Verdi-Klage: Kaufleute laufen Sturm
„Angriff auf Familienbetriebe“

Drensteinfurt -

Die Klage der Gewerkschaft Verdi gegen die verkaufsoffenen Sonntage schlägt in Drensteinfurt weiter hohe Wellen. Am Freitag hatte der Gewerbeverein zu einer Protestaktion aufgerufen.

Freitag, 30.08.2019, 23:00 Uhr aktualisiert: 01.09.2019, 10:48 Uhr
Großer Bahnhof: Der Vorstand des Gewerbevereins hatte kurzfristig zur Protestaktion eingeladen. Neben den Kaufleuten zeigten auch Verwaltung und Politik Flagge gegen die Verdi-Pläne zum Verbot der Sonntagsöffnung.
Großer Bahnhof: Der Vorstand des Gewerbevereins hatte kurzfristig zur Protestaktion eingeladen. Neben den Kaufleuten zeigten auch Verwaltung und Politik Flagge gegen die Verdi-Pläne zum Verbot der Sonntagsöffnung. Foto: Dietmar Jeschke

Die Kaufleute laufen weiterhin Sturm gegen die Pläne der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi , die vier verkaufsoffenen Sonntage in Drensteinfurt gerichtlich verbieten zu lassen. Am Freitagnachmittag hatte der Vorstand der Interessengemeinschaft „Werbung für Drensteinfurt“ kurzerhand zu einer Protestaktion an der Wagenfeldstraße eingeladen, an der sich nicht nur zahlreiche Kaufleute und Angestellte, sondern auch etliche Vertreter aus Verwaltung und Politik beteiligten. Neben Bürgermeister Carsten Grawunder und Ordnungsamtsleiter Martin Brinkötter waren auch die Ratsmitglieder Heinz Töns ( CDU ), Maria Tölle (Grüne), Simone Stude (SPD) und Sonja Berstermann-Kowalke (FDP) gekommen, um Flagge gegen die Verdi-Pläne zu zeigen. Unterstützung bekamen sie von den beiden heimischen Landtagsabgeordneten Henning Rehbaum (CDU) und Markus Diekhoff (FDP).

In seiner kurzen Ansprache machte Heinz Gaßmöller, Vorsitzender der IGW, noch einmal klar, dass Veranstaltungen wie das „Sommer-Feeling“ oder das Dreingaufest ohne verkaufsoffene Sonntage weder finanziell noch organisatorisch denkbar seien. Zudem seien die vier Aktionstage für Gewerbetreibende in einer Kleinstadt wie Drensteinfurt, die nicht nur im Wettstreit mit dem Internethandel, sondern auch im harten Wettbewerb mit den benachbarten Großstädten stehe, schlichtweg überlebenswichtig. Auf wenig Freude dürfte bei den Kaufleuten allerdings am Freitagmorgen die Nachricht aus dem benachbarten Hammer Stadtteil Heessen gestoßen sein. Dort hatte Verdi gleichfalls gegen die Sonntagsöffnung geklagt – und zwar mit Erfolg. Die traditionelle Ladenöffnung anlässlich des Grill- und Weinfestes beim „Jan-Dümmelkamp-Sonntag“ am 8. September wurde vom Oberverwaltungsgericht Münster untersagt.

Unverständnis über die Haltung der Gewerkschaft äußerte auch Bürgermeister Carsten Grawunder, der darauf verwies, dass man bereits mehrere Male das Gespräch mit Verdi gesucht habe – ohne Erfolg. Im Gegenteil: „Da kommt man schließlich aus dem Urlaub zurück – und es liegt eine Klage auf dem Tisch. So geht man nicht miteinander um“, erklärte Grawunder.

Deutliche Worte gab es ferner von Markus Diekhoff. Verdi, so der Drensteinfurter FDP-Landtagsabgeordnete, gehe es im konkreten Fall offensichtlich nicht „um den Kampf gegen das Großkapital“. Die Klage sei vielmehr ein „Angriff auf die Familienbetriebe“. „Es geht um den Schutz unserer Heimat“, verwies auch Diekhoff auf die Schwierigkeiten, mit denen sich vor allem der kleinstädtische Einzelhandel im Internetzeitalter konfrontiert sieht. Ähnlich ist die Einschätzung von Henning Rehbaum. „Die Kaufleute kämpfen hier wie die Löwen“, erklärte der Albersloher CDU-Abgeordnete. Zudem verwies er darauf, dass der rechtliche Rahmen der Sonntagsöffnungen klar geregelt sei. „Die Geschäfte haben nicht von morgens um sechs bis abends um zehn Uhr offen. Es geht lediglich um ein paar Stunden nach dem Sonntagsgottesdienst“, betonte Rehbaum, der das Verdi-Vorgehen als „rücksichtslos“ gegenüber Kaufleuten als auch gegenüber den ehrenamtlich Engagierten und Bürgern bezeichnete. Wie Bürgermeister Carsten Grawunder erklärte, habe das Verwaltungsgericht angekündigt, noch vor dem nächsten geplanten verkaufsoffenen Sonntag anlässliches des Gartenmarktes am 15. September eine Entscheidung treffen zu wollen. Die Verwaltung selbst habe mittlerweile ein Rechtsanwaltsbüro mit der Angelegenheit betraut.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6887012?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F106%2F127%2F
Nachrichten-Ticker