Besondere Motorradtour
Abenteuer Karpaten

Rinkerode -

Eigentlich hatte Ulrich Schäpers keine große Tour mehr vor. Doch dann kam es ganz anders. Da ihn die Motorradleidenschaft nach wie vor nicht losließ, startete der Rinkeroder zusammen mit Martin Kellerhaus aus Nienberge und Bernd Anker aus Vorhelm in Richtung Karpaten.

Samstag, 21.09.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 25.09.2019, 13:26 Uhr
Eigentlich wollte der Rinkeroder Ulrich Schäpers (Mitte), keine große Tour mehr unternehmen. Ende August ging es aber aber denn auf eine fast 3500 Kilometer lange Tour durch die Karparten.
Eigentlich wollte der Rinkeroder Ulrich Schäpers (Mitte), keine große Tour mehr unternehmen. Ende August ging es aber aber denn auf eine fast 3500 Kilometer lange Tour durch die Karparten. Foto: Privat

„Vor drei Jahren sollte es mit der großen Deutschland-24-Stundenrundreise eigentlich meine letzte große Motorradtour gewesen sein“, schmunzelt der 66-jährige Ulrich Schäpers . Doch dann kam es ganz anders. Denn die Motorradleidenschaft ließ den Rinkeroder noch nicht los.

Zusammen mit Martin Kellerhaus aus Nienberge und Bernd Anker aus Vorhelm starteten die Mitglieder der Motorradfreunde Ahlen erneut in ein vorher kaum zu überschauendes Unternehmen mit dem Trip nach Rumänien in die Karpaten. Seit zehn Jahren unternehmen die Motorradfreunde fast jährlich Fahrten, meistens zu sechst, dieses Mal aber berufsbedingt nur zu dritt. Und auch diese, seit Anfang des Jahres geplante Tour sollte ein weiteres großes Abenteuer werden.

Ende August ging es zunächst mit dem Autozug von Rinkerode nach Innsbruck in Österreich. „Diese 700 Kilometer lange Fahrt mit der Österreichbahn haben wir schon im Frühjahr gebucht“, erzählt Ulrich Schäpers. In der Bahn gab es die erste Überraschung für die drei Motorradfreaks. Im Zugabteil von etwa vier Quadratmetern wurden insgesamt sechs Personen untergebracht – und das für eine Zwölfstundenfahrt mit Übernachtung. „Das war schon eine enge Kiste“, erinnert sich Schäpers lächelnd.

In Innsbruck ging es dann auf die Motorräder und zunächst ohne Pause über den Brenner in Richtung Brixen durch die Dolomiten. Weiter dann in Österreich nach Lienz, Spittal und Villach. „Gerade die 250 Kilometer lange Fahrt entlang der Drau war landschaftlich ein tolles Erlebnis“, so die drei Motorradsportler. Über Graz ging es dann nach Maribor in Slowenien. Dort stand die erste Übernachtung an. Schon früh am Morgen des nächsten Tages wurde die Fahrt fortgesetzt. Es ging über die Grenze nach Ungarn in die Stadt Nagikanizsa. Aber auch in Ungarn hatte man keine Zeit für Stadtbesichtigungen, denn das große Ziel, die Karpaten, lag ja noch etwa 1000 Kilometer vor ihnen.

Die zweite Übernachtung war eigentlich im ungarischen Seged geplant. „Doch als wir dort am späten Abend ankamen, haben wir kein Zimmer gefunden, also sind wir einfach weitergefahren“, berichtet Schäpers. Und aus dem „einfach Weiterfahren“ sollte dann ein kaum zu beschreibender „Höllenritt“ werden. Zunächst hatte man Probleme mit den Navigationsgeräten, die teilweise keinen Satellitenempfang hatten. Dann waren die Straßen eine Katastrophe, die Autobahnen teilweise nicht fertig und Umleitungen immer wieder nicht gekennzeichnet. „Und dann haben uns noch Lastwagen nachts bei den Straßenverhältnissen mit 100 Stundenkilometern locker überholt – einfach abenteuerlich“, denkt Ulrich Schäpers an die Nachtfahrt mit Schrecken zurück.

Trotzdem kamen die drei morgens um 5.30 Uhr am Ziel im rumänischen Sibiu an. Nach einer Übernachtung sollte es dann auf die eigentliche Fahrt durch die Karpaten gehen. „Die von uns geplanten Strecken mit den Bezeichnungen ,Transfagavasan‘ und ,Transalpina‘ zählen zu den fünf weltweit schönsten Motorradstrecken“, weiß Ulrich Schäpers zu berichten.

Während die erste Route durch die Serpentinen und den weiten Blick in die Karpaten bestacht, zeichnete sich die zweite Rundfahrt durch enge Schluchten und riesige Waldflächen mit einem tollen Baumbestand aus. Das Ziel beider Strecken lag auf 2400 Metern Höhe, wobei ein Höhenunterschied von 2000 Metern zu bewältigen war. „Und auch dort waren die Straßenverhältnisse mehr als dürftig, keine Asphaltstraßen: nur geschotterte Wege“, berichten die drei, für eine Strecke von gerade einmal 29 Kilometern ganze zwei Stunden brauchten. „Wenn wir unsere Motorräder geschoben hätten, wären wir fast genauso schnell gewesen. Die Straßen hatten teilweise so große und tiefe Löcher wie eine Kinderbadewanne“, schmunzelt Schäpers.

Was sich bei der gesamten Fahrt negativ bemerkbar machte, waren bei zweien von ihnen die Motorräder. „Wir hatten alle drei eine Honda mit 800 oder 1000 Kubikzentimetern Hubraum – aber nur einer hat eine Geländemaschine. Das haben wir übrigen zwei mit den normalen Maschinen auf der ganzen Strecke gemerkt: Jedes Schlagloch haben wir an bestimmten Körperteilen gespürt“, berichtet Schäpers.

Auf dem Weg zum Gipfel ihrer Reise passierten die Motorradfreunde aus dem Münsterland so manch kleines Bergdorf. „Dort haben wir auf der einen Seite viel Armut und auf der anderen auch viel Prunk an Gebäuden wie etwa Kirchen gesehen“, sagt Schäpers. Auf den Straßen begegneten ihn schon mal frei herumlaufende Kühe, Esel und Hunde, aber auch ganze Schafherden. Die Verständigung mit den einheimischen Menschen sei dagegen ziemlich einfach gewesen, zumal man sich mit vielen in Deutsch unterhalten könne. Und die Gastfreundschaft, betonen die Münsterländer, sei „einmalig“. „Die Menschen waren sehr, sehr nett“, so Ulrich Schäpers.

Nach den anstrengenden Fahrten in den Karpaten ließ man es dann nach einem Ruhetag auf der Rückfahrt etwas gemütlicher angehen und nahm die etwas leichtere Strecke zurück nach Innsbruck.

Alle drei waren sich nach der 3450 Kilometer langen Fahrt einig: Es war ein tolles Erlebnis und ein großes Abenteuer – und das alles ohne größere Pannen an den Maschinen. Für das nächste Jahr planen die Motorradfreunde eine Nordlandfahrt. „Aber da bin ich nicht dabei“, so Ulrich Schäpers. Aber das hatte er ja auch schon vor drei Jahren gesagt – also warten wir es mal ab.

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