Freibad-Team zieht Bilanz
Nach der Saison ist vor der Saison

Drensteinfurt -

Auch wenn es am Wochenende noch nicht den Anschein hatte: Der Sommer 2019 ist vorbei – auch im Erlbad, das am Freitag zum letzten Mal geöffnet hatte. Insgesamt haben in diesem Jahr rund 101 500 Menschen die Gelegenheit zum „Sprung ins kühle Nass“ genutzt.

Sonntag, 22.09.2019, 23:00 Uhr
Finale unter blauem Himmel: Am Freitagabend endete die Erlbadsaison 2019. Schwimmmeister Andreas Willuweit und seine Kollegin Sina Walpuski ziehen eine insgesamt positive Bilanz.
Finale unter blauem Himmel: Am Freitagabend endete die Erlbadsaison 2019. Schwimmmeister Andreas Willuweit und seine Kollegin Sina Walpuski ziehen eine insgesamt positive Bilanz. Foto: Dietmar Jeschke

„Na dann: Bis nächstes Jahr!“, schallt es, begleitet von dezenten Tropfgeräuschen, durch die Schwimmmeisterkabine. Und obwohl Andreas Willuweit und Sina Walpuski sehr wohl wissen, was die berühmte „Stunde geschlagen hat“, schauen sie sich instinktiv ein wenig ungläubig an. Bis nächstes Jahr? Eigentlich kaum zu glauben – bei einem Blick in den strahlend blauen Himmel und auf das noch rege genutzte Schwimmbecken. Denn in dem nutzen zahlreiche Stammgäste bei bestem Spätsommerwetter und überaus wohligen Temperaturen die letzte „Open-Air-Badegelegenheit“ der Saison 2019. Aber: Irgendwann ist halt Schluss. „Heute morgen waren es drei Grad“, berichtet Schwimmmeisterin Sina Walpuski. Und genau darin liegt das Problem: Das Freibadwasser kühlt trotz großer Wärmeschutzfolie in den Septembernächten derart aus, dass es allein durch die große, umweltfreundliche Kollektorenanlage und ohne großes Zuheizen mit Hilfe fossiler Brennstoffe eben kaum noch auf wirklich angenehme Temperaturen kommt. Deshalb war am Freitagabend „Feierabend“ im Erlbad. Nach einer durchaus langen Saison, war es doch in den vergangenen Jahren in der Regel bereits Anfang September mit den Badefreuden vorbei.

Insgesamt, berichtet Erlbadleiter Andreas Willuweit, hatte das Freibad in diesem Jahr – trotz des relativ späten Saisonbeginns am 15. Mai – an 129 Tagen geöffnet. Und bis zum Freitagnachmittag hatten rund 101 500 Gäste das Drehkreuz passiert. Ein zufriedenstellendes Ergebnis, auch wenn die Zahl des vergangenen Jahres nicht erreicht wurde, so Willuweit. Denn im – zugegeben nicht ganz repräsentativen „Supersommer 2018“ – waren rekordverdächtige 133 496 Gäste gezählt worden. 2017 hingegen waren es wegen des überaus wechselhaften Wetters lediglich rund 87 000 Gäste.

„Wechselhaft“, so Andreas Willuweit, sei übrigens „relativ“ zu verstehen. Denn der jüngste Hochsommer war bekanntlich fast kontinuierlich warm. Die Besucherspitzen konzentrierten sich trotzdem vor allem auf die besonders heißen Tage mit Werten jenseits der 30-Grad-Marke. So waren es am Samstag, 29. Juni, 3169 Gäste. Einen Tag später wurden sogar 3954 Besucher gezählt. Der absolute „Top-Tag“ hingegen war ein Donnerstag, und zwar der 25. Juli, als das Kassenpersonal stattliche 4181 Besucher „abzufertigen“ hatte. Als es nach den Tagen mit Spitzenwerten von fast 40 Grad aber auf „nur noch“ etwa 28 Grad abkühlte, herrschte im Erlbad hingegen fast Flaute. „Die Leute waren wohl einfach ,satt‘“, vermutet Andreas Willuweit.

„Randale-Probleme“, wie sie in den vergangenen Wochen vor allem im Düsseldorfer Rheinbad für Schlagzeilen gesorgt hatten, gab es übrigens auch in dieser Saison im Erlbad nicht. Aber: „Fakt ist, dass sich das Besucherverhalten schon merklich verändert hat“, erklärt Andreas Willuweit, dass auch im Drensteinfurter Freibad „einige Spezialisten“ mitunter „besonderer Aufmerksamkeit“ bedürfen. „Es fehlt einigen mitunter einfach an Respekt“, ergänzt Sina Walpuski.

Um einer gewissen Meinungstendenz jedoch gleich vorzubeugen, betont Andreas Willuweit, dass die in Drensteinfurt lebenden Flüchtlinge eben nicht zur besagten Problemgruppe gehörten. Im Gegenteil: „Man kennt es von früher: Schule aus – und ab ins Freibad. Das ist für viele Schüler heute nicht mehr so. Aber für manche der Geflüchteten. Denn für sie ist das Freibad noch immer etwas ganz Besonderes.“

Nach der langen Saison 2019 ist für das Erlbadteam übrigens längst noch nicht „Feierabend“. „Am Montagmorgen geht es los mit dem ,Einwintern‘“, so der Schwimmmeister. „Zunächst wird das Filtermaterial erneuert. Dann muss der Schlammkeller gereinigt werden.“ Und schließlich kommen auch noch die Handwerker, gilt es doch, die Fliesen im Sanitärbereich komplett neu zu verfugen. Größere Renovierungen und Umbauten sind in diesem Winter nicht geplant, wurden doch erst in den vergangenen beiden Jahren alle rostigen Metallspinde durch robuste Konstruktionen aus Kunststoff ersetzt.

Sind alle Bänke, Tonnen und Schirme sicher und trocken verstaut, heißt es schließlich auch für Andreas Willuweit: Endlich Ferien! Denn angesichts des Full-Time-Jobs in der Hochsaison stehen neben seinem gesamten Jahresurlaub auch noch etliche Überstunden auf seinem Freizeitkonto. Und wenn die verdienten Wochen der Erholung im eigenen Camper auf der iberischen Halbinsel dann vorbei sind, ruft bereits die nächste Saison. Denn bevor es im Mai 2020 wieder heißt „Wasser marsch“, will die gesamte Technik ordentlich gewartet werden. Und die, so Willuweit, ist mittlerweile auch schon wieder rund 20 Jahre alt, was bedeutet, dass schon einmal die eine oder andere „Klappe“ erneuert werden muss. Und dann sind da ja noch einige Fortbildungen, die auf den Erlbadleiter warten, der damit auch in der frostigen Jahreszeit kaum Langeweile haben dürfte. Ganz abgesehen davon, dass ja auch noch das nächste Jahresprogramm rechtzeitig geplant werden will. „Wir hoffen, 2020 wieder einen ,Erlbathlon‘ veranstalten zu können. Der hat in diesem Jahr schon gefehlt“, sagt der Schwimmmeister, der sich außerdem auf eine Neuauflage des überaus erfolgreichen Kinoabends am Beckenrand freuen würde.

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