bei 38 Wohneinheiten und einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,5 Personen würden auf der bislang lediglich mit zwei Häusern besiedelten Flächte künftig mindestens 95 Menschen leben, rechnet Anlieger Christian Emthaus vor. „Das wird kein ,Dreingau-Quartier‘, das wird ein ,Dreingau-Ghetto‘“, schallte es aus der Versammlung. Eine entsprechend enge Besiedlung passe schlichtweg nicht in die gewachsene Umgebung, die ausschließlich aus Ein- und Zweifamilienhäusern bestehe, so die Anwohner.

►  Bauform : Selbst Anlieger, die erst vor wenigen Jahren am „Bangerens Kämpken“ oder in Baulücken am Eickendorfer Weg einen Neubau errichtet hatten, mussten diesen entsprechend der Umgebungsbebauung gestalten. Konkret: Gebaut werden durfte nur in maximal anderthalbgeschossiger Bauweise mit Satteldach und Klinker. Warum, fragen sich die Anlieger, sollen nun plötzlich drei Vollgeschosse in Flachdachbauweise im gleichen Areal erlaubt sein? „Das Problem ist: Es handelt sich um drei Bewegungsebenen. Aus drei Stockwerken kann man 25 Nachbarn direkt in den Garten und in die Wohnungen schauen“, erläuterte Christian Emthaus. „Das ist nicht nur ein Eingriff in unsere Privatsphäre. Das bedeutet auch einen Wertverlust für unsere Grundstücke“, ergänzt eine Anwohnerin.

► Verkehr : Wie die verkehrstechnische Anbindung ohne erhebliche Belastung der Altanlieger funktionieren soll, ist den Anwohnern gleichfalls ein Rätsel. Einer schmalen Tiefgarageneinfahrt an dazu unübersichtlicher Stelle direkt neben seinem Grundstück am Eickendorfer Weg werde er jedenfalls niemals zustimmen, betonte Nachbar Torsten Tschöka. „Und wenn es bis vor das Oberverwaltungsgericht geht“, so der Anwohner. Ungelöst, so die Nachbarn weiter, sei ferner die Frage der Binnenerschließung. Denn wo sollen Gäste, Post, Paketdienste, Handwerker, Möbelwagen und Müllabfuhr angesichts der dichten Bebauung wohl anliefern, abholen oder parken?

►  Artenschutz: Das bis zum September locker bebaute, aber mit vielen Bäumen und Sträuchern bewachsene Areal war eine Heimat zahlreicher Tierarten, so der Tenor der unmittelbaren Anwohner. „Mittlerweile hört man keinen einzigen Vogel mehr singen“, sagte Torsten Tschöka. Und auch Fledermäuse, die sonst allabendlich ihre Jagdrunden in den anliegenden Gärten geflogen sind, seien mittlerweile nicht mehr zu sehen, ergänzte sein Nachbar Peter Saphörster.

► Wasser: Ein Kernproblem aller Anlieger entlang des Eickendorfer Weges ist der extrem hohe Grundwasserstand. Eine großformatige Tiefgarage, wie sie der Planentwurf vorsieht, sei ohne äußerst (energie-) aufwändiger Entwässerungstechnik gar nicht zu realisieren, so die Befürchtungen.

„Wir wollen keine Bebauung verhindern“, betonte Christian Emthaus abschließend. „Aber es ist ein Frage der Dichte.“ Er und seine Nachbarn hoffen nun auf einen Dialog mit Verwaltung und Politik, die sie gerne zum Ortstermin einladen möchten – auf bereits gerodeter Fläche. Politisch beraten werden dürfte die Angelegenheit wohl erst nach den Sommerferien.

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