Serie „Leben und Arbeiten im Malteserstift“
Hausleiterin Möllmann: „Man hilft sich gegenseitig“

Drensteinfurt -

Seit fast einem Vierteljahrhundert ist Jeanette Möllmann im Malteserstift St. Marien beschäftigt. Im Interview erzählt die Hausleiterin, wie sie die soziale Ader in sich entdeckt hat, spricht über besondere Erinnerungen und darüber, was sie sich von der Politik für die Pflegebranche wünscht.

Freitag, 19.07.2019, 22:00 Uhr
Als Mitarbeiterin im Sozialen Dienst kam Jeanette Möllmann 1995 ins Drensteinfurter Malteserstift. Fünf Jahre später übernahm sie die Hausleitung.
Als Mitarbeiterin im Sozialen Dienst kam Jeanette Möllmann 1995 ins Drensteinfurter Malteserstift. Fünf Jahre später übernahm sie die Hausleitung. Foto: Malteserstift St. Marien

Im Gespräch mit WN-Redakteurin Nicole Evering wirft Jeanette Möllmann , Hausleiterin des Malteserstifts, einen Blick in die Vergangenheit, aber auch die Zukunft spielt eine große Rolle.

Frau Möllmann, vervollständigen Sie doch bitte diesen Satz: „Drensteinfurt ist für mich …“

Möllmann: . . . ein naher Arbeitsplatz, ein Ort der kurzen Wege, auch im Sinne von Unterstützung und Hilfestellung. Man braucht nur jemanden zu fragen, es geht alles relativ unproblematisch und zügig. Die Zusammenarbeit zum Beispiel mit den Kirchengemeinden, Vereinen und Ärzten ist persönlich geprägt. Man hilft sich gegenseitig. Drensteinfurt ist für mich meine „neue Heimat“, in der ich mit meiner Familie lebe und wo ich mich wohlfühle.

Der Begriff des „Pflegenotstandes“ ist in aller Munde. Man könnte meinen, in den Altersheimen dieses Landes herrschten unhaltbare Zustände. Wie sieht das im Malteserstift aus?

Möllmann: Wir sind zum Glück in der Situation, dass der genehmigte Personalschlüssel mit Altenpflegerinnen, Krankenschwestern und Assistenten voll besetzt ist. Auch im Bereich Alltagsbegleitung und Sozialer Dienst gibt es bei uns keine unbesetzten Stellen.

Was tun Sie vor Ort, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

Möllmann: Es ist unser Bestreben, ein attraktiver Ausbildungsträger zu sein. Zurzeit bilden wir insgesamt sechs junge Menschen zum Altenpfleger aus. Im September kommen noch einmal drei weitere dazu.

Welche Maßnahmen könnten an dieser Stelle seitens der Politik ergriffen werden? Oder fühlen Sie sich in dieser Hinsicht ausreichend unterstützt?

Möllmann: Neben der Image- und Lobbyarbeit und auch der tariflichen Erhöhung der Gehälter wünsche ich mir weniger Bürokratie im Umgang mit Anstellungen aus dem nicht-europäischen Ausland oder auch bei Einstellungen von Flüchtlingen. Hier habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht. Aber auch der Ausbau und auf die Pflege abgestimmte Öffnungszeiten von Kitas oder Ganztagsschulen würden vielen den Einstieg in den Pflegeberuf vereinfachen.

Frau Möllmann, Sie sind jetzt seit mehr als 20 Jahren im Malteserstift St. Marien tätig. Warum haben Sie sich damals für diesen Berufsweg entschieden? Was macht die Arbeit mit älteren Menschen für Sie persönlich so besonders?

