Anmeldeschwund hält weiter an
Teamschule droht das Aus

Drensteinfurt -

Die Entwicklung der Anmeldezahlen ist seit langem kein Geheimnis. Trotzdem sorgte die Analyse des mit der Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes beauftragten Büros im Fachausschuss für lange Gesichter: Hält der Negativ-Trend an, wird die Teamschule schließen müssen.

Freitag, 13.09.2019, 23:59 Uhr
In das einst aus Haupt- und Realschule bestehende und nun seit einigen Jahren nur noch von der Teamschule genutzte Schulzentrum an der Sendenhorster Straße wurde viel investiert. Die räumlichen Bedingungen sind ideal – aber die Anmeldungen bleiben aus.
In das einst aus Haupt- und Realschule bestehende und nun seit einigen Jahren nur noch von der Teamschule genutzte Schulzentrum an der Sendenhorster Straße wurde viel investiert. Die räumlichen Bedingungen sind ideal – aber die Anmeldungen bleiben aus. Foto: Gunnar A. Pier

113, 73, 69, 67, 54 – und am Stichtag in diesem Jahr nur noch 42: Die Anmeldezahlen für die Teamschule sprechen seit Jahren für sich. Insofern dürfte das, was Schulplanerin Dr. Ulrike Lexis am Donnerstagabend im Fachausschuss zu sagen hatte, eigentlich niemand der dort Sitzenden wirklich überrascht haben. Trotzdem sorgten ihre deutlichen Worte für einen Moment der Schockstarre, denn: „Bleibt die Sekundarschule weiter unter 50 Anmeldungen, muss sie eigentlich geschlossen werden.“ Dass dieses Horror-Szenario kein fernes Gespenst ist, sondern schon bald Realität sein könnte, machte Lexis, deren Büro von der Verwaltung mit der Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes betraut worden war, anhand ziemlich konkreter Prognosezahlen deutlich.

Danach kann die Teamschule im kommenden Jahr allenfalls mit 61 Anmeldungen rechnen. Für 2021 sind es laut Hochrechnung aber nur maximal 55, 2021 erneut 61, 2023 aber wohl lediglich 57 Viertklässler, die an die weiterführende Schule im Ort wechseln werden – weiterer Zuzug von außen bereits einkalkuliert. Die Übergangsquote von der Kardinal-von-Galen-Grundschule beträgt aktuell lediglich 24 Prozent. Ein Wert, der sich in den kommenden Jahren trotz der erneut bis auf rund 200 Viertklässler im Stadtgebiet steigenden Abgängerzahl nur geringfügig auf etwa 29 Prozent erhöhen wird, so das Gutachten.

Zahlen, die Ulrike Lexis gleichfalls mit klaren Worten bewertete: „Der Anteil einheimischer Kinder an der Sekundarschule ist beschämend gering“, so die Planerin. „Wenn dieser Trend nicht gebrochen wird, wird man die Schule auf Dauer nicht halten können.“

Die Sekundarschule ist stark herausgefordert.

Dr. Ulrike Lexis

„Mildernde Umstände“, die trotz zu niedriger Schülerzahl für einen Erhalt der Sekundarschule sprächen, seien lediglich ihre „soziale Funktion“ in der Stadt sowie die Tatsache, dass sie auch zahlreiche „Rückläufer“ aufnehme, die an Gymnasium oder Realschule überfordert sind. „Das ist nicht schön, beschreibt aber die Situation, um die man sich kümmern muss“, lautete der Appell der Planerin an die Politik. „Die Sekundarschule ist stark herausgefordert, damit ihr nicht das Schicksal wie der Hauptschule blüht – auch wenn sie gute Arbeit leistet.“

Qualitätsanalyse mit Top-Ergebnis

Apropos gute Arbeit: Rein qualitativ, betonte Lexis, gebe es keinerlei Grund, warum sich Eltern gegen die Teamschule entscheiden sollten. Im Gegenteil: Das Ergebnis der unabhängigen Qualitätsanalyse sei „überdurchschnittlich“ ausgefallen. Raum- und IT-Ausstattung seien „toll“. Zudem verfüge die Schule über einen überdurchschnittlichen Lehrerbesatz und könne auch bei den Abgängern gute Abschlüsse sowie viele erfolgreiche Ausbildungsübergänge verbuchen.

