Bürgerinitiative besichtigt Modellprojekt
Gemeinsam für den Klimaschutz

Drensteinfurt -

Was kann vor Ort für den Klimaschutz getan werden? Das wollten die Bürgerinitiative gegen Gasbohren wissen - und machten sich auf zu einem Besuch der „Klimakommune Saerbeck“.

Montag, 27.05.2019, 23:00 Uhr
In Saerbeck besuchten die BIGG-Mitglieder unter anderem Bioenergiepark.
In Saerbeck besuchten die BIGG-Mitglieder unter anderem Bioenergiepark. Foto: Dieter Brinkmann

Vor zehn Jahren hatte die Gemeinde Saerbeck gemeinsam mit der Stadt Bocholt den Landeswettbewerb zum Thema „Klimakommune“ gewonnen. Seitdem gelten beide Städte für viele andere Kommunen im Land als Vorbilder in Sachen Klimaschutz. Was dort im einzelnen umgesetzt wurde, interessierte auch die Mitglieder der Drensteinfurter Bürgerinitiative gegen Gasbohren (BIGG). Im Rahmen einer Exkursion informierten sich 22 Mitglieder vor Ort über das Klimaschutzkonzept, mit dem es gelungen ist, den CO2-Ausstoß um ein erhebliches Maß zu reduzieren, obwohl die Gemeinde 400 Prozent des eigenen Strombedarfs erzeugt.

Zu Beginn des Besuchs erläuterte Energie- und Umweltingenieur Klaus Russel-Wells die Ausgangssituation und den anschließenden Entwicklungsprozess. „Er hob an Beispielen hervor, dass der Weg zur Energiewende vor allem eingeschlagen werden konnte, weil die Konzeptumsetzung zu einem Gemeinschaftsprojekt der Bürger wurde“, schreibt die Bürgerinitiative. „Von vornherein wurden unterschiedliche Personen, Gruppen und Institutionen Saerbecks in die Planung einbezogen. Die Bürgerschaft erlebte, dass sie ihre Ideen, Interessen und Kompetenzen einbringen konnte. Das sorgte für Transparenz und Motivation und stärkte den Wunsch, sich an der Entwicklung alternativer Energieformen zu beteiligen.“

Die Ergebnisse dieses Engagements sahen die Besucher während einer anschließenden Führung durch den Ortskern. Klaus Russell-Wells hob dabei auch die Beteiligung der Jugend hervor. So hatten etwa Schüler der Gesamtschule eine umfangreiche Befragung zum Energieverbrauch durchgeführt. „Diese Befragung stieß auf hohe Resonanz. Von ihr ging ein großer Impuls für die Energiewende aus“, so die BIGG.

Ein weiteres Leitprojekt in Saerbeck ist die „gläserne Heizzentrale“, die die öffentlichen Gebäude der Gemeinde ökologisch und ökonomisch günstig mit Energie versorgt.

Mit dem Bus ging es für die Besucher aus der Wersestadt schließlich in den Bioenergiepark, der auf dem ehemaligen Gelände eines Munitionsdepots der Bundeswehr angesiedelt ist. „Die Besichtigung des Parks war für alle sehr beeindruckend. Zunächst ging es in den Entsorgungshof und zum Kompostierwerk für den Kreis Steinfurt“, heißt es im Bericht der Bürgerinitiative weiter. „An der Größe des Geländes und am Ausmaß des Abfalls wurden die energetischen Herausforderungen, vor denen Kreise und Gemeinden heute mit Blick auf eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft stehen, sicht- und riechbar.“ Einen nachhaltigen Eindruck habe auch der Besuch des von der Gemeinde betriebenen Windrades sowie der Biogasanlage und der großen Photovoltaikanlage hinterlassen. Letztere war auf den 74 ehemaligen Munitionsbunkern des einstigen Militärstandortes errichtet worden.

„Dass auch die Erzeugung erneuerbarer Energie Schattenseiten hat, wurde ebenfalls diskutiert“, schildert die Bürgerinitiative. Gleichwohl habe Klaus Russel-Wells hervorgehoben, dass die (Energie-) Bilanz in Saerbeck positiv sei. Akzeptanz finde vor allem der Bioenergiepark – auch, weil es dort Beteiligungsmöglichkeiten für Bürger gebe. „Bei der Parkgründung bestand die Möglichkeit, sich als Mitglied der Bürgergenossenschaft am Photovoltaikpark und am Windrad zu beteiligen“, so die BIGG. Und auch indirekt profitierten die Bürger von dem durch das – seitens der Gemeinde betriebene – Windrad. Ferner hatten lokale Investoren die Möglichkeit, eine Biogasanlage und weitere Windräder zu errichten. Mit vielen Eindrücken und Ideen traten die Mitglieder der Bürgerinitiative schließlich den Heimweg an. Zwar sei allen Beteiligten klar, dass das Saerbecker Konzept nicht einfach übertragbar ist, denn dazu fehlten in Drensteinfurt allein vergleichbare Freiflächen. Gleichwohl will die Bürgerinitiative den Fragen nachgehen, wie sich die Energiebilanz in der Wersestadt darstellt, welche Potenziale es zur Energiegewinnung und Energieeinsparung gibt und welche Maßnahmen zur CO2-Reduktion ergriffen werden können. „Dazu laden wir alle Bürger der Gemeinde ein“, so die BIGG. „Mit einer Energiewende vor Ort gegen den Klimawandel zu arbeiten, ist eine Gemeinschaftsaufgabe, von der alle Bürger ökologisch und ökonomisch profitieren können.“

 

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