Möllmann: Während meines Studiums an der katholischen Fachhochschule für Sozialwesen in Vechta habe ich mich sehr viel mit den Themen des Alterns und den damit verbundenen Problemfeldern beschäftigt. Ich habe beispielsweise im Rahmen der Studentengemeinde offene Altentreffen organisiert. Durch Umwege und persönliche Schicksale bin ich der Thematik Altenhilfe wieder nähergekommen. Über eine Bekannte meiner Schwiegereltern hatte ich die Möglichkeit, in Drensteinfurt im Sozialen Dienst anzufangen. Der Arbeitsort wie auch die familiäre Lebenssituation haben mir die Entscheidung leicht gemacht, den Arbeitgeber zu wechseln. Für mich macht es die Arbeit ganz besonders, Menschen in bestimmen Lebenssituation zu begleiten, Hilfestellung zu bieten und einfach für sie da zu sein. Man hat mit vielen Charakteren zu tun. Was mir ganz besonders gut gefällt, ist die Gesamtbetrachtung einer Pflegeeinrichtung. Das Zusammenspiel verschiedener Funktionsbereiche wie Pflege, Verwaltung und Haustechnik muss ausgewogen organisiert werden. Das Räderwerk muss ineinander greifen, sonst ist eine optimale Versorgung der Bewohner nicht gewährleistet. Ich weiß, dass ich eine große Verantwortung trage, für Bewohner und für Mitarbeiter. Und ich freue mich, wenn Bewohner und Angehörige zufrieden sind. Aber auch die Mitarbeiter geben mir großen Rückhalt. Mir persönlich war es auch wichtig, in einem christlich geprägten Haus zu arbeiten.

Gibt es ein Ereignis, das Ihnen aus dieser langen Zeit besonders in Erinnerung geblieben ist?

Möllmann: Es gibt mehrere Situationen, an die ich oft denken muss. Beim Abriss des alten Schwesternwohnheims gab es sintflutartige Regenfälle, die den Stand des Baukranes gefährdeten. Ich musste deshalb mitten in der Nacht von einem Klassentreffen in Papenburg abreisen. Hier angekommen, begrüßte mich eine Nachtwache mit den Worten: „Jetzt kommt Mutter Oberin, jetzt wird alles gut.“ Auch das Jahr im Container, während der Bauphase, ist mir in sehr guter Erinnerung geblieben: klein, mit vier Kollegen auf engstem Raum – das war eine schöne Zeit. Oder auch eine Szene mit einer über 100-jährigen Bewohnerin und unserem ehemaligen Bürgermeister, der ihr gratulieren wollte – sie mochte seine Krawatte nicht.

In Sachen Gesetzgebung und Bürokratie hat sich in den vergangenen Jahren viel verändert. Was bedeutet dies konkret für Ihren Berufsalltag?

Möllmann: Die Datenschutz-Grundverordnung führt nicht gerade zur Entbürokratisierung in der Pflege. Es macht die Arbeit nur schwieriger. Vieles, was für uns wichtig ist, gerade bei der Aufnahme neuer Bewohner, wird uns schwer gemacht. Wir erhalten keinerlei Informationen, auch wenn diese pflegerelevant sein könnten. Mit Blick auf die Pflegereform denke ich, haben wir einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht. Dass die Kosten für einen höheren Pflegegrad nicht mehr von den Betroffenen selbst getragen werden müssen, erleichtert uns die Zusammenarbeit mit den Angehörigen. Auch, dass die kognitive Leistungsfähigkeit des Einzelnen mit in die Ermittlung des Pflegegrades einbezogen wird, ist ein Pluspunkt.

Sie haben vor Kurzem die Leitung des Herberner Seniorenheims abgegeben, um ein wenig kürzer zu treten. Welche Wünsche haben Sie für Ihre „letzten“ Berufsjahre?

Möllmann: Vor allem wünsche ich mir für meine Familie und mich Gesundheit. Außerdem wünsche ich mir weiterhin eine gewisse Gelassenheit und Souveränität für mein Berufsleben.

Zur Person

Jeanette Möllmann wurde 1961 in Leonberg in Baden-Württemberg geboren. Aufgewachsen ist sie in Papenburg im Emsland. Nach ihrem Studium in Vechta stieg sie beruflich in der Jugend- und Erziehungshilfe Hamm ein. Seit 1990 ist sie in der Altenhilfe tätig. Zum Drensteinfurter Malteserstift St. Marien kam sie 1995. Im Jahr 2000 übernahm sie die Hausleitung. Acht Jahre später kam die Leitung des Stifts in Herbern hinzu, die sie kürzlich abgab. Jeanette Möllmann ist seit 1984 verheiratet, hat eine Tochter und wohnt in Walstedde.

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