Andreas Decker trifft „Neuverwandten“ und Altpräsidenten
Bewegte Familiengeschichte

Drensteinfurt -

Auf Geschenke hatte Andreas Decker verzichtet. Stattdessen wünschte er sich zu seinem Geburtstag Spenden für die Sanierung der Nikolaikirche in Dresden. Zum Dank dafür wurde er nun eingeladen – und traf mit Altbundespräsident Joachim Gauck den Schirmherrn der Aktion.

Mittwoch, 03.07.2019, 23:52 Uhr aktualisiert: 04.07.2019, 02:00 Uhr
Am Rande der Glockenweihe traf Andreas Decker Altbundespräsident und Schirmherr Joachim Gauck. In Drensteinfurt hatte Decker wenige Wochen zuvor gemeinsam mit seiner Frau Christina ihren „Neuverwandten“ Henri Veit begrüßt (kl. Bild).
Am Rande der Glockenweihe traf Andreas Decker Altbundespräsident und Schirmherr Joachim Gauck. In Drensteinfurt hatte Decker wenige Wochen zuvor gemeinsam mit seiner Frau Christina ihren „Neuverwandten“ Henri Veit begrüßt (kl. Bild). Foto: Decker

Geschenke? Nein, auf die verzichtete Andreas Decker zu seinem 50. Geburtstag gerne. Stattdessen hatte er seine Gäste um Spenden gebeten – und zwar für die Renovierung des Glockenstuhles der Leipziger Nikolaikirche. „Dabei war mir aber nicht bewusst, dass ich fast 100 Jahre nach der Auswanderung meiner Großeltern aus Leipzig nach Bolivien unserem ehemaligen Staatsoberhaupt die bewegende deutsch-deutsche Trennungsgeschichte der Familie Decker schildern durfte“, berichtet der Drensteinfurter.

Wie Andreas Decker schildert, lebten seine Großeltern einst in Leipzig-Gohlis, bis sie 1921 nach Bolivien ausgewandert sind. Dort kamen schließlich auch Deckers Vater und Tante zur Welt.

Nach dem Tod des Großvaters im Jahr 1958 sind Großmutter und Vater schließlich nach Westfalen übergesiedelt. „Meine Tante hatte einen Lehrer – gebürtig aus Ahlen-Vorhelm – der Deutschen Schule in La Paz geheiratet und ist in Südamerika geblieben, so dass meine Cousine und meine Cousins in Bolivien und Mexiko geboren wurden. Später ist dieser Teil der Familie zeitweise nach Warendorf gezogen, weil mein Onkel Schulleiter in Freckenhorst wurde“, schildert Decker.

Schon als Kind habe er seine Großmutter mehrfach auf Reisen in ihre alte Heimatstadt Leipzig begleitet. Später schließlich habe er mit großem Respekt den mutigen Einsatz der Leipziger DDR-Bürger im Kampf für Freiheit und Demokratie verfolgt. „Letztlich ist der Funke der Revolution durch die Friedensgebete in der Nikolaikirche entfacht worden“, schildert der Drensteinfurter, der als Verwaltungsreferent in der St.- Pankratius-Gemeinde in Ahlen-Vorhelm tätig ist. Ein symbolbehaftetes Gotteshaus also, für dessen Erhalt er – auch mit Blick auf die eigene Familiengeschichte – einen Beitrag leisten wollte. Und dazu war der „runde“ Geburtstag ein willkommener Anlass.

Dass er nun am vergangenen Wochenende persönlich bei der offiziellen Glockenweihe in Leipzig dabei sein würde, hatte Decker bei der Feier seines „50.“ aber noch nicht geahnt. „Daher habe ich mich kürzlich unheimlich gefreut, vom Pfarrbüro der Nikolaikirche eine persönliche Einladung für die Glockenweihe zu erhalten“, so der Drensteinfurter. „Eine Ehrung der Spender sollte durch den Schirmherrn der gesamten Maßnahme, Bundespräsident a. D. Joachim Gauck , erfolgen.“

Die Freude bei Andreas Decker war also groß – zumal er erst vor wenigen Monaten im Rahmen einer Erbschaftsangelegenheit vom Nachlassgericht erfahren hatte, dass er mit der Familie Veit tatsächlich noch Verwandte in Leipzig hat. „Das erste Treffen vor einigen Wochen in Drensteinfurt war für meinen ‚neuen‘ Großcousin Henri Veit, meine Ehefrau Christina und natürlich für mich ein emotionaler Moment“, so Decker. „Dabei wurde auch deutlich, dass unsere Familiengeschichte sehr eng verbunden ist mit der deutschen Geschichte. Die uns bislang unbekannten Familienangehörigen mussten sowohl im Dritten Reich als auch während der SED-Diktatur Repressalien erleiden.“ So sei der Vater seines Großcousins durch Kollegen denunziert worden, in Stasi-Haft gekommen und letztlich als politischer Häftling von der Bundesrepublik Deutschland freigekauft worden. „Dies bedeutete allerdings die Trennung von seiner Ehefrau und den beiden Kindern für viele Jahre“, so Decker. „Genau diese bewegende Geschichte habe ich Joachim Gauck schriftlich geschildert – inklusive der Aufzeichnungen des Vaters meines Großcousins aus dem Stasi-Gefängnis.“

Erstaunt war Andreas Decker, als innerhalb von nur zwei Tagen eine Antwort der persönlichen Referentin Joachim Gaucks in seinem Briefkasten lag – samt einer Einladung zum Gespräch am Rande der Glockenweihe. Und so traf Decker den Altbundespräsidenten schließlich am Wochenende in der Stadt seiner Vorfahren. Gesprochen wurde dabei nicht nur über die bewegte Familiengeschichte der Deckers, sondern auch über Gaucks neues Buch, das sich der Drensteinfurter bei der Gelegenheit gleich persönlich signieren ließ.

Für Andreas Decker, der über viele Jahre aktives Mitglied der Jungen Union war, war es übrigens nicht das erste „Präsidenten-Meeting“. Bereits im Jahr 2009 durfte er mit Unterstützung der Westfälischen Nachrichten an der sogenannten „Tafel der Demokratie“ mit dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler teilnehmen und mit ihm einige Worte wechseln.

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