Anlieger im Adenauer-Gebiet klagen über zu schnelle Fahrweise
Mit Tempo 20 durch die Spielstraße

Drensteinfurt -

Im Adenauer-Gebiet gilt Schrittgeschwindigkeit. Doch daran – so die Anlieger – halten sich die meisten Autofahrer nicht.

Mittwoch, 10.07.2019, 08:00 Uhr
Der Verkehr in der Spielstraße hat deutlich zugenommen, sagen die Anwohner. Außerdem werde oft viel zu schnell gefahren.
Der Verkehr in der Spielstraße hat deutlich zugenommen, sagen die Anwohner. Außerdem werde oft viel zu schnell gefahren. Foto: Nicole Evering

„Die Durchschnittsgeschwindigkeit betrug lediglich 21 km/h.“ Dieser Satz in einem Schreiben von Landrat Dr. Olaf Gericke stieß Frank Minkenberg sauer auf. Klar, 21 Stundenkilometer sind für ein Auto nicht schnell. In einem verkehrsberuhigten Bereich, und dabei handelt es sich bei der Straße „An der Pferdebahn“ im Adenauer-Viertel, ist das aber doch ein hoher Wert. Deshalb hat Minkenberg nun den Schritt an die Öffentlichkeit gewählt, denn mit der Antwort der Kreisverwaltung will er sich nicht zufrieden geben.

Seit 2005 wohnt die Familie gleich am Anfang der Spielstraße. „Der Verkehr hat in dieser Zeit deutlich zugenommen. Und es wird immer schneller gefahren“, das haben nicht nur der zweifache Vater und seine Ehefrau Barbara beobachtet. Auch mit einigen Nachbarn hat er sich über dieses Thema schon häufig ausgetauscht.

Im Frühjahr hat Frank Minkenberg sich an die Kreisverwaltung gewandt. Dort hatte er Landrat Dr. Olaf Gericke, der auch Chef der Kreispolizei ist, am Apparat. Der sicherte nach Minkenbergs Schilderungen eine verdeckte Messung zu – die auch etwa einen Monat später durchgeführt wurde. Mitte Juni flatterte besagtes Schreiben ins Haus. Tenor: Das durchschnittliche Tempo liege zwar über der geforderten Schrittgeschwindigkeit, entspreche jedoch dem allgemein in verkehrsberuhigten Bereichen festzustellenden Niveau. Weitergehende Kontrollen seien nicht geplant. Nun fragt sich Frank Minkenberg: „Darf man jetzt zu schnell fahren, weil es eh alle machen? Und muss erst etwas passieren, bevor jemand aktiv wird?“.

Ein weiterer Umstand ruft bei der Familie Unverständnis hervor. „Die Messung wurde über den 1. Mai, einen Feiertag, durchgeführt und ist deshalb doch überhaupt nicht repräsentativ“, findet der Anlieger. Das erhöhte Verkehrsaufkommen – laut Kreis wurden bei der verdeckten Messung 1896 Fahrzeuge und Radfahrer erfasst – führt er insbesondere auf Lieferanten und Paketzusteller zurück. Doch auch der Durchgangsverkehr in Richtung Baugebiet „Berthas Halde“ habe zugenommen. „Manche Straßen weisen schon richtige Mulden auf. Es stellt sich auch die Frage, was das für uns eines Tages in Sachen Straßenbaubeiträge zu bedeuten hätte“, wirft Minkenberg einen Blick in die Zukunft. Denn eigentlich sei die „Pferdebahn“ doch eine Anlieger-, und keine Haupterschließungsstraße.

Dass verkehrsberuhigte Bereiche eher als „unfallunauffällig“ gelten, auch wenn die Schrittgeschwindigkeit nicht immer eingehalten werde, betont Kreissprecher Thomas Fromme auf WN-Anfrage. Weitere Kontrollen seien dort gar nicht zulässig. Denn der Kreis dürfe nur an Gefahrenstellen die Geschwindigkeit überwachen. Kontrollen in geschwindigkeitsbeschränkten Zonen dürften nur vorgenommen werden, wenn sich dort etwa Unfälle häufen würden.

Fromme unterstreicht zudem, dass die verdeckte Messung vom 29. April bis zum 2. Mai stattgefunden und somit neben dem Feiertag auch zwei „normale“ Werktage umfasst habe. Der Verkehr bestehe zum überwiegenden Teil aus Anwohnern, Besuchern und Lieferanten. „Hier wäre aus eigenem Interesse eine Selbstverpflichtung der Anlieger und gegebenenfalls eine gegenseitige ‚soziale Kontrolle‘ zur Einhaltung einer geringen Geschwindigkeit wünschenswert“, teilt Fromme mit. Auch bauliche Maßnahmen wie etwa Fahrbahneinengungen könnten für eine höhere Akzeptanz der Schrittgeschwindigkeit sorgen. Für solche wäre dann allerdings die Stadt zuständig.

„Die Straße ,An der Pferdebahn‘ ist meiner Meinung nach aktuell als Anliegerstraße einzustufen, nicht zuletzt, weil sie als verkehrsberuhigter Bereich, sprich als Mischverkehrsfläche, ausgebaut ist“, erklärt der städtische Bauamtsleiter Christoph Britten auf WN-Anfrage. „Eine Anliegerstraße erschließt per Definition die direkt an sie angrenzenden Baugrundstücke und die abgehenden Stichwege. Diesen Sachverhalt sehe ich ,An der Pferdebahn‘ als gegeben an.“

Die Straße sei als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen worden, um den Durchgangsverkehr in Richtung des Baugebietes Berthas Halde zu verhindern, so Britten weiter. Die eigentliche Erschließung des Baugebietes Berthas Halde erfolge über die Riether Straße und den Efeuweg. „Dort ist die zulässige Höchstgeschwindigkeit jeweils auch 30 km/h begrenzt“, so der Bauamtsleiter. Da man von der Straße „An der Pferdebahn“ nur auf den Lindenweg komme und der Lindenweg in nördlicher Richtung vom Baugebiet Berthas Halde abgekoppelt ist, müssten Verkehrsteilnehmer von der Straße „An der Pferdebahn“ kommend über den Lindenweg den Umweg über den Kreisverkehr nehmen, um über den Efeuweg das Baugebiet Berthas Halde zu erreichen. „Der Weg ist meiner Meinung nach nicht nur länger, sondern kostet aufgrund der Schrittgeschwindigkeitsregelung auch definitiv mehr Zeit. Ich kann mir daher tatsächlich nur schwer vorstellen, dass auf der Straße ,An der Pferdebahn‘ sehr viel Durchgangsverkehr stattfindet“, zeigt sich Britten skeptisch. Die Blumenkübel, die zeitweise die Durchfahrt von der Pferdebahn aus in Richtung Berthas Halde blockiert haben, seien nur eine temporäre Maßnahme während der Erschließungsarbeiten gewesen, da ortsunkundige Lastwagenfahrer des Öfteren den Weg über die Pferdebahn gesucht hätten. „Die Blumenkübel waren aber nie als Dauerlösung gedacht, da hierfür auch keine entsprechende verkehrsrechtliche Anordnung vorlag“, betont der Bauamtsleiter.

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