Vorwurf: Stadt blockiert öffentliche Ladestation
60 Stunden an der Steckdose

Drensteinfurt -

Seit einigen Monaten besitzt die Stadt ein erste E-Fahrzeug. Und das stellt sie bislang regelmäßig zum Laden an der entsprechenden Station am Bahnhof ab. Doch das sorgt nun für Unmut. Der Vorwurf: Der städtische „Dauerparker“ blockiert andere potenzielle Nutzer.

Dienstag, 30.07.2019, 23:55 Uhr aktualisiert: 31.07.2019, 00:00 Uhr
Ärgernis oder nicht? Während ein privates Fahrzeug lädt, blockiert das weiße Auto der Stadt den anderen Platz, ohne tatsächlich zu laden. Die neue Ladestation der Stadtwerke Ostmünsterland am Landsbergplatz (kl. Bild) soll demnächst in Betrieb gehen.
Ärgernis oder nicht? Während ein privates Fahrzeug lädt, blockiert das weiße Auto der Stadt den anderen Platz, ohne tatsächlich zu laden. Die neue Ladestation der Stadtwerke Ostmünsterland am Landsbergplatz (kl. Bild) soll demnächst in Betrieb gehen. Foto: Matthias Münch

Seit etwa einem Vierteljahr sind die Mitarbeiter der Stadtveraltung nun auch mit Elektroantrieb unterwegs. Und dem weißen Dienst-Renault soll nach Möglichkeit bald ein weiteres Fahrzeug folgen, das in Form eines Car-Sharing-Modells auch den Einwohnern zur Verfügung gestellt werden könnte. So hatte es Bürgermeister Carsten Grawunder bei der Indienststellung des E-Flitzers angekündigt. Freunde des emissionsfreien Fahrens dürfen sich also freuen. Gäbe es da nicht ein „Ladeproblem“.

„Seit Monaten blockiert das neue weiße Elektroauto der Stadtverwaltung die rechte Seite der öffentlichen Ladesäule am Drensteinfurter Bahnhof“, berichtet der Drensteinfurter Matthias Münch . „Allein an den Wochenenden steht das Auto von Freitagmittag bis Montagmorgen mindestens 60 Stunden mit angeschlossenem Stecker an der Stromtankstelle, ohne tatsächlich zu laden. Oft ist es sogar noch länger. Hinzu kommen die täglichen Zeiten vom frühen Abend bis zum nächsten Morgen.“ Entsprechend stehe die halbe Ladesäule anderen Kunden nur sehr eingeschränkt zur Verfügung. Aber nicht nur das, bedeute die „Blockade“ für die Betreiber-Firma „Innogy“ doch außerdem einen erheblichen Umsatzausfall, so Münch.

„Dabei ist die Ausschilderung eindeutig. An den Parkverbotsschildern wird darauf hingewiesen, dass dort nur Elektroautos während des Ladevorgangs stehen dürfen. Nun sind die Akkus im Renault der Stadt – selbst wenn sie komplett entladen wären, was selten der Fall sein dürfte – in maximal zwei Stunden wieder vollständig gefüllt“, schildert der Drensteinfurter E-Fahrzeug-Experte. „Niemand erwartet, dass E-Autos sofort nach der Vollladung wieder umgeparkt werden. Eine halbe bis eine Stunde wird in vielen Gemeinden toleriert. Die Drensteinfurter Verwaltung überzieht diese Frist ständig um das Vielfache und müsste sich eigentlich jeden Tag selbst ein Knöllchen schreiben.“

Ein „Problem“, das nach Ansicht von Bürgermeister Carsten Grawunder aber gar keines ist – auch wenn Matthias Münch sicher nicht ganz unrecht habe. „Ich bin ja nun auch wirklich häufiger vor Ort“, betont Grawunder. „Aber ich habe außer unserem Auto noch nie ein anderes Fahrzeug an der Ladesäule gesehen.“ Und da von „Nachfragedruck“ entsprechend bislang keine Rede sein könne, habe man in der Verwaltung bislang auch davon abgesehen, das am Freitag abgestellte Auto am Samstag im Rahmen einer „Sonderschicht“ von einem Verwaltungsmitarbeiter wieder abholen zu lassen, um es danach „regelkonform“ zu parken. Juristisch sei das „Ladeparken“ ohnehin kein Problem, so Grawunder. Denn rechtlich gelte der Ladeaufenthalt eben erst dann als abgeschlossen, wenn das Kabel abgezogen ist.

Zu guter Letzt gab der Bürgermeister aber dennoch Entwarnung: Die vermeintliche „städtische Parkplatzblockade“ am Bahnhof sei nämlich spätestens ab der kommenden Woche Geschichte. Dann nämlich soll die in diesen Tage installierte Stromladesäule gegenüber der Stadtverwaltung am Landsbergplatz in Betrieb gehen – mit Unterstützung der Stadtwerke Ostmünsterland, aber ausschließlich für Fahrzeuge der Stadt bestimmt.

Für Matthias Münch nur ein schwacher Trost. „Zurzeit steigen die Zulassungszahlen für Elektroautos rapide. Fachleute erwarten im nächsten Jahr, wenn viele Autokonzerne neue E-Modelle auf den Markt bringen, einen regelrechten Boom“, so Münch. Eine zweite Ladesäule an der Verwaltung, die dazu noch ausschließlich für kommunale Autos bestimmt ist, dürfte seiner Meinung nach kaum für Entspannung sorgen.

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