Serie „Leben und Arbeiten im Malteserstift“
Erinnerungen an den Tag des großen Umzugs

Drensteinfurt -

Seit zehn Jahren besteht das Malteserstift St. Marien in seiner heutigen Form. Das wird am kommenden Dienstag mit Wegbegleitern und geladenen Gästen gefeiert. Heimleiterin Jeanette Möllmann erinnert sich indes noch gut an den Tag des großen Umzugs: an den 16. August 2008.

Samstag, 10.08.2019, 12:00 Uhr
Der Neubau des Malteserstifts St. Marien bietet den Bewohnern deutlich mehr Komfort. Während der Bauphase waren die Mitarbeiter teilweise in Containern untergebracht.
Der Neubau des Malteserstifts St. Marien bietet den Bewohnern deutlich mehr Komfort. Während der Bauphase waren die Mitarbeiter teilweise in Containern untergebracht. Foto: Jeschke

Den 16. August 2008 werden Jeanette Möllmann und Martina Poker nicht vergessen. Da müssen die Hausleiterin und ihre langjährige Mitarbeiterin kurz innehalten, einmal kräftig schlucken und sich sogar eine Träne aus dem Augenwinkel wischen. Mit wie viel Anstrengungen, aber auch Vorfreude der Umzug in den ersten Abschnitt des Neubaus an diesem Tag verbunden war, das hat Spuren hinterlassen. „Wir haben am Abend, als alles geschafft war, nebeneinander auf der Bank gesessen und geheult wie die Schlosshunde“, sagt Möllmann. Erinnerungen an ein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl – die nun wieder hoch kommen, denn in diesem Sommer jährt sich die Einweihung des neuen Gebäudes zum zehnten Mal.

Das Altenheim gibt es natürlich schon viel länger, seit 1984, wie Möllmann erklärt. 1988 ging die Trägerschaft von der Kirche zu den Maltesern über. Aber auch schon vorher hat man sich auf dem Gelände an der Hammer Straße um Menschen gekümmert: An das 1863 gegründete Krankenhaus werden sich in erster Linie die älteren Stewwerter erinnern. Das Erscheinungsbild des Standortes hat sich im Laufe der Zeit mehrfach gewandelt und sich den gestiegenen Anforderungen angepasst. Alte Mauern und Bäume mussten weichen, um Platz für mehr Menschen und deren Bedürfnisse zu machen.

Doch das sei dringend nötig gewesen, wie Pflegefachkraft Poker betont. Im damaligen Altbau habe es überwiegend Doppelzimmer für die insgesamt 63 Bewohner gegeben. Drei Menschen teilten sich eine Toilette. In der oberen Etage gab es sogar nur ein Bad pro vier Zimmer. „Das war einfach nicht mehr zeitgemäß“, so Möllmann.

Drei Wohnbereiche

Für die Mitarbeiter indes bedeutete die Enge in den drei Wohnbereichen „Franziskus“, „Elisabeth“ und „Martin“ kurze Wege. „Heute machen wir an einem Arbeitstag deutlich mehr Meter“, weiß Poker. Denn jetzt hat das Stift sieben Bereiche, die viel großzügiger gestaltet sind. Hinzu kamen „Regina“, „Pankratius“ und „Lambertus“, benannt nach den einst drei Kirchengemeinden, sowie „Agnes“, von der eine Figur beim Entrümpeln des Dachbodens gefunden worden war.

Die 90 Bewohner haben nun fast ausschließlich Einzelzimmer. In denen zwischen August 2008 und dem Sommer 2009 allerdings teilweise auch je zwei Personen lebten. Eine Zeit des Übergangs, bis auch der zweite Abschnitt des Neubaus endlich bezugsfertig war.

Fünf Container

Die Mitarbeiter erledigten ihre Arbeit während der Bauphase in Containern. Es gab einen für die Verwaltung, einen für die dreckige und einen für die saubere Wäsche. In einem weiteren Container war das Archiv, in einem fünften die Haustechnik untergebracht. „Zur Toilette mussten wir quer über den Hof laufen“, berichtet Ute Moeller, die seit mehr als 20 Jahren in der Verwaltung des Malteserstifts arbeitet. „Und im Winter zog es unter den Türen kalt herein.“ Da musste oft auch improvisiert werden. „Aber man konnte ja sehen, wie es mit dem Neubau vorwärts ging“, sagt Poker. Jeanette Möllmann hat dies als eine besonders schöne Zeit in Erinnerung, die das Wir-Gefühl noch einmal gestärkt hat.

Zu diesem hat in besonderem Maße eben auch der 16. August 2008 beigetragen, der Tag des großen Umzugs. Alles musste raus aus dem Altbau. Die Bewohner wurden nacheinander aus ihren Zimmern in ein Zelt gebracht, dort betreut und verpflegt, während die Mitarbeiter, der Malteser-Hilfsdienst und etliche Ehrenamtliche anpackten und die Möbel rüber in den Neubau schleppten. „Jeder wusste, was er zu tun hat“, erinnert sich Poker. Mit Rosen wurden die Bewohner am Ende in ihren neuen Zimmern willkommen geheißen. Es war ein warmer Sommertag, und am Abend waren alle völlig erledigt. Und dann floss eben auch die eine oder andere Träne.

Abrissbirne rückte an

Am nächsten Morgen ging es jedoch gleich weiter. „Wir hatten nur den einen Tag, um die Hütte komplett leer zu räumen. Denn am 18. August rückte die Abrissbirne an“, weiß Jeanette Möllmann. Zwei 16-Tonner des MHD nahmen alle alten Pflegebetten mit nach Lettland. Andere Möbel wurden verkauft. Zwei große Heiligenfiguren aus der alten Kapelle fanden ein neues „Zuhause“ in der Trauerhalle am Merscher Weg. Der Glockenturm wurde abgebaut und im Garten des Seniorenheims wieder aufgestellt.

Es hat eine Weile gedauert, bis feste Strukturen und persönliche Noten auch in den Neubau Einzug gehalten haben. Und bis Mitarbeiter und Bewohner sich nicht mehr ständig in den oft sehr ähnlich aussehenden Gängen verliefen. Das ist lange her. Genau wie der Umzug. Doch die Erinnerungen an diesen besonderen Tag sind noch immer lebendig.

Feierstunde zum Zehnjährigen

Das zehnjährige Bestehen des Malteserstifts St. Marien in seiner heutigen Form wird am Dienstag, 13. August, mit Freunden des Hauses und geladenen Gästen gefeiert. Los geht es um 10 Uhr mit einer heiligen Messe, die Pastor Jörg Schlummer in der Kapelle des Stifts zelebrieren wird. Die Feierstunde mit Sektempfang schließt sich ab 10.45 Uhr an. Die Begrüßung der Gäste übernimmt Roland Niles, Geschäftsführer der Malteser Rhein-Ruhr gGmbH. Grußworte kommen von Drensteinfurts stellvertretendem Bürgermeister Josef Waldmann, vom Malteser-Beiratsvorsitzenden Godehard Fries und von Hausleiterin Jeanette Möllmann. Auf den offiziellen Teil folgt ein Grillbüfett.

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