Bleibt also die Frage, warum die Schule von mehr als dreiviertel der Eltern, deren Kinder die Kardinal-von-Galen-Grundschule verlassen, nicht angenommen wird. „Wenn es Fehlinformationen sind, muss man sie ausräumen“, sagte Ulrike Lexis, die Politik und Verwaltung dringend empfahl, die Kommunikation mit den Eltern, aber vor allem auch mit den Grundschulen zu suchen. Denn alleine könne es die Teamschule kaum schaffen, mit Vorurteilen aufzuräumen.

Umfangreiche Investitionen

„Ich glaube, dass wir als Schulträger wirklich alles möglich machen. Die Voraussetzungen sind ideal“, verwies Bürgermeister Carsten Grawunder auf die umfangreichen Investitionen – zuletzt vor allem in den IT-Bereich –, die die Stadt in den vergangenen Jahren für die einzige weiterführende Schule im Ort getätigt habe. „Und wenn wir einige Jahre lang unter 50 Anmeldungen bleiben, dann ist das halt so“, sagte Grawunder mit Blick auf die anstehende Baulandentwicklung. „Wenn man uns dabei in Münster im Stich lässt, dann gründen wir hier in Drensteinfurt eben eine Privatschule“, verwies der Verwaltungschef auf die Nachbarstadt Sendenhorst, in der man eine ebensolche in Montessori-Form ins Leben gerufen hatte – ohne Mindestschülerzahl und gegen den Protest aus Drensteinfurt. „Wir haben es trotz vieler Gespräche nicht geschafft, die Entwicklung umzukehren“, sagte Grünen-Mitglied Raphaela Blümer. Sie forderte, die „Kommunikation nach außen dringend zu verbessern“.

Kommentar

Politisch in höchsten Tönen gelobt und mit vielen Vorschusslorbeeren gestartet, befindet sich die Teamschule mittlerweile im freien Fall. Das Traurige: Die Entwicklung kommt nicht überraschend – sie zeichnet sich seit Jahren mehr als deutlich ab.Offensichtlich durch immer niedrigere Anmeldezahlen alarmiert, entscheiden sich immer mehr Eltern für einen anderen Weg, selbst wenn dieser täglich mit langen Zug- oder Busfahrten verbunden ist. Logisch? Nicht unbedingt. Aber nachvollziehbar, wenn man halt nicht eines Besseren belehrt wird. Und genau daran hapert ist.Wer das offensichtliche Akzeptanzproblem der Teamschule in den vergangenen Jahren öffentlich ansprochen hat und nach den Ursachen fragte, wurde mitunter sogar wegen „unpatriotischem Verhaltens“ gemaßregelt und angefeindet. „Weiter so“ statt Aufarbeitung? Ein Weg, der zum Scheitern verurteilt ist.Politik und Verwaltung sollten sich rasch eingestehen, dass sie bislang kläglich gescheitert sind, ein nachweislich gutes „Produkt“ auch so „zu verkaufen“. Bleibt man beim Beispiel der Ökonomie, bleiben nur zwei Möglichkeiten: Entweder, man stellt das „Produkt“ wegen anhaltender Nachfrageschwäche ein – was wohl niemand wirklich möchte. Oder aber man analysiert, warum es beim „Kunden“ nicht ankommt und passt es gegebenenfalls den „Markterfordernissen“ an. Höchste Zeit also für eine transparente Aufarbeitung und ein professionelles Schulmarketing. Denn wer gut ist, der sollte dies nicht nur im Hinterzimmer feiern, sondern auch nach außen zeigen. Die Mitbewerber in den Nachbarstädten schlafen bekanntlich nicht. 

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Dietmar Jeschke

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