Besuch von Hertha Salomons Tochter
Auf einer emotionalen Reise

Drensteinfurt -

Einen besonderen Gast konnte die Teamschule gestern willkommen heißen. Zum ersten Mal überhaupt besucht Yaffa Ashkenazi Stewwert. Sie ist die Tochter von Hertha Salomon, der einzigen Drensteinfurter Jüdin, die den Holocaust überlebt hat. Und die Schüler hatten viele Fragen.

Dienstag, 21.05.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 21.05.2019, 16:34 Uhr
Gemeinsam mit ihrem Mann Samuel ist Yaffa Ashkenazi (vorne Mitte) nach Drensteinfurt gekommen. In der Teamschule berichtete sie vom Schicksal ihrer Mutter Hertha Salomon.
Gemeinsam mit ihrem Mann Samuel ist Yaffa Ashkenazi (vorne Mitte) nach Drensteinfurt gekommen. In der Teamschule berichtete sie vom Schicksal ihrer Mutter Hertha Salomon. Foto: Nicole Evering

Sehr emotional sei diese Reise. Auch einige Tränen seien bereits geflossen, erzählte Yaffa Ashkenazi. Die Tochter von Hertha Salomon , der einzigen Drensteinfurter Jüdin, die den Holocaust überlebt hat, ist seit Freitag zu Besuch in Stewwert. Zum ersten Mal überhaupt ist sie gemeinsam mit ihrem Mann Samuel nach Deutschland gekommen. Gestern hatte der neunte Jahrgang der Teamschule Gelegenheit, ihr zuzuhören und Fragen zu stellen.

„Meine Mutter war in eurem Alter, als sie damals deportiert wurde“, wandte sich Yaffa Ashkenazi eingangs mit einem Appell direkt an die Schüler. „Ich möchte euch ihre und meine Geschichte erzählen, denn es ist wichtig, sich zu erinnern – damit ihr in der Zukunft bessere Entscheidungen trefft und gute Menschen werdet.“

Es ist eine Reise in ihre eigene Familiengeschichte, die Yaffa Ashkenazi derzeit unternimmt. Nur aus Erzählungen ihrer Mutter kannte sie deren Heimatland bislang. Das Land, aus dem die damals 17-jährige Hertha im Jahr 1941 in ein Arbeitslager nach Riga deportiert worden ist, um dort unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit zu verrichten. Sie hat die Tortur überlebt, kurz nach ihrer Befreiung in Fulda ihren späteren Ehemann, einen Rumänen, kennengelernt und mit ihm insgesamt sieben Kinder bekommen. 1949 ist die Familie nach Israel ausgewandert. Hertha Salomon, die nach ihrer Hochzeit Herschkowitsch hieß, hat Deutschland nie wieder betreten. 2002 starb sie mit 78 Jahren.

Stolpersteine in der Hammer Straße

Aber, so berichtete Yaffa Ashkenazi den Neuntklässlern im Forum der Teamschule, „sie hat den Deutschen vergeben können, nicht aber den Nazis“. Sie habe auch später noch Kontakt zu einigen Freunden von damals gehalten. Deshalb, so Ashkenazi, habe auch sie selbst keine negativen Gefühle Deutschland gegenüber. Vielmehr sei sie dankbar für die Möglichkeit, in Drensteinfurt zu sein und zu sehen, wo die Wurzeln ihrer Mutter liegen. Bei einem Stadtrundgang mit Pastor Walter Gröne hatte sie bereits die ehemalige Synagoge und auch den früheren Standort des Hauses, in dem die Familie einst lebte, besucht. Dort in der Hammer Straße erinnern heute drei Stolpersteine an die Familienmitglieder, die das Dritte Reich nicht überlebt haben.

Auch ihre Mutter hatte ein Leben lang mit den Folgen zu kämpfen, berichtete Yaffa Ashkenazi. Nicht unbedingt psychisch – „sie war eine sehr starke, optimistische Frau, die uns zu freundlichen und selbstbewussten Menschen erzogen hat“, erinnerte sich die Tochter, deren hebräischer Vorname Yaffa auf Deutsch „schön“ bedeutet, an ihre eigene Kindheit. Doch körperlich hatte die Zeit im Arbeitslager Spuren hinterlassen. Hertha Salomon habe immer wieder an mysteriösen Krankheiten gelitten, für die die Ärzte keine Erklärungen fanden. Die letzten 20 Jahre ihres Lebens sei sie bettlägerig gewesen. „Während des Winters hatte sie im Arbeitslager ohne Schuhe herumlaufen müssen. Sie hatte Erfrierungen an den Füßen und konnte im Alter nicht mehr richtig gehen“, ergänzte Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer, der geschichtliche Hintergründe zu den Erinnerungen von Yaffa Ashkenazi beitrug und deren Ausführungen im Wechsel mit Lehrer Heiko Schwarz ins Deutsche übersetzte.

Sie hat den Deutschen vergeben können, nicht aber den Nazis.

Yaffa Ashkenazi über ihre Mutter Hertha Salomon

Am Mittwoch wird die Tochter von Hertha Salomon ein zweites Mal in der Teamschule zu Gast sein. Dann dürfen die Zehntklässler ihrem bewegenden Bericht lauschen. Am heutigen Dienstag wird sie von Bürgermeister Carsten Grawunder, auf dessen Einladung hin sie überhaupt erst nach Deutschland gekommen ist, zum Frühstück in der Alten Post erwartet.

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