70 Jahre Heimatverein
Die Zukunft fest im Blick

Drensteinfurt -

Mit einem Gottesdienst und der feierlichen Enthüllung des einzigartigen Doppelstadtmodells begann am Samstagnachmittag das große Fest zum 70-jährigen Bestehen des Heimatvereins.

Sonntag, 19.05.2019, 23:00 Uhr aktualisiert: 24.05.2019, 15:01 Uhr
Der große Moment: Im Beisein von Dr. Silke Eilers vom Westfälischen Heimatbund enthüllten die Heimatfreunde Günter Neuer, Günter Koch, Franz-Josef Naber und Bürgermeister Carsten Grawunder (v. li.) das einzigartige Doppelstadtmodell.
Der große Moment: Im Beisein von Dr. Silke Eilers vom Westfälischen Heimatbund enthüllten die Heimatfreunde Günter Neuer, Günter Koch, Franz-Josef Naber und Bürgermeister Carsten Grawunder (v. li.) das einzigartige Doppelstadtmodell. Foto: Linus Oberhoff

„Wird ein Verein 70 Jahre alt, kann man guten Gewissens von einem Traditionsverein sprechen“, verkündete Franz-Josef Naber , Vorsitzender des Heimatvereins. Der Verein, der sich über das Bewahren von Kultur, Sprache, Umwelt und eben auch von Traditionen definiert, feierte das 70-jährige Bestehen am Samstagabend im Schlosspark. Nach dem ökumenischen Wortgottesdienst mit dem Chor „conTakt“ am Nachmittag stand jedoch zunächst ein besonderes Ereignis auf dem Programm: die Enthüllung des Doppel-Stadtmodells vor der Alten Post, das den Stadtkern Drensteinfurts um 1800 und 2000 zeigt. Ein Moment, auf den der Schöpfer des Modells, Günter Koch, lange hingefiebert hatte. „Die Fertigung hat mir auch manche schlaflose Nacht bereitet“, gestand der Drensteinfurter.

Zur Umsetzung bedurfte es aber auch einiger weiterer hilfreicher Hände: Josef Reher hatte die Sockel gemauert. Um die Sandsteinplatte hatte sich Henny Westhues gekümmert. Die Stadt, das City-Management und die Sparkassenstiftung lieferten finanzielle Unterstützung. Und schließlich hat Josef Vollmer von der Kunstgießerei Anfang das Modell in Bronze gegossen.

Bürgermeister Carsten Grawunder , der gemeinsam mit Dr. Silke Eilers, der Geschäftsführerin des Westfälischen Heimatbundes, die Modelle enthüllte, war sichtlich begeistert und dankte Günter Koch für sein Engagement. Dass das Stadtmodell nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Anfassen ist, nutzten die Interessierten sofort: Bereits jetzt müssten auf den Dächern des bronzenen Stewwerts die Fingerabdrücke einiger Dutzend Drensteinfurter zu finden sein. „Den Kirchturm anzufassen, bringt Glück“, behauptete Grawunder scherzhaft und deutete auf die St.-Regina-Kirche, die in beiden Modellen gut zu erkennen ist. Die im Zuge der Enthüllung geäußerte Idee, eine lebensgroße Figur des Hirsches, die das Stadtwappen ziert, im Kreisverkehr aufzustellen, konnte Carsten Grawunder durchaus etwas abgewinnen.

Mit musikalischer Begleitung des Spielmannszuges „Grün-Weiß“ zogen die Heimatfreunde anschließend in den Schlosspark, um im Festzelt die eigentliche Feier mit rund 400 Gästen zu eröffnen. In seiner Ansprache verkündete Franz-Josef Naber, dass der Heimatverein seinen alten Zielen treu bleiben und dabei aber auch stets den Blick in die Zukunft richten werde. Denn: „Auch wir können uns vor dem demografischen Wandel nicht verstecken“, so Naber. Mit der Gründung einer Kinder- und Jugendgruppe sei ein erster wichtiger Schritt getan. Auch Bürgermeister Carsten Grawunder sprach von der Zukunftsorientierung des Vereins: „Dass der Heimatverein nicht nur aktuell, sondern seiner Zeit voraus ist, sieht man bereits an den Getränkekarten“, schmunzelte Grawunder, hatte sich auf den Hinweisern doch irrtümlich die Zahl 75 eingeschlichen. Zudem betonte Grawunder die Wichtigkeit eines „positiven Heimatbegriffs“.

Auch Festrednerin Dr. Silke Eilers beschäftigte sich intensiv mit dem Begriff „Heimat“. Ihrer Auffassung nach bestehe er aus drei Grundpfeilern: „Menschen, Kultur und Natur.“ Das Wort „Heimat“ dürfe allerdings keinesfalls als Vorwand für eine Abschottung oder Isolierung verwendet werden. „Auch Europa sollte als unsere gemeinsame Heimat verstanden werden“, sagte Eilers. Gerade im Hinblick auf das Erstarken anti-demokratischer Kräfte sei die Besinnung auf gemeinsame Grundwerte wichtig. Sich auch im kleinen Maßstab für eine freie, offene und zugleich traditionsbewusste Gesellschaft einzusetzen, mache Heimatvereine wie den in Drensteinfurt so wertvoll.

Nach dem gemeinsame Abendessen erwartete die Gäste schließlich ein Unterhaltungsprogramm, das Michael Sondermeyer mit seiner Zaubershow eröffnete. Anschließend präsentierte Willi Mussenbrock seine eigene Sicht auf den vielfach besprochenen Heimatbegriff. „Heimat ist da, wo ich im Dunkeln den Lichtschalter finde“, oder „da, wo sich das Smartphone automatisch mit dem WLAN verbindet“, scherzte Mussenbrock. Mit vielen lustigen Geschichten aus der Feuerwehr und dem Leben in Drensteinfurt umrahmte er sein persönliches Heimatverständnis und forderte die Zuhörer auf, die Geschichten aus ihrer Heimat am Leben zu erhalten und weiterzuerzählen. Beim gemeinschaftlichen Singen mit Heiner Eckervogt waren schließlich Gäste aufgefordert, mit anzustimmen. Die anschließende Theaterdarbietung stand schließlich ganz im Sinne der Kulturbewahrung. Die Protagonisten „Jans und Sophie“ stellten die berühmte Komödie „Dinner for One“ in einer plattdeutschen Variante dar. Bauchredner Egbert „Ette“ Brede verübte mit seiner Puppe „Lilly“ einen „heftigen Angriff auf die Lachmuskeln“ und bildete den Abschluss eines facettenreichen Programms, an dessen Ende eine Tanz-Disco stand.

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