Tafel stellt erstes E-Mobil vor
„Ari“ sorgt für frische Waren

Drensteinfurt -

Die ehrenamtlichen Helfer der Drensteinfurter Tafel sind ab sofort mobil. Mit Hilfe von Sponsoren ist es gelungen, einen kleinen Kühltransporter anzuschaffen. Das Besondere: Er fährt rein elektrisch.

Donnerstag, 29.08.2019, 22:00 Uhr
Bei Tempo 75 ist Schluss. Mehr allerdings ist für den Transport der Tafel-Waren nicht notwendig. Petra Holler-Kracht, Rudi Naerger und Tafel-Vorsitzender Stefan Gengenbacher (v. li.) stellten das neue E-Fahrzeug in dieser Woche vor.
Bei Tempo 75 ist Schluss. Mehr allerdings ist für den Transport der Tafel-Waren nicht notwendig. Petra Holler-Kracht, Rudi Naerger und Tafel-Vorsitzender Stefan Gengenbacher (v. li.) stellten das neue E-Fahrzeug in dieser Woche vor. Foto: Dietmar Jeschke

Er hat Platz für zwei Personen und „Saft“ für rund 200 Kilometer. Vor allem aber hat „Ari“ eins: einen hohen Wiedererkennungswert. Und das nicht nur seiner possierlich wirkenden „Froschaugen“ wegen. Sondern vor allem deshalb, weil es von ihm bislang nur etwa 100 ähnliche Exemplare auf deutschen Straßen gibt. Eines davon rollt seit einigen Tagen durch Drensteinfurt – gesteuert von den acht ehrenamtlichen Fahrern der Tafel. Einer von ihnen ist Rudi Naerger , der „Ari“ bereits in Paderborn getestet hatte. Dort nämlich steht das Elektrofahrzeug aus chinesisch-deutsch-tschechischer Co-Produktion schon seit längerem in Diensten eines Gartenbaubetriebs. Mit Ladefläche statt Kühlaufbau, versteht sich.

Apropos Kühlung: Die ist für die Neuanschaffung der Drensteinfurter Tafel von ganz erheblicher Bedeutung, denn schließlich dient der Mini-Lieferwagen mit Batterieantrieb vor allem der Abholung frischer Lebensmittel von mittlerweile neun Supermärkten, Discountern und Backwarenlieferanten. Und damit diese den Transport unversehrt überstehen, ist der geschlossene Laderaum mit einem Kühlaggregat versehen, das – wie „Ari“ auch – einfach über eine ganz normale Steckdose – montiert im Innenhof der Ausgabestelle – aufgeladen wird. Die geladene Energie wird gespeichert und sorgt so bis zu sechs Stunden lang für Kühlschranktemperaturen.

Dass „Ari“ mit einem Spitzentempo von gerade einmal 75 Stundenkilometern kein Sportwagen ist, stört Rudi Naerger ebenso wenig wie seine Tafel-Kollegin Petra Holler-Kracht. „Für unsere Zwecke reicht das“, sagt sie. Kein Wunder, wird der schnuckelige E-Flitzer doch weitestgehend im Stadtgebiet eingesetzt. Eine der wenigen Ausnahmen: Die Abholtouren zur Großbäckerei in Bockum-Hövel. Aber auch diese Distanz lässt sich im Lkw-Tempo ganz locker herunter spulen. Ohne dass es dabei langweilig wird, versteht sich. Denn „Ari“ verfügt nicht nur über ein Glas-Panorama-Dach samt Beschattung, sondern auch über ein ausgeklügeltes Radiosystem mit USB-Anschluss und Rückfahrkamera.

Das hat natürlich alles seinen Preis – sollte man meinen. Mit rund 23 000 Euro ist der neue E-Lieferwagen der Tafel allerdings immer noch ein echtes Schnäppchen. Zum Vergleich: Ein entsprechend umgebauter „E-Scooter“ der Post etwa hätte dem Verein gut das Dreifache gekostet. Die wenigen Arbeiten zur Standardwartung übernimmt die Drensteinfurter Firma Ford Lohmann an der Kleiststraße. Geht es – im seltenen Fall – um den E-Antrieb, kommt der Spezialist der Leipziger Vertriebsfirma.

Die Tafel-Mitglieder hat das neue E-Fahrzeug übrigens keinen Cent gekostet. „Von den Mitgliedsbeiträgen können wir auch gerade einmal die Porto-Kosten bezahlen“, schmunzelt Rudi Naerger. Finanziert wurde das Vehikel vielmehr von den Sponsoren Sparkasse, Volksbank-Stiftung und Lidl. Der Discounter betreibt dazu seit geraumer Zeit eine Pfandspendenaktion. Drückt der Kunde am Pfandautomaten „Spende“ statt „Auszahlung“, landet das Geld auf Antrag bundesweit bei den entsprechenden Tafeln.

Tafel-Vorsitzender Stefan Gengenbacher ist nicht nur stolz auf das mit Blick auf den Nachhaltigkeitsgedanken seines Vereins lang ersehnte eigene E-Fahrzeug. Denn es nützt nun einmal nichts, wenn die Frisch-Lebensmittel nicht entsprechend gelagert werden können. Bislang haben sich die 22 Helfer der Ausgabestelle vorwiegend mit ausgemusterten Kühlschränken begnügen müssen. Seit neustem steht im Lagerraum an der Wagenfeldstraße aber auch ein zwei mal zwei Meter großer und acht Kubikmeter umfassender und mit Regalen bestückter Kühlraum zur Verfügung, in dem Milchprodukte und Co. bei konstant sieben Grad Celsius bis zur nächsten Ausgabe frisch gehalten werden.

Der Kundenstamm der Tafel umfasst übrigens wenige Monate nach der Eröffnung bereits 122 sogenannte „Bedarfsgemeinschaften“ mit insgesamt rund 300 Personen. Jeweils dienstags von 11 bis 13 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr können sie in der Ausgabestelle für kleines Geld einkaufen. Und auch, wenn nicht alle Kunden zu jedem Ausgabetermin kommen, so wünschen sich die Aktiven doch noch weitere Unterstützung. „Man muss auch nicht Mitglied der Tafel sein“, betont Stefan Gengenbacher, der weiß, dass mancher potenzielle Helfer Bedenken wegen möglicher Verpflichtungen hegt. Die jedoch gebe es nicht, so der Vorsitzende. „Es geht lediglich um ehrenamtliches Engagement.“

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