Serie „Leben und Arbeiten im Malteserstift“
Für Pflegekräfte ist Arbeit mehr Berufung als Beruf

Drensteinfurt -

Ihr Job ist körperlich und mental anstrengend, Abend- und Wochenenddienste gehören selbstverständlich auch dazu. Und trotzdem haben Martina Poker und Sandra Leismann ihren Traumberuf gefunden: als Pflegekräfte im Drensteinfurter Malteserstift St. Marien.

Samstag, 22.06.2019, 08:00 Uhr
Die Arbeit der Pflegekräfte Martina Poker (li.) und Sandra Leismann umfasst so viel mehr, als die Senioren bloß zu waschen und zu füttern. „Die Geschichten, die wir manchmal zu hören bekommen, sind spannender als jedes Buch“, sind für Leismann besonders die Gespräche wichtig.
Die Arbeit der Pflegekräfte Martina Poker (li.) und Sandra Leismann umfasst so viel mehr, als die Senioren bloß zu waschen und zu füttern. „Die Geschichten, die wir manchmal zu hören bekommen, sind spannender als jedes Buch“, sind für Leismann besonders die Gespräche wichtig. Foto: Nicole Evering

„Manchmal ist ein Gespräch so viel mehr wert als eine sch... Tablette.“ Martina Poker bringt auf den Punkt, um was es in ihrem Beruf in erster Linie geht: um Menschen. Um deren individuelle Bedürfnisse. Um ihre Stärken – und um ihre Schwächen, die im Alter wohl oder übel zunehmen. Körperlich und geistig.

Und es geht darum, den Senioren das Leben in ihrem neuen, meist letzten Zuhause so schön wie möglich zu machen. „Die meisten Bewohner wissen ganz genau, dass der Umzug hierher wohl ihr letzter sein wird.“ Eher die Angehörigen und oft auch die Mitarbeiter machten sich da manchmal noch etwas vor, weiß Pflegedienstleitung Agnes Junker . Sie ist für den Personaleinsatz in der Einrichtung verantwortlich. Wichtig ist für sie, dass sie auf ein Team zurückgreifen kann, das auch an schlechten Tagen funktioniert. Denn in einem Altenheim sind Tod und Abschied allgegenwärtig. Das geht auch an den Mitarbeitern nicht spurlos vorbei. „Da müssen auch mal fünf Minuten zum Durchschnaufen sein“, findet Martina Poker.

Sie gehört im Malteserstift St. Marien fast schon zum Inventar. Am 1. Oktober 1990 war ihr erster Arbeitstag, nachdem sie erst ein Praktikum, dann die einjährige Ausbildung zur Krankenpflegehelferin und schließlich die dreijährige zur Krankenschwester absolviert hatte. Zwischenzeitlich war sie Wohnbereichs- und stellvertretende Pflegedienstleitung. Mit einer halben Stelle ist sie derzeit noch im Stift beschäftigt.

Liebe und Fürsorge

Wenn die 54-Jährige von ihrem Alltag erzählt, dann merkt man ihr an, dass sie für die Arbeit mit den älteren Menschen brennt. Die Bewohner bloß zu „versorgen“, das ist nicht Pokers Verständnis vom Beruf einer Pflegefachkraft. „Wir tun so viel mehr als zu waschen und zu füttern. Eigentlich haben wir ein Dutzend Jobs: Wir sind Friseure, Putzfrauen, Haustechniker und Psychologen“, zählt sie mit einem Schmunzeln auf. Ihr Motto bei allem, was sie tut: „Behandele die Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst.“ Liebe und Fürsorge stünden dabei immer an erster Stelle.

Eine „Spätberufene“ ist Kollegin Sandra Leismann . Die gelernte Verwaltungsfachangestellte hat ihr gesamtes Arbeitsleben im Büro verbracht – doch damit war 2016 Schluss. „Ich habe gedacht: Irgendetwas muss sich ändern.“ Sie kündigte. Und wusste damals bloß: „Ich will kein Büro, kein Telefon und keinen Computer mehr sehen.“ Leismanns Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt bereits seit elf Jahren im Malteserstift. Hausleiterin Jeanette Möllmann bot ihr eine Stelle als Pflegeassistentin an. „Das war an einem Donnerstag. Am Montag und Dienstag habe ich zur Probe gearbeitet. Am Mittwoch habe ich meinen Vertrag unterschrieben. Und ich habe es keinen Tag bereut“, erzählt die 47-Jährige.

Ein Zahnrad greift ins andere

Fachkraft Martina Poker weiß ganz genau, wie wichtig die Unterstützung der Quereinsteiger ist. Von den insgesamt 50 Mitarbeitern in der Pflege – darunter viele Teilzeitkräfte und lediglich eine Handvoll Männer – ist gut die Hälfte examiniert. Sechs Auszubildende hat das Stift aktuell. In Zukunft sollen es acht sein, berichtet Agnes Junker. „Fachkräfte sind immer schwieriger zu bekommen. Deshalb sorgen wir selbst für unseren Nachwuchs.“ Und auch „hinter den Kulissen“ muss alles passen – in der Reinigung, in der Küche, in der Logistik. „Ein Zahnrad muss ins andere greifen. Denn wir alle wollen nur das Beste für die Bewohner“, meint Poker, für die ihre Arbeit vielmehr Berufung als bloß Beruf ist.

Herzlichkeit, Respekt und Einfühlungsvermögen seien nötig, um als Pfleger tätig zu sein. Und man darf keinen Ekel, etwa beim Waschen eines Fremden, empfinden. „Es ist nicht immer schön, was man da alles wegmachen muss“, gibt Agnes Junker zu. Solche Eigenschaften müsse man mitbringen. Das nötige Fachwissen könne sich jeder aneignen.

Behandele die Menschen so, wie du selbst behandelt werden willst.

Pflegefachkraft Martina Poker

„Man bekommt so viel Dankbarkeit zurück“, beschreiben Poker und Leismann einmütig, warum sie ihren Traumberuf gefunden haben. Für den aber auch das eigene Umfeld Verständnis aufbringen muss. Denn das Leben im Stift endet eben nicht um 17 Uhr.

Und auch der ungeliebte „Papierkram“ gehört dazu. Denn es ist für den Pfleger in der nächsten Schicht wichtig zu wissen, wie viel der Bewohner getrunken und auf welcher Seite er zuletzt gelegen hat. Die Dokumentation sei seit Einführung der Pflegeversicherung Mitte der 1990-er Jahre mehr geworden, blickt Martina Poker zurück. Dennoch: „Ich kann mir keinen anderen Beruf vorstellen.“ Und Sandra Leismann ergänzt: „Schade, dass ich ihn für mich nicht schon viel eher gefunden habe.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6710481?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F127%2F
Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Fußball: 3. Liga: Punkteteilung gegen Uerdingen: Preußen bleiben im eigenen Rund ungeschlagen
Nachrichten-Ticker