Nester-Beseitigung erforderlich
Eichenprozessionsspinner sorgt für Kirchenschließung

Drensteinfurt/Emsdetten/Dortmund -

Weil vor der Martinskirche in Dreinsteinfurt zwei Eichen stehen, die – wie sollte es anders sein – vom Ei­chen­prozes­sions­spinner befallen sind, hat die evangelische Mirjam-Gemeinde jetzt die vorläufige Schließung des Gotteshauses angeordnet. Alle Gottesdienste werden nach Ascheberg verlegt, erklärte Pfarrerin Angelika Ludwig nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt und der Su­perintendentur.

Mittwoch, 26.06.2019, 06:45 Uhr aktualisiert: 26.06.2019, 07:12 Uhr
Ausgelagert nach Ascheberg: Die Martinskirche in Drensteinfurt ist vorerst dicht. Vor dem Gotteshaus stehen zwei Eichen, die vom Eichenprozessionsspinner bevölkert sind.
Ausgelagert nach Ascheberg: Die Martinskirche in Drensteinfurt ist vorerst dicht. Vor dem Gotteshaus stehen zwei Eichen, die vom Eichenprozessionsspinner bevölkert sind. Foto: Nicole Evering

Die Kirche bleibt zunächst bis Mitte Juli geschlossen. Erst dann hat ein Fachunternehmen einen Termin zur Beseitigung der Nester frei. Die Gemeindegruppen sollen ihre Aktivitäten bis dahin ausfallen lassen – oder sich andere Räumlichkeiten suchen. Als Grundstücks­­­ei­gentümerin ist die Kirchengemeinde wie jede andere Privatperson auch auf ihrem Grundstück für die Verkehrssicherungspflicht und damit die Entfernung der Raupen zuständig.

Die derzeit millionenfach umherfliegenden Haare der kleinen Tierchen sind giftig und können zu Atemnot, Hautreizungen und im schlimmsten Fall zu allergischen Schocks führen.

Plastiklaub als Alternative 

Vor dem Hintergrund der Plage plant die Emsdettener Kolpingschützengilde radikale Maßnahmen. Statt des traditionellen Eichenlaubs könnte dort schon bald Plastiklaub die Kaiser- und Königsstühle zieren. „Wir denken darüber nach, welche Alternativen infrage kommen“, bestätigt Jörg Möller, Leiter der AG Gilde. Man könne aktuell keinem Schützenbruder zumuten, in die Büsche zu gehen und Ei­chenlaub abzuschneiden. „Ob es tatsächlich Plastiklaub wird, prüfen wir gerade. Das ist ja auch ein Kostenfaktor. Aber auf jeden Fall möchten wir eine Alternative finden“, betont er.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

In Dortmund war aus dem gleichem Grund das Freibad Stockheide zweieinhalb Wochen lang gesperrt. Am Dienstag teilte die Stadt mit, dass das Freibad nun am Mittwoch wieder geöffnet werde. Einer der beiden Eingänge bleibt allerdings weiterhin gesperrt. Im angrenzenden Hoeschpark waren Anfang Juni zahlreiche Nester entdeckt worden. Park und Schwimmbad waren daraufhin aus Sicherheitsgründen gesperrt worden. Weiterhin würden Bäume mit Hochdruck von einer Fachfirma abgesaugt, berichtete die Stadt.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke
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