Zu niedrige Bahnsteige
Kosten gehen durch die Decke

Drensteinfurt -

Der Ärger um die für Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen viel zu niedrigen Bahnsteige geht weiter. Wie die Verwaltung im Stadtentwicklungsausschuss mitteilte, liegt der Planungsauftrag vorerst „auf Eis“, nachdem die Bahn immer neue Gutachten gefordert hat.

Donnerstag, 27.06.2019, 22:53 Uhr aktualisiert: 28.06.2019, 15:16 Uhr
Für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen sind die Bahnsteige im Stadtgebiet nach wie vor eine oft unüberwindbare Hürde. Eine Änderung ist trotz jahrelanger Bemühungen auch weiterhin nicht in Sicht.
Für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte und Eltern mit Kinderwagen sind die Bahnsteige im Stadtgebiet nach wie vor eine oft unüberwindbare Hürde. Eine Änderung ist trotz jahrelanger Bemühungen auch weiterhin nicht in Sicht. Foto: Dietmar Jeschke

Aus 26 000 Euro wurden schnell 57 000 Euro. Und die stiegen bis zur angedachten Auftragsvergabe für die Planungen zur Erhöhung der städtischen Bahnsteige noch einmal auf 97 000 Euro, um nach weiteren Nachforderungen nun die stolze Summe von 140 000 Euro erreicht zu haben. Kurz: ein Anstieg von rund 440 Prozent, und zwar pro Haltepunkt, was eine Gesamtsumme von 420 000 Euro für die drei städtischen Bahnhöhe ergibt. Wohlgemerkt: Die Rede ist nicht etwa von Bau-, sondern von reinen Planungskosten.

„Diese Entwicklung hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, erklärte Bürgermeister Carsten Grawunder , der nach einer entsprechenden Anfrage in der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses abermals zum Thema Stellung zu beziehen hatte – ohne dabei erfreuliche Neuigkeiten präsentieren zu können. Im Gegenteil, stockt das Planverfahren wegen „immer neuer Forderungen der Bahn“ doch nach wie vor. Änderung? Nicht in Sicht.

Grund dafür ist die Tatsache, dass die Bahn die Haltepunkte in Drensteinfurt bislang weder in ihre „Modernisierungsoffensive“ aufgenommen, noch ein entsprechendes „Projekt“ zum Abschluss einer Planungsvereinbarung mit der Stadt ins Leben gerufen hat. „Die Bahn ist im Moment aus personellen Gründen nicht in der Lage, eine Planungsvereinbarung abzuschließen“, erläuterte Bauamtsleiter Christoph Britten in der Vorlage zur Sitzung. „Das ist frühestens in zwei bis drei Jahren möglich, wenn laufende Projekte umgesetzt worden sind.“

Die Stadt selbst, betonte die Verwaltung, habe in den vergangenen Jahren bereits alles versucht, um den berühmten „Stein“ trotz der hohen Hürden ins Rollen zu bringen. Samt der Bereitschaft, die ersten Planungsschritte gegen eine 80-prozentige Förderung vom ZVM selbst einzuleiten. Mit dem Ergebnis der eingangs geschilderten Kostenexplosion. Nachdem bereits die Verpflichtung des Büros Spettmann und Kahr zu einem Anstieg der erwarteten Kosten von 170 000 auf 292 000 Euro geführt hatte, sorgte die Bahn wenig später für weitere unangenehme Überraschungen. So soll nun auch ein Lärmgutachten für die Zeit der Bauarbeiten auf den Tisch. Außerdem sei eine Vorplanung für eine mögliche Bahnsteigverlängerung von derzeit 185 auf 225 Meter zu leisten. „Dafür ist unter Umständen ein Artenschutzgutachten vorzulegen“, so Christoph Britten. „Schließlich wurde festgestellt, dass bei der Bahn für den Streckenabschnitt, in dem der Haltepunkt Drensteinfurt liegt, keine Vermessungsdaten hinsichtlich der genauen Gleislage vorliegen. Die Angabe der Höhe der Gleise ist aber nötig, um die genaue Höhe der Bahnsteige festzulegen.“ Alles in allem also zusätzliche Kosten von rund 130 000 Euro, die – so die Verwaltung – nicht von der Bahn getragen werden. Die Stadt müsste also summa summarum Planungskosten von 186 000 Euro aus eigener Tasche finanzieren. Und das bei einem nach wie vor vollkommen ungewissen Realisierungsdatum, da es eben immer noch kein Bahn-Projekt mit Namen „Drensteinfurt“ gibt. „Nach den Aussagen der Bahn hinsichtlich der zeitlichen Realisierung des Projektes habe ich den Planungsauftrag zunächst ruhend gestellt“, erläutert der Bauamtsleiter.

„Es geht nicht einen Schritt weiter“, zeigte sich CDU-Fraktionsvorsitzender Heinz Töns durchaus „angefressen“ vom anhaltenden Stillstand. „Man sollte einfach mal überlegen, ob man nicht Klage einreicht.“ Empörung gibt es auch auf Seiten der Grünen: „Das Verhalten der Bahn ist eine Zumutung“, erklärte Fraktionsvorsitzende Maria Tölle.

Einer von Andreas Kurzhals (FDP) ins Spiel gebrachten „kleinen Lösung“ in Form provisorischer Rampen oder ähnlicher Maßnahmen erteilte die Verwaltung nicht nur aus praktischen Gründen eine Abfuhr. Denn: „Die Zuständigkeit der Kommune endet an der Bahnsteiggrenze“, schilderte Britten.

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